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Professionalisierung E-Sport: 32.000 erfasste Spieler in Österreich.

 
  - Foto: APA/AFP/JEFF PACHOUD
Der österreichische eSport-Verband hofft, dass Gaming als Sport zunehmend akzeptiert wird. Bis zu den Olympischen Spielen sei es aber noch ein "weiter Weg".

Rund 32.000 registrierte E-Sportler gibt es in Österreich. Dabei handelt es sich um Gamer, "die bei Turnieren mitspielen oder in der Vergangenheit mitgespielt haben", sagte Stefan Baloh, Vorsitzender des eSport Verbands (ESVÖ), im Gespräch mit der APA. Die Elite ist klein. "Es gäbe drei bis vier Leute, die vom E-Sport leben könnten, die haben aber auch noch einen Brotjob", erläuterte er.

Männerdomäne

96 Prozent der Spieler in Österreich sind männlich, geht aus Erhebungen des ESVÖ hervor. Es gibt jedoch hierzulande auch Mädchen und Frauen, die international erfolgreich sind. In der beliebten Fußball-Spielserie FIFA habe man "gute Spieler", sagte Baloh. Die von der Bundesliga ins Leben gerufene eBundesliga könnte laut dem Verbands-Präsidenten neue Talente an den Tag fördern. "Wir erhoffen uns dadurch auch einen Boom." Bei Team-Spielen wie dem Shooter Counter Strike hinkt Österreich dagegen hinter Ländern wie Deutschland her.

FIFA wird in Österreich gerne gespielt, die Echtzeit-Strategiespiele League of Legends (LoL) und Defense of the Ancients (Dota) "ziehen auch", sagte Baloh. Ebenfalls beliebt im E-Sport sind Hearthstone und Overwatch sowie Call of Duty. Gespielt wird bei Wettbewerben im Normalfall zuerst online, beispielsweise in Vorausscheidungen. Wenn es im Turnierbaum weiter nach oben geht, dann werden "spätestens die Finalspiele oft offline vor Live-Publikum ausgetragen - mit Live-Streaming ins Internet, Moderation und Schiedsrichtern", schilderte Baloh.

Schiedsrichter gesucht

"Schiedsrichter sind nötig für ein offizielles Turnier, wenn es nicht nur zum Spaß im Freundeskreis stattfindet." Dieser müsse Fragen klären wie: "Wurde 'gecheatet' (betrogen, Anm.) - beispielsweise mit programmierbaren Computermäusen - oder sind Einstellungen und Hardware bei allen Spielern gleich?" Außerdem kommt auf den Schiedsrichter bei einem Turnier viel organisatorische Tätigkeit zu, erläuterte der ESVÖ-Vorsitzende.

Neben Turnieren und Schiedsrichtern ist beim E-Sport wie bei anerkannten Sportarten auch das Training ein großes Thema. Es gibt laut Baloh Trainingskonzepte für verschiedene Genres oder eigene Trainingslager ("Bootcamp" in der Gamer-Sprache). Dabei gehe es beispielsweise auch um Tipps für die richtige Ernährung - "Dinge die ich brauche, um mental fit zu sein auf der Bühne", sagte Baloh.

Nur Vereine akzeptiert

Trainer seien ein noch sehr junger Aspekt beim E-Sport. Die Rolle übernehmen oft ältere, erfahrene Spieler. "Der Nachwuchs kommt sehr jung nach." Der ESVÖ achte jedoch bei Wettbewerben darauf, dass die jeweiligen Altersbeschränkungen der Spiele eingehalten werden.

Der Verband akzeptiert nur eingetragene Vereine als Mitglieder, hielt Baloh fest. Junge Spieler im Alter von 14 bis 16 Jahren würden sich aber oft keine Gedanken machen wollen: "Wie gründe ich einen Verein?" Hier bietet der ESVÖ Unterstützung an oder vermittelt Einzelspieler an bestehende Vereine. Der ESVÖ selbst wurde vor knapp zehn Jahren gegründet, um der Community "ein gemeinsames Sprachrohr zu geben, was zum Glück auch klappt", konstatierte Baloh. Der Verband hält bei 30 Mitgliedervereinen und wird bei einzelnen Projekten vom Ministerium für Familie und Jugend unterstützt.

Fokus auf Wien

Wie beispielsweise beim Fußball ist auch im E-Sport Public Viewing ein großes Thema. Beim sogenannten BarCraft - daraus hervorgegangen, Übertragungen des Echtzeit-Strategiespiels StarCraft in einer Bar zu verfolgen - ist das Publikum ebenfalls überwiegend männlich. Die größte Altersgruppe tendiert in Richtung der 25- bis 34-Jährigen, mehr als zu den 16- bis 24-Jährigen, sagte Patrick Berger von BarCraft Austria. Der Verein veranstaltet Public Viewings und Turniere, darunter heuer ein Hearthstone-Turnier mit 5.000 Euro Preisgeld und Teilnehmern aus mehreren Ländern oder jüngst ein E-Sport-Public-Viewing bei einem ehemaligen Heurigen in Wien.

In der Bundeshauptstadt gibt es mittlerweile auch eigene Gaming-Lokale wie das Respawn oder die Area52. Die Community ist laut Berger "sehr Wien-zentriert", aber auch in anderen Bundesländern immer wieder aktiv. Zu den Public Viewings kommen in Österreich bis zu 200 Personen, fügte Thomas Schned hinzu, der BarCraft Austria im Jahr 2011 mitgegründet hat. Seither hat sich viel getan. "Es sind mehr Organisationen im Spiel, es gibt mehr Turniere und mehr Medien und Unternehmen werden auf E-Sport aufmerksam", sagte Schned.

E-Sport muss als Sport anerkannt werden

"Es ist wichtig, dass E-Sport als Sport anerkannt wird", so der BarCraft-Austria-Obmann. Dabei gehe es um steuerrechtliche Dinge - wie die Frage, wie gewonnenes Preisgeld versteuert wird. Außerdem hätten Spieler aus manchen Ländern Einreiseprobleme bei Turnieren in Österreich. Eine offizielle Anerkennung könnte die Visum-Erteilung erleichtern. Schned glaubt aber, "dass der Sport den E-Sport mehr braucht als der E-Sport den Sport, weil junges Publikum für den Sport wichtig ist". Das sieht auch ESVÖ-Präsident Baloh so. Eine Aufnahme bei den Olympischen Spielen sei dennoch ein "sehr hehres Ziel", meinte er. "Wir sehen noch einen weiten Weg da hin."

(APA) Erstellt am 28.08.2017, 08:23

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