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Digital Life
10/18/2019

US-Militär entsorgt Floppy Disks für Atomraketen-Starts

Atomwaffen werden immer noch mit Computer aus den 70ern gesteuert, dieser benötigt nun aber keine 8 Zoll Floppy Disks mehr.

Wollte der US-Präsident seine Autorisierung zum Start von Atomraketen an das US Strategic Command weitergeben, mussten bisher 8 Zoll große Floppy Disks aus den 70er-Jahren in entsprechende Laufwerke geschoben werden. Die darauf gespeicherten Daten werden weiterhin vom Strategic Automated Command and Control System (SACCS) verarbeitet, einem IBM-Computer aus den 1970ern. In Zukunft verwendet dieser jedoch statt den veralteten Disketten eine "höchst sichere, digitale Solid-State-Speicherlösung", wie die Militär-Nachrichten-Webseite c4isrnet berichtet.

Unhackbar

SACCS soll auf absehbare Zeit nicht ersetzt werden. Der alte Rechner gilt als zuverlässig. "Ich scherze immer mit Leuten und sage, es ist das älteste Computersystem der Air Force", meint Jason Rossi, Kommandant der 595th Strategic Communications Squadron. "Aber es ist das Alter, das es sicher macht. Du kannst nicht etwas hacken, was keine IP-Adresse hat. Es ist ein einzigartiges System - es ist alt und es ist sehr gut." Die 595th Squadron ist damit beauftragt, SACCS, das am Sitz des Strategic Command in der Offutt Air Force Base im US-Bundesstaat Nebraska, aufgebaut ist, zu warten.

Schwierige Wartung

Die Wartung des Rechners aus den 70ern ist offenbar eine schwierige Aufgabe, denn seine Bauteile können meist nicht einfach ersetzt werden. Stattdessen müssen etwa defekte Stromkreise in Platinen in mühsamer Arbeit unter Mikroskopen ersetzt werden. Weil das dazu notwendige Know-How beim Militär-Personal kaum mehr vorhanden ist, setzt die 595th Squadron regelmäßig auf die Mithilfe ziviler Unternehmen. 2016 hat das US-Verteidigungsministerium angekündigt, SACCS mit modernen Komponenten aufzurüsten, u.a. durch zusätzliche Prozessoren, portable Eingabegeräte und Desktop-Rechner. Das Kernsystem bleibt allerdings jenes aus den 70ern.