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Digital Life
05/24/2013

Wie man mehr mit Flickr macht

Yahoo hauchte seinem Fotodienst neues Leben ein und machte die Nutzung für alle kostenlos. Ob das zum Wiederbeleben reicht, ist offen. Fix ist: Mit Flickr war immer schon viel mehr möglich, als das bloße Veröffentlichen von Fotos.

Flickr muss man einfach lieben! Seit Anfang 2006 bin ich dabei, fast 25.000 meiner Fotos lagern dort und über all die Jahre habe ich meinen Pro-Account nie aufgegeben, obwohl Yahoo alles versuchte, um das Aushängeschild des Web 2.0 auszuhungern und unterzubringen.

Am vergangenen Dienstag

der Internetkonzern das Ergebnis umfangreicher Renovierungsarbeiten: Das Design der Website wurde verbessert und dieAndroid-Apprunderneuert.

Viel mehr wiegt, dass der kostenlose Speicher stark nach oben geschraubt wurde. Marketingtechnisch klingt das nun für alle verfügbare eine Terabyte gleich viel mehr als "unbegrenzt". Wie Google anno 2004 mit einem Gigabyte bei Gmail markiert Yahoo nun eine neue Grenze, die hoffentlich von anderen Webdiensten aufgegriffen wird. Ergebnis: All jene Nutzer, die die alte Freigrenze von 200 Fotos überschritten haben, sehen nun endlich wieder all ihre Fotos.

Flickr war seit jeher ein sehr offener Dienst. Als einer der Ersten im Web, setzte man auf Programmierschnittstellen, so genannte APIs. Jeder Entwickler kann damit Zusatzanwendungen schreiben, wodurch sich die Möglichkeiten dessen, was man mit Fotos machen kann, vervielfachen. Neben der offensichtlichsten Anwendung - dem Veröffentlichen von Fotos - gibt es noch jede Menge anderer Dinge, die sich mit dem Fotodienst umsetzen lassen.

Fotos in Folge eines Plattencrashes zu verlieren, ist leider sehr viel einfacher, als man meint. Mit jedem verlorengegangen Bild verschwinden aber auch Erinnerungen und wer ein ganzes Terabyte an Onlinespeicher geschenkt bekommt, sollte dies daher nutzen.

Das "Backup" bei Flickr ist auch dann möglich, wenn man seine Fotos nicht der Öffentlichkeit zugänglich machen will. Dazu reicht eine Veränderung der globalen Privatsphäreeinstellungen, die man nun rechts oben nach einem Klick auf das Benutzerfoto erreicht.

In den Einstellungen zu Datenschutz & Berechtigungen legt man fest, wer alle hochgeladenen Fotos sehen darf. Hier steht auch eine Vielzahl an Einstellung zur Verfügung, mit denen man etwa festlegen kann, dass nur kleine Bildgrößen für die Öffentlichkeit sichtbar sind (siehe unten).

Die Privatsphäreeinstellungen lassen sich aber auch für jedes Bild einzeln festlegen. Dazu klickt man unter dem Bild bei den weiteren Informationen auf "Mehr anzeigen". Wer diese Einstellungen für mehrere - oder gar alle Fotos - verändern möchte, kann dies bequem im Batch-Modus unter Fotos verwaltenerledigen.

Zudem lassen sich auch private Gruppen gründen, zu denen nur jene Mitglieder Zutritt erhalten, die von einem Gruppen-Administrator dazu eingeladen wurden.

Das Hinaufladen funktioniert mit modernen Browsern ohne Probleme über den Web-Upload. Anwendungen für Mac oder Windows sind ebenfalls kostenlos verfügbar.

Apropos Backup: Es soll ja Leute geben, die Cloud-Diensten aus guten Gründen nicht allzu viel Vertrauen entgegenbringen. Im App-Verzeichnis gibt es eine Reihe von Programmen, mit deren Hilfe man sämtliche Fotos von Flickr auf den eigenen PC herunterladen kann. Dies ist beispielsweise auch dann sinnvoll, wenn man sich von Flickr verabschieden will. Anders als bei Facebook lässt sich der Flickr-Account rasch und vollständig löschen.

Neben eigenen Apps für Android, iPhone und Windows Phone gibt es noch jede Menge anderer Anwendungen für Smartphones und Tablets. Sie geben einem nicht nur die Möglichkeit, eigene Fotos und jene von Flickr-Freunden unterwegs anzusehen und herzuzeigen. Mit ihnen, aber auch zahllosen anderen Foto-Apps, lassen sich Fotos auch in den eigenen Fotostream hochladen.

Mit der sehr empfehlenswerten iPad-App Flickr Studio (1,79 Euro) kann man seine Inhalte auch organisieren.

Bilder zu schießen, darf kein Selbstzweck sein. Wer fotografiert, will diese Momente auch mit anderen teilen. Das muss aber nicht öffentlich geschehen, die Bilder können auch privat bleiben und einem kleinen Kreis vorenthalten werden.

Unter jedem Foto und über Alben oder Diashows befindet sich ein Symbol zum Teilen. Klickt man darauf, kann man`s einfach bei einer Reihe von Webdiensten veröffentlichen.

Die Genehmigungen für diese Webdienste lassen sich entweder hier oder zentral in den Einstellungenfestlegen. Daneben kann man noch einen Link oder den HTML-Code kopieren, mit dem sich das Bild oder die Diashow versenden oder in eine Website einbetten lässt.

Ist ein Foto oder Album nicht öffentlich einsehbar, kann es dennoch mit Freunden und Bekannten geteilt werden. Dazu klickt man erneut auf das Teilen-Symbol und fügt einen "Gästepass" hinzu. Dabei handelt es sich um einen speziellen Link - nur Personen, die diesen kennen, dürfen die Inhalte sehen.

Gästepässe können auch wieder deaktiviert werden, einsehbar sind sie ebenfalls in den Einstellungen.

In Bilddateien stecken neben dem eigentlichen Pixelinformationen noch jede Menge weiterer Daten. Diese sogenannten Exif-Daten enthalten neben dem Zeitpunkt des Abdrückens auch detaillierte Belichtungsinformationen oder den Kameratyp.

Es gibt wohl keine noch so ausgefallene Digitalkamera, von der es nicht zumindest ein paar Hundert Fotos bei Flickr gäbe. Mit Hilfe der Exif-Daten aus den vielen Kameras bauten die Flickr-Entwickler eine Kamerasuche - anhand von Hersteller- und Gerätenamen kann man nach Fotos suchen, die damit geschossen wurden.

So erfährt man einerseits mehr darüber, welche die meistgenutzten und beliebtesten Kameras unter den Flickr-Nutzern sind. Andererseits kann man die Bildqualität spezieller Modelle genauer unter die Lupe nehmen.

Leider hat Yahoo dabei ein wichtiges Feature entfernt. Man sieht jetzt nur noch "interessante" Fotos der einzelnen Kameras - also solche, die besonders gut aussehen. Früher konnte man noch die aktuellsten Fotos ansehen oder sich durch eine zufällige Bildfolge hanteln. Letztere Methoden gaben mehr Aufschluss über die tatsächliche Bildqualität. Heute sieht man nur noch Fotos, die von (Semi-)Profis geschossen oder in Photoshop perfektioniert wurden.

Die Suche nach Fotos bestimmter Kameras auf Flickr kann auch über Google erfolgen. Dazu sucht man nach "taken with", gefolgt vom Kameramodell und "site:flickr.com". Beispiel: taken with "EOS 5D Mark II" site:flickr.com.

In den zuvor erwähnten Exif-Daten stecken detaillierte Hinweise, wie das Foto zustande kam, welche Belichtungseinstellungen der Fotograf wählte oder wie hoch die Lichtempfindlichkeit (ISO) eingestellt wurde. Aus diesen Daten kann man sehr viel lernen und sie sind bei den allermeisten Bildern frei zugänglich.

Einsehbar sind sie, indem man unter dem Bild bei den weiteren Informationen auf "Weitere anzeigen" und dann auf die Symbole für die Belichtungswerte klickt. In der Folge erhält man Einblick, wie das Bild entstanden ist - von der Blendenöffnung über die Belichtungszeit bis hin zum Namen des verwendeten Objektivs.

Wer - aus welchen Gründen auch immer - diese Daten nicht preisgeben möchte, kann dies in den Privatsphäreeinstellungen global unterbinden.

Weil (Hobby-)Fotografen auch selbst gerne Bilder ansehen, bietet Flickr eine eigene Rubrik namens Entdecken. Hier findet man Inspirationen zu vielen verschiedenen Themen und großartige Fotos, von denen man über die Exif-Daten wieder dazulernen kann, um selbst bessere Fotos zu schießen.

Daneben kann man in den neuesten Fotos sehen, was gerade von der ganzen Welt so in Flickr hineinkommt.

In Bilddateien können auch Ortsinformationen stecken. Mit deren Hilfe zeigt Flickr Fotos - so der Nutzer dies erlaubte - auf einer Karte an. Beliebige Orte (Hotel am Urlaubsort, Gegend um eine neue Wohnung etc.) lassen sich so ähnlich erkunden, wie dies auch auf der neuen Google-Map möglich ist.

Im Modul Organisieren reichert man eigene Bilder ebenfalls um Geo-Informationen an, indem sie einfach auf die Karte gezogen werden. So kann man im Nachhinein noch sehen, wo der eine oder andere Schnappschuss entstanden ist.

Flickr war auch eine der ersten Websites, die nicht nur auf das strikte Copyright setzte, sondern das freiere CreativeCommons-Lizenzmodell (CC) umsetzte. Auf der CC-Seite von Flickr findet man dazu nähere Erklärungen, die erweiterte Suche bietet spezielle Filter, um gezielt frei benutzbare Bilder zu finden.

Hat man ein passendes Foto gefunden, das man auch benutzen darf, muss man dies noch in bester Auflösung herunterladen und sich den Namen des Fotografen notieren, weil man diesen nennen muss.

Zur vollen Auflösung zu gelangen, ist nicht gerade intuitiv. Dazu klickt man mit der rechten Maustaste auf das Bild und wählt "Original" aus. Dort angelangt, kann man das Bild nun ebenfalls mit der rechten Maustaste speichern.

Dank der vielen Programmierschnittstellen lässt sich auch viel automatisieren. Im Rahmen der Serie "Knowhow" war bereits mehrmals vom Dienst IFTTT (if this than that) die Rede.

Damit können Aktionen automatisch ausgelöst werden, wenn bei Flickr oder bei anderen Webdiensten Bilder online gestellt werden. So lassen sich Fotos von Facebook oder Instagram in Flickr sammeln und Favoriten automatisch bei Tumblr oder in einem WordPress-Blog teilen.

Einen guten Überblick über die zur Verfügung stehenden Möglichkeiten bietet das Stöbern in den vielen IFTTT-Rezepten zu Flickr. IFTTT verhält sich dabei wie jede andere App: Bevor sie aktiv werden kann, muss man sie bei Flickr autorisieren. Benötigt man den Zugang nicht mehr, kann man ihr die Rechte wieder entziehen.

Die Verbreitung digitaler und vernetzter Bilderrahmen hält sich zwar in engen Grenzen. Einige davon kann man auch mit Flickr nutzen. Einige dieser Geräte können direkt an die Site andocken. Andere holen sich Fotos per RSS-Feed ab. Weil bei Flickr alles per RSS abonnierbar ist (Nutzer, Alben etc.), lässt dies noch weitere Anwendungsfelder offen.

Zudem wäre denkbar, dass der Bilderrahmen von Oma und Opa mittels IFTTT und E-Mail mit neuen Babyfotos gefüttert wird.

Praktisch jeder vernetzte Fernseher, jede Settop-Box, manche Blu-ray-Player und Sat-Receiver haben Apps, mit denen man sich bei Yahoos Fotodienst anmelden kann. Sind Benutzernamen und Passwort eingegeben, werden die letzten Fotos oder ganze Alben als Animation am großen HD-Bildschirm angezeigt.

Die Qualität der Apps schwankt je nach Hersteller stark, eine der besseren Umsetzungen gibt es am Apple TV.

Im App Garden von Flickr gibt es auch jede Menge Bildschirmschoner, die nach einer gewissen Zeit der Inaktivität Fotos aus dem eigenen Flickr-Account oder aus Gruppen am Display anzeigen.

Nachteil: Bei den meisten hat sich schon länger nichts getan, weshalb einige davon eher altbacken aussehen.

Wir schreiben das Jahr 2013 und immer noch sind weniger Kameras mit WLAN ausgestattet. Abhilfe schaffen SD-Karten wie jene von Eye-Fi mit eingebautem Netzwerkzugang. Ist sie einmal konfiguriert, schickt sie Bilder via Smartphone von unterwegs oder über eine stationären WLAN-Accesspoint auch direkt zu Flickr.

Zum Einsatz kommt dies beispielsweise dann, wenn mehrere verteilte Redakteure an einem Liveblog schreiben.

Freilich: Ein Terabyte ist enorm viel, aber unlimitiert ist (theoretisch) noch mehr. Google bietet in seinem sozialen Netzwerk Google+ zwar unbegrenzt viel Speicher - allerdings gilt dies nur für Fotos mit einer maximalen Kantenlänge von 2048 Pixel. Als dauerhafte Backup-Lösung ist das zu wenig. Fotos wollen in der bestmöglichen Qualität und mit höchstmöglicher Auflösung gesichert werden.

Facebook ist nicht ohne Grund die meistgenutzte Plattform für Fotos. Der größte Vorteil: Die Community ist groß und viele Leute sehen die geschossenen Bilder. Aber man bekommt seine Fotos in der hochgeladenen Qualität nur dann heraus, wenn man sie einzeln herunterlädt. Das soziale Netzwerk bietet zwar prinzipiell ein Backup aller Daten. Die Bilder, die Facebook seinen Nutzern automatisiert zurückgibt, haben mit einer maximalen Kantenlänge von mickrigen 720 Pixel bei weitem nicht jene Güte, mit der sie seinerzeit hochgeladen wurden.

Flickr wurde als Start-up groß, weil der Dienst niemals stehenblieb. Er wurde unablässig weiterentwickelt ... bis Yahoo ihn gekauft hat. Will der Internetkonzern wieder an alte Glanzzeiten anschließen, braucht es eine kontinuierliche Weiterentwicklung. Man darf nun zumindest wieder hoffen und wünschen. So wäre es großartig, würde der Fotodienst auch den Upload von RAW-Dateien erlauben. Speicherplatz gäbe es nun ja genug.

Was wären Ihre Wünsche für die Zukunft von Flickr?

Backup in beide Richtungen: Einstellungen zur Privatsphäre machen`s möglich

Flickr mobil: Jede Menge Apps

Öffentliches und privates Teilen: Festlegen, wer was sehen darf

Kamera-Berater: Flickr als Shopping-Guide

Besser fotografieren lernen: Flickr als Fotoschule

Inspiration sammeln und Orte entdecken

CC-Suche: Millionen frei verwendbarer Fotos

Flickr automatisieren: wenn dies, dann das

Photo-Broadcasting mit digitalen Bilderrahmen

Picture-TV: Fotos am Flachfernseher

PC-Standby: Flickr als Bildschirmschoner

Sendehilfe: Von der Kamera direkt ins Web

Google+, Facebook & Co.: Noch ein Wort zur Konkurrenz

Zum Schluss