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24.03.2016

Beim Online-Fußball ist Österreich die Nummer eins

Hattrick, das weltgrößte Online-Fußballmanager-Spiel zieht seine User mit extremen Langzeitstrategien in seinen Bann. Österreich stellt dabei die Konkurrenz in den Schatten.

28 Partien in Folge ist das Nationalteam nun ungeschlagen. In der Qualifikation für die Weltmeisterschaft wurde kein Punkt abgegeben, womit sich Österreich derzeit auf dem ersten Platz der Weltrangliste befindet. Was im realen Fußball nahezu unmöglich scheint, ist bei Hattrick derzeit Realität.

Bei Hattrick handelt es sich um das weltgrößte, kostenlose Online-Fußball-Manager-Spiel1997 in Schweden entwickelt, wird es mittlerweile in 128 Ländern gespielt und ist in 57 Sprachen verfügbar. Ziel der Fußballsimulation ist es, seine Mannschaft durch Trainings, unmittelbare taktische Anweisungen und Managemententscheidungen von Sieg zu Sieg zu führen.

Jahre im Voraus planen

Was das Fußballsimulationsspiel, das ausschließlich im Browser verfügbar ist, so einzigartig macht und seine User in den Bann zieht - aber auch viele abschreckt - ist der Echtzeit-Charakter: Liga-Spiele finden immer Sonntags statt, eine Partie läuft 90 Minuten und eine Hattrick-Saison dauert 16 Wochen.

​Dadurch ist es bei Hattrick notwendig – im Gegensatz zu den meisten anderen Computerspielen – mehrere Jahre im Voraus zu planen. "Um erfolgreich zu sein muss man Entscheidungen treffen, die erst ein bis zwei Jahre später Früchte tragen", erklärt der Trainer des Österreichischen Hattrick-Nationalteams, der unter dem Synonym kazuyohshi spielt.

"Genau diese extremen Langzeitstrategien machen für viele den Reiz des Spiels aus", sagt kazuyohshi im Gespräch mit der futurezone. "Damit ein junger Fußballer zu einem Top-Spieler wird, muss er in der Regel vier bis fünf 'echte Jahre' lang trainiert werden", erklärt kazuyohshi. Diese virtuellen Fußballer können dann auf dem Hattrick-Transfermarkt mit fiktiven Geld gehandelt werden.

Kein Pay-to-win-Spiel

"Wichtig zu erwähnen ist, dass man sich durch den Einsatz von echtem Geld keinerlei Vorteil im Spiel erkaufen kann. Das ist eine unumstößliche Grundsäule von Hattrick", sagt kazuyohshi. Das ist auch ein Grund, warum selbst Hattrick-Nutzer, die auf Weltklasse-Niveau spielen, kein Geld verdienen können. Ebenso werden etwaige Betrugsversuche sofort gemeldet und von den Spiele-Moderatoren entsprechend geahndet, indem der betroffenen Verein gesperrt wird.

Die Haupteinnahmequelle für die Hattrick-Spielentwickler sind freiwillige Unterstützungszahlungen der Nutzer - sogenannte Supporterschaften, die zwar Zusatzfeatures freischalten, am Ende aber keineswegs spielentscheidend sind, erklärt Johan Gustafson, Hattrick-Mitbegründer gegenüber der futurezone: "Rund zwanzig Prozent der Einnahmen verdienen wir mit Werbeeinschaltungen auf der Seite."

Gameplay

Am Beginn einer Partie, die volle 90 Minuten dauert, übernimmt die Match-Engine und bringt die Team-Ratings in einem Zusammenhang mit der taktischen Aufstellung, woraus sich am Ende das Spielresultat ergibt. Nach dem Anpfiff kann in das Spielgeschehen nicht mehr eingegriffen werden.

Hattrick verzichtet auf grafisch aufwendige Animationen und zeigt die Ereignisse der Partien zwar in Echtzeit, aber lediglich in Textform an. "Wer aus einem Match als Sieger hervorgeht, ist im Grunde reine Mathematik und kann daher bis zu einem gewissen Grad prognostiziert werden. Wie beim richtigen Fußball kommt es aber auch zu unerwarteten Überraschungen", sagt kazuyohshi.

Um das Ergebnis eines Matchs vorherzusagen, gibt es verschiedene Berechnungstools, die zum Teil von der Community zur Verfügung gestellt werden. "Wir haben uns unsere eigenen Formeln zurechtgelegt mit denen wir die verschiedenen Variablen berechnen können. Mithilfe eines komplexen Excel-Sheets versuchen wir die optimale taktische Aufstellung zu finden. Das ist quasi unser Betriebsgeheimnis", erklärt kazuyohshi, der auf Hattrick mit seiner Mannschaft Apetlon CF bereits seit 2006 aktiv ist.

Nationalteam

In jedem der 128 Länder, in denen Hattrick gespielt wird, gibt es ein hierarchisch organisiertes Ligasystem, in dem sich die Mannschaften länderintern messen. Wie beim echten Fußball gibt es auch von jedem Land eine eigene Nationalmannschaft, in welche die jeweils besten virtuellen Hattrick-Fußballspieler eines Landes einberufen werden können.

Gemanagt werden die Nationalteams von Hattrick-Usern, die zuvor von der Community zum Nationaltrainer gewählt wurden. "Als Nationaltrainer kümmere ich mich um die Einberufungen, die langfristige strategische Planung sowie um die taktische Aufstellung bei den Spielen, wofür ich auch die Verantwortung übernehme", erklärt kazuyohshi, "Hinter dem Nationalteam stehen aber bis zu 50 User, die wichtige Aufgaben wie Scouting und die Gegneranalyse übernehmen oder Trainingspläne erstellen. Nur so war es uns möglich, die Spitze der Weltrangliste zu erobern."

Rückläufige Nutzerzahlen

Wie der Hattrick-Mitbegründer Gustafson gegenüber der futurezone erklärt, gibt es in Österreich ungefähr 3000 aktive Hattrick-Spieler. "Damit liegt Österreich im internationalen Vergleich nur an 21. Stelle, was den Erfolg des Nationalteams noch eindrucksvoller macht", sagt Gustafson. Das aktivste Land ist Deutschland mit rund 30.000 aktiven Hattrick-Nutzern, gefolgt von Italien, Polen und Spanien.

Zu seiner Blütezeit 2007 wurde Hattrick von rund einer Million Usern weltweit gespielt. Seither kämpft das Fußballsimulationsspiel mit stark rückläufigen Nutzerzahlen und zählt aktuell 282.000 User, wie Gustafson erklärt: "Wir haben einige strategische Fehler gemacht. Wir sind etwa auf den Smartphone-Zug zu spät aufgesprungen. Auch soziale Netzwerke wie Facebook für uns zu nutzen haben wir verabsäumt." So ist erst vergangenes Jahr eine Smartphone-App erschienen, die einen vollwertigen Zugriff auf die Funktionen des Spiels ermöglicht.

Innovator's Dilemma

Allerdings, so Gustafson, hätte man vermutlich viele alteingesessene Spieler vergrault, wenn Hattrick zu schnell, zu unüberlegt und zu aggressiv Facebook-ähnliche Features oder Mobile-Funktionen übernommen hätte. "Das ist wohl das so genannte 'Innovator's Dilemma'", sagt Gustafson. Es sei ein schwieriger Spagat zwischen den Grundwerten, die ein Spiel ausmachen und Veränderung beziehungsweise Adaptionen neuer Funktionen um das Game an die Gegebenheiten der jeweiligen Zeit anzupassen.

"Trotz all dem bin ich stolz auf den Erfolg, den wir hatten und haben. Hattrick wird bald 20 Jahre alt sein und gerade in den vergangenen zwei, drei Jahre haben wir das Gameplay enorm weiterentwickelt", so Gustafson. "Ich glaube, wir haben eine sehr gute Chance, dass wir die Nutzerzahlen stabilisieren können. Vielleicht gelingt es uns sogar etwas zu wachsen, wenn wir die Grundelemente des Spiels weiter verbessern."

Österreichs Nationalteam macht jedenfalls den Auftakt zur 14. Hattrick-Weltmeisterschaft am 8. April mit dem Schlagerspiel Österreich-Brasilien. "Wir spielen voll auf Sieg, der zweite ist der erste Verlierer", sagt kazuyohshi.