Digital Life
30.07.2018

Warum ein alter Macintosh im Microsoft-Hauptquartier steht

Wer die Firmenzentrale von Microsoft besucht, wird unter anderem von einem Mac begrüßt - aus gutem Grund.

Apple und Microsoft galten lange Zeit als erbitterte Rivalen. Umso verwunderlicher ist ein Ausstellungsstück im Besucherzentrum des Microsoft-Hauptquartiers, das nun vom US-Blog Business Insider entdeckt wurde: Ein Apple Macintosh aus dem Jahr 1984. Dass ausgerechnet ein Konkurrenzprodukt neben anderen Firmen-Erinnerungsstücken, wie Bill Gates erster Visitenkarte, ausgestellt ist, mag zunächst verwundern. Doch betrachtet man die gemeinsame Vergangenheit der beiden Unternehmen etwas genauer, ergibt das durchaus Sinn.

Obwohl Microsoft bereits 1981 mit MS-DOS die Grundlage für seine Dominanz auf dem PC-Markt legte, entwickelte man jahrelang Software für Apples Macintosh. „Wir hatten mehr Leute, die am Mac gearbeitet haben, als Jobs hatte“, sagte Bill Gates unter anderem in der offiziellen Steve-Jobs-Biografie von Walter Isaacson. Gates preiste den Macintosh sogar in mehreren öffentlichen Auftritten an und warb für die Plattform. Nicht ohne Grund, 1983 generierte Microsoft noch die Hälfte seiner Umsätze mit Mac-Software, unter anderem verschiedenen Office-Applikationen. 

"Beim Nachbarn eingebrochen"

Doch nachdem Microsoft selbst an einer grafischen Benutzeroberfläche für Windows arbeitete, zeigte sich Steve Jobs beleidigt und warf Microsoft Diebstahl vor – und ignorierte dabei, dass sich Apple selbst die Idee zur grafischen Benutzeroberfläche von Xerox PARC (Palo Alto Research Center) geholt hatte. „Ich glaube eher, dass wir beide diesen reichen Nachbarn namens Xerox hatten. Ich bin in das Haus eingebrochen, um den Fernseher zu stehlen, nur um festzustellen, dass du ihn bereits gestohlen hattest“, sagte Gates laut Isaacson zu Jobs.

Jobs hegte weiterhin öffentlich Groll gegenüber Microsoft, auch nachdem er Apple 1985 verlassen musste. So behauptete er, Microsoft habe keinen Geschmack und die Mac-Programme des Unternehmens seien „fürchterlich“ und „dritter Klasse“. Umso verwunderlicher war es, dass Jobs seinen Stolz runterschluckte und nach seiner Rückkehr 1997 einen Deal mit dem Erzrivalen abschloss: Microsoft investierte 150 Millionen US-Dollar in das von der Pleite bedrohte Apple, beide Unternehmen teilten ihre Patente und der Internet Explorer wurde vorläufig zum Standard-Browser unter Mac OS. Zudem wurde eine Garantie abgegeben, dass Office für den Mac für die kommenden fünf Jahre entwickelt wird. 

Die Finanzspritze half Apple dabei, zu alter Stärke zurückzufinden, hinderte aber Steve Jobs nicht an weiteren verbalen Tiefschlägen gegen den Konkurrenten. Die Rollen sind mittlerweile vertauscht, dank dem iPhone ist Apple mittlerweile auf dem Weg zum ersten Aktienkonzern mit einem Marktwert von einer Billion US-Dollar. Kurioserweise verhalf die iOS-Version von Office Microsoft zu einem neuen Höhenflug. Der US-Konzern öffnete sich unter CEO Satya Nadella deutlich und erntete zuletzt die Früchte dieser Strategie. Laut Business Insider könnte auch das nun neu ausgestellte Apple-Relikt ein Hinweis darauf sein, dass sich Microsoft offener geben möchte: „Dass Microsoft seine Vergangenheit so öffentlich anerkennt, könnte ein Zeichen für den Wandel der Unternehmenskultur sein.“