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22.03.2015

Hotline Miami 2 im Test: Brutal verkompliziert

Das Spiel Hotline Miami 2: Wrong Number bleibt zwar dem Gameplay und markantem Grafik-Stil treu, bläst das Rundherum aber unnötig auf.

Hotline Miami war einer der Überraschungshits aus 2012 und zeigte wie erfolgreich und gut Indie Games sein können. Mit Hotline Miami 2: Wrong Number ist jetzt der Nachfolger für PS4, PS3, PS Vita und PC erhältlich (ab 15 Euro). Die futurezone hat die PS4-Version des Spiels getestet.

Galerie: Hotline Miami 2

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Alles wie gehabt

Am grundlegenden Gameplay und dem überbrutalen Retro-Grafikstil hat sich nichts geändert. Aus der Vogelperspektive schlägt und schießt man sich blutig durch die Etage, bis alle Gegner erledigt sind. Am Ende fast jeden Levels muss man noch mal den gesamten Weg zurückgehen, um das blutige Massaker, das man angerichtet hat, zu betrachten.

Meist reicht ein Treffer aus, damit sowohl Feinde als auch man selbst ablebt. Beim Sterben wird die Etage neu gestartet. Man wird oft sterben. Die hohe Geschwindigkeit des Spiels und das zahlreiche Feindaufkommen erfordern geschickte Planung, schnelle Reflexe und eine hohe Frustschwelle.

Unnötig groß

Im Gegensatz zum Vorgängerspiel sind viele Etagen größer und verwinkelter. Da kommt es schon mal vor, dass man eine besonders schwere Stelle gleich zu Beginn eines Levels nach zehn Versuchen endlich überwindet, nur um Minuten später vom letzten Gegner in der Etage erschossen zu werden, den man nicht mal gesehen hat, weil er unter einer Zimmerpalme gestanden ist.

Oder man schafft eine schwierige Stelle nach gefühlten 20 Versuchen endlich, um ein paar Sekunden später von einem Hund totgebissen zu werden, der kaum sichtbar am Level-Rand herangelaufen ist, während man in einer vermeintlich sicheren Ecke seine nächsten Schritte planen wollte.

Auch wenn schon Hotline Miami 1 schwer war, hat es doch fairer und überschaubarer gewirkt. Bei Teil Zwei dürfte das Motto „Hauptsache mehr“ gewesen sein. Daher ist es auch frustrierender, weil bei den langen Etagen die Chance viel höher ist einen kleinen Fehler zu machen, der zehn Minuten Spielzeit zu Nichte macht.

Sprunghafte Handlung

Ebenfalls zu viel des Guten ist die Handlung, die zwischen mehreren Jahren, vier Hauptcharakteren und noch zwei Nebencharakteren hin und her springt. Die textbasierten Dialoge sind langweilig und zum Teil unlogisch. So prügelt man sich etwa durch 30 Mafiosi, um dann seelenruhig in der Sauna den Gangster-Boss zu interviewen.

Durch die Hin- und Herspringerei zwischen den Charakteren macht es auch nicht wirklich Spaß, die Story zu verfolgen und die Zusammenhänge zum Vorgänger-Spiel herzustellen, wenn man nicht gerade ein eingefleischter Hotline-Miami-Fan ist.

Eingeschränkte Vielfalt

Damit sich die Charaktere unterscheiden, wurden ihnen verschiedene Eigenschaften verpasst. Das Masken-System des Vorgängers findet in abgewandelter Form wieder Verwendung. Nur bei einem der vier Hauptcharaktere wird die Maske gewählt. Die interessanteste Maske, mit der zwei Figuren gleichzeitig gesteuert werden – einer mit Schusswaffe und einer mit Kettensäge – ist nicht besonders brauchbar. Die Figur mit der Waffe hinkt immer etwas hinterher, weshalb man oft ungewollt gegen Wände schießt.

Unnötig beschränkt ist der Charakter, bei dem statt einer Maske die Hauptwaffe gewählt wird. Ist die Munition leer, kann man keine von den unzähligen Waffen der gefallenen Feinde aufnehmen, sondern muss eine Munitionsbox suchen. Diese füllt nur ein paar Kugeln auf, verschießt man die, kann man wieder ein paar Kugeln auffüllen. Das läuft in einer Etage darauf hinaus, dass man ein paar Mal schießt, zur Box läuft, wieder ein paar Mal schießt, usw.

Origineller ist der Charakter des Buchautors. Dieser verzichtet auf tödliche Gewalt, weshalb nur Schlagwaffen und keine Schusswaffen oder Messer verwendet werden können.

Spieldauer

Im Test dauerte das Durchspielen von Hotline Miami 2 acht Stunden und 38 Minuten. Je nach Können ist es um einiges schneller möglich. Einige der Levels sind aber auch mit viel Können nicht so wie im Vorgänger-Teil zu lösen. Bei Hotline Miami 1 wurde Risiko und hohes Tempo belohnt, bei Hotline Miami 2 funktioniert das nur noch selten. Oft muss man Gegner anlocken, um eine Überlebens-Chance zu haben oder warten, um im richtigen Moment einen Feind zu überraschen. Stürmt man in den großen Levels einfach drauf los, ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, von einem Gegner durchs Fenster erschossen zu werden, den man nicht mal sieht.

Da nicht jeder Charakter wählbare Masken bzw. Waffen hat, ist der Wiederspielwert mancher Levels gering. Deshalb gibt es für die besonders frustresistenten Spieler noch einen Hard Mode.

Fazit

Hotline Miami 2 ist nicht mehr so faszinierend wie der erste Teil. Die zu großen Etagen machen aus forderndem Spielspaß einen frustfördernden Kraftakt. Wem es gar nicht schwer genug sein kann, wird sich über Hotline Miami 2 freuen und über die Storysprünge und langweiligen Dialoge hinweg sehen können. Alle anderen Spielern bleibt zumindest der gelungene Soundtrack.