Forschung
06/25/2012

Wanderungsbewegungen mit E-Mails analysiert

43 Millionen E-Mail-Konten liefern genauere Ergebnisse als offizielle Wanderungszahlen

Bei der Untersuchung der weltweiten Bevölkerungswanderung setzen Forscher nun auch auf den E-Mail-Verkehr. Dank der digitalen Daten gebe es erstmals realistische Eindrücke über das Wanderungsverhalten in Regionen, die bisher kaum untersucht werden konnten, wie das Max-Planck-Institut für demografische Forschung (MPIDR) in Rostock in Deutschland am Montag mitteilte. Demnach analysierte der Bevölkerungsforscher Emilio Zagheni Millionen weltweit versandter E-Mails und erstellte daraus einen Datensatz globaler Migrationsströme.

Die bisherigen Erhebungen zu Wanderungsbewegungen seien zwischen den Ländern kaum vergleichbar und „oft veraltet", erklärte der Forscher. Zudem seien offizielle Wanderungszahlen meist problematisch, weil Migranten beispielsweise dazu tendierten, sich nach einem Umzug nicht oder erst sehr spät bei den Behörden anzumelden.

Der MPI-Forscher wertete gemeinsam mit einem Yahoo-Experten den weltweiten E-Mail-Verkehr von 43 Millionen Benutzerkonten des Internetdienstleisters aus. Für zwischen September 2009 und Juni 2011 geschriebene Nachrichten wurde anonymisiert der Wohnort des Absenders ermittelt.

Dazu wurden sogenannte IP-Adressen genutzt, aus denen sich für jedes Gerät das Ursprungsland der Mails bestimmen lässt. Verwendet wurden auch Geburtstag und Geschlecht des Absenders, die dieser in seinem Benutzerkonto angegeben hatte. Die Forscher arbeiteten nach eigenen Angaben ausschließlich mit anonymisierten Daten und konnten weder den Autor einer Nachricht, noch deren Titel oder Inhalt erkennen.

Im Ergebnis konnte demnach zum Beispiel für die USA erstmals die Auswanderung nach Geschlecht und Alter beziffert werden. Dabei habe sich auch gezeigt, dass die Mobilität nach der Finanzkrise deutlich zugenommen habe. Das selbe Phänomen zeigte sich laut Max-Planck-Institut bei fast allen entwickelten Staaten, mit wenigen Ausnahmen wie der Schweiz oder Taiwan.

Die Gruppe der E-Mail-Nutzer in einem Land ist freilich nicht repräsentativ für die Gesamtbevölkerung, weil etwa ältere Menschen weniger Mails schreiben. Um solche Verzerrungen zu beheben, verwendeten die Forscher ein mathematisches Korrekturmodell.