Digital Life
13.05.2014

UltraViolet: Dürftiges Streaming-Portal der Filmindustrie

Eine Allianz von Elektronikherstellern und Film-Studios will sich mit der UltraViolet-Plattform für die Zukunft rüsten. Überzeugen kann sie im futurezone-Praxistest noch nicht.

Die Umsätze aus dem Verkauf physischer Datenträger gehen dramatisch zurück. In den kommenden vier Jahren soll der Verkauf von DVDs und Blu-ray-Discs um 38 Prozent einbrechen. Man ist sich einig, dass dem OnDemand-Streaming die Zukunft gehört. Für die konservative Filmindustrie ist es also höchste Zeit, alternative Vertriebsmöglichkeiten zu entwickeln.

Entwickelt wurde UltraViolet von der DECE, der "Digital Entertainment Content Ecosystem", einer branchenübergreifenden Allianz aus rund 85 Unternehmen. Dazu zählen die großen Film-Studios wie Fox Entertainment, NBC Universal, Paramount Pictures oder Warner Bros genauso wie namhafte Gerätehersteller und IT-Unternehmen wie Sony, Samsung, LG, Toshiba Huawei, HP, Microsoft, Intel oder IBM. Auffallend ist das Fehlen von Apple und des Unterhaltungsgiganten Disney. Ein Grund dafür könnte sein, dass die beiden Unternehmen jeweils ihr eigenes Süppchen kochen wollen.

In der DACH-Region ist das UltraViolet-System Ende November des Vorjahres an den Start gegangen und befindet sich aktuell noch im Beta-Status. In den ersten vier Monaten wurden nach eigenen Angaben bereits über 80.000 Nutzerkonten eingerichtet, denen derzeit über 50 Filme und TV-Serien zur Verfügung stehen. Weltweit verfügt UltraViolet über 17 Millionen Nutzer.

Der Code zum Stream

Die Idee hinter UltraViolet ist, dass man einen Film in Form einer DVD oder Blu-ray kauft und ihn gleichzeitig in der Cloud abrufen kann. Den physischen Datenträgern, auf denen sich ein UltraViolet-Logo befindet, ist ein Einlösecode beigelegt. Nach Eingabe des Codes auf der entsprechenden Website, wird der Film zur UltraViolet-Bibliothek hinzugefügt und kann fortan auch online gestreamt oder heruntergeladen werden. Dabei besteht die Möglichkeit, seine Filmsammlung mit bis zu fünf weiteren Personen zu teilen und auf bis zu zwölf Endgeräten wiederzugeben.

Screenshots der Streaming-Plattform

1/7

Mac_screenshot_4.png

Mac_screenshot_2.png

Mac_screenshot_3.png

Android_screenshot_1.png

iOS_screenshot_2.PNG

iOS_screenshot_3.PNG

iOS_screenshot_4.PNG

Komplizierter als gedacht

Was in der Theorie einfach klingt, ist in der Praxis kompliziert. Der Einlösecode für einen Film von "Twentieth Century Fox Home Entertainment" muss auf deren eigenen Website foxredeem.com eingelöst werden, woraufhin man auf die "Social-Movie"-Seite Flixster weitergeleitet wird. Dort muss man ein eigenes Benutzerkonto erstellen.

Nach Abschluss der Registrierung folgt eine erneute Weiterleitung und zwar auf die UltraViolet-Website, wo man sich abermals ein Benutzerkonto einrichten muss. Nach der Erstellung des Accounts wird die Flixster-Bibliothek mit der UltraViolet-Bibliothek verknüpft und der Film kann gestreamt oder heruntergeladen werden. Aktuell sind die Filme und TV-Serien noch nicht in HD-Qualität abrufbar. Ebenso sind weder Untertitel noch mehrere Sprachen oder sonstige Extras verfügbar.

Die UltraViolet-Plattform dient dabei als zentrales Rechte- und Nutzerverwaltungssystem, das die Zugriffsrechte auf die jeweiligen Filme regelt. Bereitgestellt wird der Stream beziehungsweise die digitale Version der Filme nicht von UltraViolet sondern von den entsprechenden Anbietern - in der DACH-Region derzeit Flixster und Sony Pictures Store.

Download mit Einschränkungen

Um einen Film herunterladen zu können, muss sowohl unter Mac OS X als auch unter Windows die Flixster-App installiert sein, welche Adobe AIR voraussetzt. Wer glaubt, sich nun über ein Video-File im Filme-Ordner freuen zu können, wird enttäuscht sein. Denn eine entsprechende, lokal gespeicherte Datei ist nicht auffindbar. Um den Film offline sehen zu können, muss also die Flixster-App verwendet werden.

Irgendwo müssen sich die entsprechenden Video-Files ja verstecken. Einige Flixster-User berichten, sie hätten die Video-Files unter C:\Users\[Benutzername]\AppData\Roaming\com.wb.DC2\Local Store beziehungsweise unter ~/Library/Preferences/com.wb.WC2 gefunden. An diesen Stellen konnten allerdings - selbst unter den versteckten Dateien - keine Film-Dateien ausfindig gemacht werden. Wer das Glück hat, den Video-Files dennoch über den Weg zu laufen, braucht zusätzlich die Gunst des Schicksals, um das File überhaupt abspielen zu können. Denn wie in manchen Foren berichtet wird, sei es aufgrund der DRM-Belastung nicht möglich die .mp4-Datei außerhalb der Flixster-App wiederzugeben.

Ähnlich verhält es sich mit mobilen Devices. Hier ist die iOS- beziehungsweise Android-App von Flixster notwendig, um Filme streamen oder herunterladen zu können. Auch hier besteht quasi der Zwang zur Verwendung der App, um heruntergeladenen Filme offline betrachten zu können.

Noch ein langer Weg

Wann die fertige Plattform, mit all seinen Funktionen und Qualitätsverbesserungen den deutschsprachigen Nutzern zur Verfügung stehen wird, ist noch unklar. "Das Angebot mit lizenzierten Händlern, die Streaming und Download anbieten, wird 2014 in der DACH-Region weiter ausgebaut," heißt es von UltraViolet gegenüber der futurezone. Demnach stehen auf der Entwicklungsagenda ein rein digitaler Vertrieb der Filme, sowie das "disc-to-digital-service". Dabei sollen bereits erworbene DVDs und Blu-rays digitalisiert und der UltraViolet Film-Sammlung hinzugefügt werden können. In weiteren Ausbauschritten soll außerdem ermöglicht werden, Flixster als "Zwischenseite" zu umgehen und alle Funktionen direkt im UltraViolet-Portal anzubieten.

Derzeit nicht zufriedenstellend

UltraViolet scheint wie der Versuch konservativer Branchenvertreter sich zumindest zum Teil dem Web zu öffnen. Für einige Konsumenten mag das Geschäftsmodell auch durchaus ansprechend wirken. Doch in der derzeitigen Umsetzung hakt es noch an allen Ecken und Enden: Der Weg, damit etwa ein Film auf einem Tablet im Flugzeug angesehen werden kann, ist derart schlängelig und steinig, dass den Nutzern einiges an Geduld abverlangt wird.

Bei deutlich verbesserter Usability, flexibleren Bezahlmodellen und erweiterter Auswahl an Content hat allerdings der Ansatz, einen Film nur einmal kaufen zu müssen, um ihn auf allen möglichen Devices zur Verfügung zu haben, durchaus Potenzial.