Meinung
01.04.2014

Die IT-Tourismus-Destination

Das Silicon Valley ist für Delegationen aus Österreich schon fast so was wie eine Tourismus-Destination. Derzeit ist wieder eine Gruppe unterwegs.

Im Herbst vergangenen Jahres war Hannes Androsch mit einer Gruppe von heimischen Wissenschaftern und Journalisten da (ich war auch dabei), vor eineinhalb Monaten hat WKÖ-Präsident Leitl vorbeigeschaut (mein Kollege Josef Votzi hat die Reise begleitet) , gestern und heute ist die nächste österreichische Delegation in der Bay-Area unterwegs – eine Marktsondierungsreise unter dem Titel „IT-Technologie-Streifzug durch das Silicon Valley“. Veranstalter ist UBIT WKNÖ, die Teilnehmer - etwa zwei dutzend - waren IT-Unternehmen aus NÖ und Wien; organisiert wurde die Reise hier im Valley von der Niederlassung der WKO in Los Angeles, die für jedes Programm hier verantwortlich ist.

Die Tour

Geboten wird ein guter Überblick, wie bei jeder dieser Reisen - neben einem Kurzbesuch in Stanford, einem Besuch bei einer der großen Firmen wie Intel, Microsoft oder Google, Stippvisiten bei zwei, drei erfolgreichen kleineren Tec-Firmen und Start-ups, auch die Business Acceleratoren Plug & Play-Tech-Center in Sunnyvale und das neue nestGSV in Redwood City sind dabei - beides in der Nähe von Palo Alto. Accelerator ist eine Institution, die Startups bei ihrer Entwicklung weiterhilft und ihnen mit Kursen und Coaching zur Seite steht. Im nestGSV gab es für die Teilnehmer nach einer kurzen Führung die Möglichkeit, mit vier Business-Angels zu diskutieren bzw. sogar zu pitchen, also ihr Unternehmen/Produkt zu "verkaufen". Als Business-Angel wird ein Unternehmer bezeichnet, der Start-ups sowohl finanziell als auch mit Praxiserfahrungen unterstützt. Unter diesen waren u.a. Jim Connor, der Präsident von Sand Hill Angels, der noch drei Kollegen mitnahm.

Die österreichischen Firmen - sieben machten davon Gebrauch - hatten in einem Spontan-Pitch die Möglichkeit, ihre Idee zu präsentieren; so als ob sie tatsächlich einen Investor bzw. Business-Angel suchen würden (bei manchen hatte ich das Gefühl, dass sie sich wirklich Hoffnung gemacht haben).

Nur Durchschnitt

Ich habe hier in den vergangenen Wochen einige Pitches miterlebt, das gestern im nestGSV waren keine, das waren Solala-Präsentationen. Nein, ich muss im Vergleich zu dem, was ich in den vergangenen Wochen hier gesehen habe, fair und streng sein - das war nichts. Ok, man kann jetzt sagen, das war ja nur eine Marktsondierungsreise, ein Reinschnuppern ins Silicon Valley, die haben sich ja nicht auf einen Pitch vorbereiten können. Was ich nicht gelten lasse: Wer seine Firma vorstellt, muss wissen, wie er sein Unternehmen präsentiert, wie er seine Idee und sein Produkt verkauft – egal wo auf der Welt, ob in Österreich oder in Timbuktu, egal ob im Rahmen eines Pitches oder nur so im Gespräch mit Freunden. Und – wenn er es hier in den USA tut – muss er wissen, wie strikt hier die Regeln im Normalfall sind.

60 bis 120 Sekunden

Eigentlich sollten die Regeln eines „Elevator-Pitches“ gelten - in 60 bis 120 Sekunden (abhängig von den Angels) sollte die Idee/das Produkt verkauft werden - das Zeitmaß ist die Fahrt in einem Aufzug, daher der name Elevator-Pitch. Das Problem der Pitches – es wurden die Ideen/die Produkte nicht bzw. schlecht erklärt, daher fragten die Business-Angels minutenlang nach – was sie im Normalfall nicht machen, da in einem Pitch gewisse Fragen bereits beantwortet werden müssen. Was augenscheinlich wurde – mitunter wussten die österreichischen Kandidaten vom (globalen) Markt und Marktmitbewerbern nicht oder zu wenig und es wurde Ideen als Problemlöser bezeichnet, wobei ich nicht recht gesehen habe, wo das Problem gelegen sein soll. Wenn die Grundidee mitunter bei dem ein oder anderen auch gut war, so wurden die Quintessenz nicht richtig herausgearbeitet. Schade.

Meine Conclusio

Auch in Österreich haben wir gute Ideen, allerdings müssen wir uns nicht nur viel besser verkaufen, sondern uns viel besser auf den (Welt)Markt vorbereiten. Auch wenn heimische Standesvertreter mit einem "super gemacht" einem auf die Schulter klopfen - das sagt nicht nur nichts, das hat null, absolut null Relevanz, da hier der Blick von Außen zählt, ein modernerer Zugang, den ich in Österreich derzeit vermisse.

Hier im Silicon Valley kauft man nicht nur Firmen, Produkte oder Ideen, sondern vor allem das Team. Wenn das nicht vom eigenen Produkt überzeugt ist und es lebt, sehen auch Investoren schwarz. Und – pitchen muss gelernt sein. Ich wäre nicht überrascht, wenn in Österreich mal gute Pitching-Kurse angeboten würden, denn (s)ein Produkt zu verkaufen – diese Fähigkeit kann man ohnehin nicht nur im Silicon Valley gut gebrauchen.