Digital Life
25.01.2018

Warum Nazis und Terroristen auf Bitcoin stehen

Das Versprechen von Kryptowährungen, die Macht von Staaten und Kontrollmöglichkeiten zu beschneiden, ist interessant für Extremisten.

Kryptowährungen werden seit geraumer Zeit genau beobachtet. Regierungen wollen ihre Kontrolle über das Finanzsystem wahren, Umweltschützer kritisieren die Verschwendung von Energie und eine steigende Zahl von potenziellen Investoren hofft auf das große Geld. Das Versprechen eines Zahlungsmittels, das frei von staatlicher Kontrolle ist, zieht - im Zusammenspiel mit der Aussicht auf Gewinne - aber auch andere Interessensgruppen an, wie die österreichische Forscherin und Autorin Julia Ebner in einem Gastbeitrag im britischen Guardian schreibt: Auch für Kriminelle, Libertäre und Extremisten bieten Kryptowährungen ganz neue Möglichkeiten.

Nicht zuletzt die enorme Wertsteigerung des Bitcoin hat dazu geführt, dass Kryptowährungen in manchen dubiosen Kreisen das Zahlungsmittel der Wahl sind. Die Forscherin Heidi Beirich hat 200 Bitcoin-Wallets beobachtet, die der rechtsradikalen "alt-right"-Bewegung zuzuordnen sind, und festgestellt, dass hier einige Vertreter viel Geld verdient haben, das sie nutzen, um ihre politischen Aktivitäten zu finanzieren, berichtete die Washington Post. Auch Gruppierungen, die mit dem "Islamischen Staat" sympathisieren, nutzen Bitcoin-Erlöse, um ihre Propagandatätigkeiten zu finanzieren.

Jihad und alt-right

Eine jihadistische deutsche Telegram-Gruppe, die ihre Mitglieder lehrt, Cyberangriffe durchzuführen, nutzt ihre Bitcoin-Gewinne, um Cyberterroristen für erfolgreiche Aktionen zu belohnen. "Wir haben einen Teil unserer Bitcoin genützt, um die Brüder, die unsere jüngsten Missionen ausgeführt haben, mit Computern auszustatten", schrieb ein Gruppenmitglied laut Ebner im Dezember. Für Nazis, Terroristen und Libertäre wiegen die Gewinne, die Möglichkeiten, traditionelle Finanztransaktionen zu umgehen und die bisher erzielten Gewinne die Gefahr von künftigen Verlusten auf.

Bezahlanbieter wie PayPal, Apple oder Google haben nach den Vorfällen in Charlottesville im August viele Konten von Extremisten gelöscht. Auch Crowdfunding-Seiten haben hier teilweise mit Verboten reagiert. Politisch als rechts einzustufende Plattformen wie Hatreon und Kryptowährungen haben von diesen Ausschlüssen profitiert. "Sie sind sicher, schnell und anonym", schreibt ein Nutzer der Extremistenplattform "Stormfront". Der US-Cybesicherheitsexperte John Bambenek hat ein Tool entwickelt, das Bitcoin-Transaktionen von Neonazis überwacht. "Für Leute, die an die jüdische Weltverschwörung im Bankenwesen glauben, gibt es nur zwei Möglichkeiten: Bargeld oder Bitcoin", sagt er gegenüber Ebner. Der US-Neonazi Richard Spencer hat Bitcoin schon vor dem Boom als "Währung der alt-right" bezeichnet. Mittlerweile sind aber auch Alternativen wie Monero, das verspricht, die Identität seiner Nutzer besser zu wahren, beliebt.