Digital Life
20.03.2018

Was wir über die Facebook-Datenaffäre wissen

Nach der Verwendung von Nutzerdaten durch eine Trump-nahe Firma drohen dem Online-Netzwerk Konsequenzen.

Nachdem am Wochenende bekannt wurde, dass die Datenanalysefirma Cambridge Analytica ohne Erlaubnis Daten von Millionen Facebook-Nutzern dazu einsetzte, um im US-Wahlkampf gezielt Stimmung für Donald Trump zu machen, gerät Facebook zunehmend unter Druck. In den USA und Europa stehen Untersuchungen bevor, an der Börse verlor Facebook 35 Milliarden Dollar an Firmenwert und zahlreiche Nutzer kündigten an, ihre Facebook-Konten löschen zu wollen. Die futurezone fasst die bisher wohl größte Krise in der Geschichte des Online-Netzwerkes zusammen.

Was ist passiert?

Die dem US-Milliardär und Trump-Förderer Robert Mercer nahestehende britische Datenanalysefirma Cambridge Analytica verwendete, wie der Guardian und die New York Times am Wochenende mit Hilfe des früheren Cambridge Analytica-Mitarbeiters Christopher Wylie aufdeckten, die Facebook-Daten von rund 50 Millionen Nutzern, um „psychografische Profile“ zu erstellen. Mit speziell zugeschnittener Werbung sollte mithilfe der Daten während des US-Wahlkampfs im Jahr 2016 Stimmung für Donald Trump gemacht werden. Der Großteil der Nutzer, dessen Daten dabei zum Einsatz kamen, wusste davon nichts und hat der Weitergabe ihrer Daten an Cambridge Analytics auch nicht zugestimmt.

Wie kam Cambridge Analytica an die Daten?

Die Daten wurden Cambridge Analytica vom russisch-stämmigen Psychologen Aleksandr Kogan weitergegeben, der an der Universität Cambridge forscht. Er bot auf Facebook im Rahmen eines Forschungsprojektes über eine App einen Persönlichkeitstest an, an dem sich 270.000 Leute, die teilweise auch dafür bezahlte wurden, beteiligen. Über die Schnittstellen für die App konnte er auch auf Daten der Freunde der Teilnehmer an dem Test zugreifen. Insgesamt dürfte er auf diese Art Profildaten von 50 Millionen Nutzern von den Facebook-Servern heruntergeladen haben. Später gab er die Daten an Cambridge Analytica weiter.

Wusste Facebook davon?

Mit Ausnahme der Datenweitergabe an Cambridge Analytica verstieß der Forscher nicht gegen die Richtlinien des Online-Netzwerkes. Die Leute, die an dem Test teilnahmen, taten dies freiwillig. Auch der Zugriff der App auf die Daten ihrer Freunde verstieß nicht gegen die damaligen Facebook- Nutzungsbedingungen. Das Online-Netzwerk weiß nach Angaben des Guardian seit 2015 von der Datenweitergabe an Cambridge Analytica und verlangte von Kogan und der Datenanalysefirma Bestätigungen, dass die Daten gelöscht wurden.

Was hat Facebook unternommen?

Facebook, das seit mehr als zwei Jahren von der Verwendung der Daten durch Cambridge Analytica weiß, blieb bis vor wenigen Tagen weitgehend untätig. Auch die betroffenen Nutzer wurden nicht benachrichtigt. Erst kurz vor dem Erscheinen der Recherchen des Guardian und der New York Times schloss Facebook am Samstag Cambridge Analytica und dessen Mutterkonzern SCL von seinem Netzwerk aus und verlangte neuerlich die Löschung der Daten. Wenig später wurde auch das Konto des Whistleblowers Christopher Wylie, der dem Guardian die Informationen zu der Datenaffäre lieferte, gelöscht. Seither herrscht Funkstille. Den eigenen Mitarbeitern wollte Facebook am Dienstagnachmittag Rede und Antwort zu der Affäre stehen.

Welche Konsequenzen hat die Daten-Affäre?

In den USA forderten Abgeordnete Untersuchungen zum Umgang Facebooks mit Nutzerdaten. Tätig werden könnte auch die US-Handelsbehörde, die in den USA für Datenschutz zuständig ist. Im schlimmsten Fall würde Facebook angesichts der Menge der betroffenen Nutzer eine Strafe von zwei Billionen Dollar drohen. In Großbritannien wurden Untersuchungen eingeleitet, Zuckerberg wurde vor einen parlamentarischen Ausschuss geladen. Auch das EU-Parlament will nachfragen, ob Facebook genug unternimmt, um Nutzerdaten zu schützen und hat den Facebook-Chef persönlich "eingeladen", um sich zu erklären. Unannehmlichkeiten drohen auch Cambridge Analytica. Eine Hausdurchsuchung wurde beantragt.

Soll man Facebook weiter nutzen?

Auch wenn bei dem Fall nur US-Bürger betroffen sein dürften, ist davon auszugehen, dass es kein Einzelfall war. Auch über andere Apps könnten Daten abgegriffen worden sein. Zahlreiche Nutzer kündigten an, Facebook verlassen zu wollen. Der Hashtag #DeleteFacebook (Lösche Facebook) erhielt viel Zulauf. Auf jeden Fall sollte man die Privatsphäre-Einstellungen überprüfen und nachsehen, welche Apps Zugriff auf eigenen Daten haben. Dazu muss man in den Einstellungen den Menüpunkt „Apps“ auswählen. Unter „Apps, Webseiten und Plugins“ sieht man welche Apps auf die Daten zugreifen. Die Apps können gänzlich deaktiviert werden. Wer das nicht will, kann unter dem Menüpunkt „Von anderen Personen verwendete Apps“ den Datenzugriff einschränken.

Wie lösche ich mein Facebook-Konto?

Wer sich tatsächlich aus dem Online-Netzwerk verabschieden will, wird merken, dass dies nicht so einfach ist. Unter „Einstellungen“ bietet Facebook nämlich nur die Option an, sein Konto zu deaktivieren. Dann bleiben allerdings die Daten auf den Unternehmensservern erhalten. Fündig wird man erst auf einer Hilfeseite. Dort kann man eine Kopie seiner Daten herunterladen und gelangt letztlich auch zur Kontolöschung. Bis die Daten aus dem Netzwerk verschwunden sind, kann es bis zu 90 Tage dauern. Bestimmte Daten bleiben auch erhalten. Etwa Nachrichten, die man Freunden über das Netzwerk gesandt hat.