Digital Life
08.01.2017

Web-Routing in Asien von iranischen Porno-Zensoren gestört

Weil Irans Zensoren eine Brachialmethode einsetzten, um Porno-Webseiten zu blockieren, kam es in Hongkong, Indien, Indonesien, Oman und Russland zu Störungen.

Am vergangenen Donnerstag konnten 256 Webseiten von verschiedenen Orten in ganz Asien aus nicht mehr angesteuert werden. Wie The Verge berichtet, ist nun klar, warum es zu Routing-Problemen kam. Irans Web-Zensoren haben offenbar eine Brachialmethode eingesetzt, um besagte 256 Webseiten, darunter eine Vielzahl von Porno-Webseiten, für die heimische Bevölkerung unzugänglich zu machen. Das Vorgehen beeinträchtigte jedoch auch Nutzer in anderen Gebieten, etwa Hongkong (Teil von China), Indien, Indonesien, Oman und Russland.

Falsche Wegweiser

Die iranischen Internetwächter verwendeten offenbar die Methode des BGP Hijacking. Dabei wird eine bekannte Schwachstelle des Internet ausgenutzt. Die korrekte Funktionsweise des Border Gateway Protocol (BGP) wird international auf Vertrauensbasis sichergestellt, wie Engadget berichtet. Irans Zensoren haben die Schwachstelle ausgenutzt, um falsche Web-Wegweiser zu den betroffenen Webseiten zu verbreiten.

Da der Iran einen wichtigen Knotenpunkt für den Internetverkehr in ganz Asien darstellt, fielen etliche Internetprovider auf die verbreiteten, falschen Routing-Informationen herein. Besuchern der 256 Webseiten wurde eine Fehlermeldung angezeigt, die vermuten ließ, dass die Seiten offline genommen wurden. Die Provider außerhalb Irans erkannten das Problem. Nach rund 28 Stunden konnte der Normalbetrieb wiederhergestellt werden.

Frage nach der Absicht

Nun stellen sich internationale Beobachter die Frage, warum der Iran die Methode des BGP Hijacking angewendet hat. Das staatliche Zensursystem hat Webseiten-Blockaden in der Vergangenheit mit verlässlicheren Mitteln durchzusetzen gewusst. Die Brachialmethode wird üblicherweise vermieden. Es ist unklar, ob es sich um beabsichtigtes Vorgehen oder einen Fehler handelte.