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15.01.2016

Kontroverses Twitter-Spiel Stolen stellt Betrieb ein

Bei Stolen wurde mit Twitter-Profilen wie mit Spielkarten gehandelt. Jeder Twitter-Nutzer hatte einen virtuellen Preis. Nun wird das kontroverse Spiel eingestellt.

Für kurze Zeit konnte Stolen einen massiven Hype auslösen, doch damit ist es vorbei. "Die App ist nicht länger im App Store verfügbar. Wir haben alle Bedenken gehört und entschieden, dass es das beste ist, zu schließen", verkündete das Gründerteam am Donnerstag per Twitter. Zuvor waren Zugangscodes für das einzig per Einladung erhältliche Spiel sogar auf Ebay verkauft worden.

Käufliche Spielkarten

Bei Stolen wurde jedes Twitter-Profil zur virtuellen Spielkarte, die mit virtuellem Geld gekauft wurde. Jeder Twitter-Nutzer erhielt so einen bestimmten Wert. Bot ein Spieler einen höheren Betrag für ein Profil, so wurde dies seinem bisherigen "Besitzer" gestohlen ("stolen"). Um sein virtuelles Konto aufzubessern, konnte man Spielwährung mit realem Geld kaufen.

Menschen hinter Twitter-Profilen wurde bei Stolen ein sozialer Wert zugeschrieben, während andere zum "Besitzer" dieses Menschen wurden, schreibt der Guardian über die zwiespältigen Implikationen des Konzepts. Das Spiel ist ein Ableger des früheren Facebook-Spiels "Friends for Sale!", berichtet The Verge. Das Team dahinter ist ebenfalls dasselbe.

Zweiter Anlauf

"Friends for Sale!" wurde 2007 von Siqi Chen und seiner Gaming-Firma Serious Business gestartet. Das Spiel war beliebt. Virtuelle Währung konnte man mit echtem Geld kaufen. Ein Spieler gab sogar 70.000 echte Dollar aus, um seine Position im Spiel zu verbessern. Serious Business wurde 2010 von Zynga gekauft. Chen gründete daraufhin ein weiteres Online-Spiele-Unternehmen namens Hey. Deren erstes Spiel Heyday floppte, mit Stolen wollte Chen an den früheren Erfolg anschließen.

Kurzer Hype

Im Gegensatz zum Facebook-Spiel sorgte das Twitter-Spiel Stolen allerdings für Ärger. Privatsphären-Bedenken und ein gewisses Missbrauchs-Risiko sorgten für den nun erfolgten Rückzug. Trotz des kontroversen Spielkonzepts hatte Stolen in den vergangenen Tagen enormen Zulauf erhalten.

Einladungs-Codes wurden zum heiß begehrten Gut. Auf Ebay wurden sie sogar für bis zu 35 Dollar pro Stück verkauft. Die Server des Betreibers Hey standen kurz vor dem Kollaps.

Rückzug

Um Kritik zu entgehen, führte das Unternehmen eine Option ein, das eigene Twitter-Profil aus dem Spiel zu nehmen, berichtet Fortune. Dennoch folgt nun das vollständige Aus.

"Unser Ziel mit dem Zusperren heute war, sicherzugehen, dass wir beenden, was da gerade passiert - dass wir den Schaden, ob real oder wahrgenommen, stoppen, den die Leute durch die Existenz unseres Produktes erleiden", sagt Gründer Siqi Chen gegenüber The Verge. "Wir haben nicht Stunden und Monate, Schweiß und Tränen in die Entwicklung gesteckt, damit Leute es jetzt so sehen. Das ist nicht, was wir darstellen."