Digital Life
31.03.2017

Vernetztes Sex-Spielzeug wirft viele rechtliche Fragen auf

Ein ferngesteuerter Vibrator, der gar nicht vom Liebsten, sondern von einem Fremden gesteuert wird, könnte in manchen Ländern als Vergewaltigung zählen, erklärt ein Rechtsexperte.

Auf der RightsCon in Brüssel wurden einem Medienbericht vom EU Observer zufolge ein Vibrator gehackt, der mit dem Internet verbunden war und ferngesteuert werden konnte. Derartige Sex-Toys wird es künftig immer mehr geben. Sie sollen Paaren in Fernbeziehungen helfen, sich gegenseitig nahe zu sein und miteinander zu interagieren.

Der gehackte Vibrator hatte auch eine integrierte Kamera und der fremde Mensch konnte das Geräte aus der Ferne nicht nur steuern, sondern auch dabei zusehen. Das Gerät lieferte laut dem Bericht gestochen scharfe Bilder.

Fremder steuert Vibrator

Amie Stepanovich von Access Now, die Hauptorganisatorin der Konferenz rund um Menschenrechte im Internet, ging der Frage nach: „Was passiert eigentlich, wenn jemand glaubt, mit seinem Partner Sex zu haben, aber jemand hat das Sex-Toy mit einem Man-in-the-Middle-Angriff übernommen und es wird von ganz wem anderen gesteuert?“

Laut Arthur Rizer, einem früheren US-Staatsanwalt, fällt die Beantwortung dieser Frage von Land zu Land unterschiedlich aus. In Belgien könnte ein derartiger Hack sogar nach dem Strafmaß einer Vergewaltigung beurteilt werden, während das in Dänemark nicht der Fall sei. In Irland würde es keine Vergewaltigung sein, aber eine sexuelle Belästigung.

Selbstlernende Geräte

Weitere rechtliche Fragen würden sich auftun, wenn der Vibrator auch selbstlernende Fähigkeiten besitzen würde, sich also die Vorlieben seiner Nutzerinnen und Nutzern merken würde und nach einiger Zeit damit beginnen würde, sie selbstständig anzuwenden. „Wo liegt dann die Haftung, wenn etwas damit passiert?“, fragte der Technologie-Anwalt Mishi Coudary. „Ich glaube nicht, dass die Welt dafür in Form von Gesetzen bereit dafür ist.“

Dass Vibratoren und andere Sex-Spielzeuge gehackt werden können, ist seit längerem bekannt und kein reines Zukunftsszenario mehr. Sicherheitsforscher haben bereits mehrfach gezeigt, dass appgesteuerte Vibratoren einfach übernommen werden können. Dabei haben sie entdeckt, was die Freudenspender alles aufzeichnen.