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Digital Life
08/16/2015

YouTube-Stars machen gegen Islamischen Staat mobil

Die deutsche Bundeszentrale für politische Bildung mobilisiert YouTube-Stars gegen die Internet-Propaganda des Islamischen Staats (IS).

An Warnungen vor islamistischer Propaganda im Internet mangelt es nicht: Immer wieder mahnen Politiker und Experten, dass gerade junge Menschen im Netz durch Jihadistengruppen wie den „Islamischen Staat“ (IS) radikalisiert werden können. Gegen die Verführer und Vereinfacher setzt die deutsche Bundeszentrale für politische Bildung nun auch auf die Hilfe prominenter YouTuber wie LeFloid.

Ab Ende September sollen sie in Videos für Aufklärung sorgen. Doch wie sieht islamistische Propaganda im Netz überhaupt aus? „Ein Großteil der Propaganda setzt auf emotionale Wirkung, beispielsweise Darstellungen von leidenden Menschen“, erklärt die Leiterin des Bereichs Politischer Extremismus bei der Internet-Jugendschutzstelle jugendschutz.net, Christiane Schneider. Diese Darstellungen würden instrumentalisiert, „um Gewalt und Terror gegen die vermeintlichen 'Feinde des Islam' zu rechtfertigen“. Geködert werde zudem mit „Erlebnisangeboten, hippen Bildern und poppigen Designs“.

Identitätsangebote

Besonders junge Internet-Nutzer würden über Bezüge zu ihrer Lebenswelt und konkrete Identitätsangebote angesprochen, erklärt Schneider die Herangehensweise. „Geboten werden Möglichkeiten zur Rebellion, ein verbindliches und umfassendes Regelwerk sowie eine Gemeinschaft, die sich durch Stärke auszeichnet“.

Islamisten böten Antworten auf Lebensfragen und „eine Ersatzfamilie, die sich kümmert“. Für Jugendliche, die ihren Platz in der Gesellschaft suchten oder aufgrund ihrer muslimischen Herkunft Ablehnung erfahren, könne das ein „attraktives Angebot“ sein. Jugendschutz.net geht nach eigenen Angaben auf Provider und Plattformbetreiber zu, damit islamistische Inhalte aus dem Netz verschwinden.

Gegenoffensive

Eine Art Gegenoffensive startet nun die deutsche Bundeszentrale für politische Bildung. Prominente YouTuber erklären in Videos etwa Kernbegriffe des Islam wie die Umma, die Gemeinschaft aller Muslime, oder das Kalifat. Zudem sprechen sie in anderen Filmen mit Islamexperten. Gewonnen wurden für das Programm bereits der Youtube-Star LeFloid, der jüngst mit einem Interview mit der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) für Schlagzeilen sorgte, die Beauty-Bloggerin Hatice Schmidt oder MrWissen2Go, der auf seinem YouTube-Kanal Allgemeinwissen vermitteln will.

Zur Idee hinter diesen Videos erklärt Arne Busse von der Bundeszentrale für politische Bildung, bei den „identitätsstiftenden Faktoren“ bei Extremistenorganisationen wie dem IS falle auf, dass streng zwischen Gläubigen und Ungläubigen unterschieden werde. Zudem gebe es eine Orientierung am Islam des siebenten Jahrhunderts, bei der Auslegung des Korans gebe es nur richtig oder falsch.

Keine Illusionen

„Wir brauchen also Angebote, die deutlich machen, dass der Islam sehr viel differenzierter ist“, sagt Busse. Auch „Ausgrenzungserfahrungen“, die in Deutschland lebende Muslime gemacht haben, müssten eine Rolle spielen. Zudem müsse berücksichtigt werden, „dass das Publikum oft religiös ungebildet ist“.

Illusionen über die Wirkung der YouTube-Videos macht sich Busse allerdings nicht. „Menschen, die bereits radikalisiert sind, haben ein sehr geschlossenes Welt- und Religionsbild. Sie werden solche Angebote vermutlich nicht wahrnehmen oder ablehnen“, sagt der Experte. Ansatz der YouTube-Videos sei es, „diejenigen aufzuklären, die noch nicht so weit radikalisiert sind“.