Meinung
07.03.2011

Ein Aus-Schalter für das Netz hilft nur bedingt

Für totalitäre Regimes aber auch die USA ist ein Kill-Switch, der das Internet aber auch den Mobilfunk auf Knopfdruck lahm legt, ein Segen. Doch die Internet-Gesellschaft lässt sich nicht so leicht austricksen.

Auf Knopfdruck das Internet lahm legen – das ist Ziel jedes diktatorischen Regimes. Der „Kill-Switch“, den auch westliche Regierungen andenken, ist – so die europäische Argumentation – für den Krisenfall gedacht. In den USA sieht man das ein wenig lockerer, dort sind gar zwei Drittel der Bürger dafür, dass die Regierung im Krisenfall (Terror-Attacke) den Not-Aus-Schalter aktivieren kann. Ein Gesetz soll dem US-Präsidenten erlauben, in Cyber-Notfällen die Kontrolle über wichtige Einrichtungen zu übernehmen. Das digitale Notfallgesetz "Protecting Cyberspace as a National Asset Act of 2010" liegt als Entwurf vor und soll dieses Jahr beschlossen werden. Im Fall eines Cyber-Angriffs ist der Präsident bevollmächtigt, unter anderem Internet-Anbieter und Mobilfunker unter seine Kontrolle zu stellen.

Der eine PunktDas ist technisch allerdings gar nicht so einfach, da es etwa bei uns in Österreich nicht diesen einen Punkt gibt, an dem alle Netze auf einmal stillgelegt werden können. Diesen Knoten gibt es auch im Mobilfunk nicht, da jeder Betreiber seine eigenen Netze betreibt und diese mehrfach redundant absichert – fällt ein System aus, springt das andere ein.

In totalitären Regimes sieht die Sache ein wenig anders aus, denn in Ägypten etwa hatte die Regierung eine totale Kontrolle über die Telekom-Anbindung, weil es dort diesen einen Punkt gibt. In Ägypten reichte tatsächlich das Abschalten des Telekom-Netzes, um die Kommunikation im und aus dem Lande lahm zu legen. Leider machen es die Anbieter der diversen Web 2.0-Plattformen, ob das nun Twitter oder Facebook sind, den Regierungen auch zu leicht, da die Sozialen Netzwerke zwar global, aber doch sehr zentral angelegt sind. Daher sind sie auch ziemlich leicht angreifbar.

Dezentrale NetzeIn den kommenden Jahren werden dezentrale Netze populärer werden; vermutlich so, wie es die „FreedomBox Foundation“, eine Stiftung des US-Juristen und Chefs der „Free Software Foundation“, Eben Moglen, vorschlägt. Er sieht in Zukunft in Wohnungen und Häusern „Freedom Boxes“ stehen, die gemeinsam sozusagen ein soziales Netzwerk ergeben. In diesen Server-Boxen könnten soziale Netzwerke, Microblogging-Dienste oder eigene Mail-Server integriert werden. Fast nach dem Wiki-Schema würden viele dieser Boxen das Internet dezentralisieren und es Regierungen – ob nun totalitär oder nicht – erschweren, die für die Bürger notwendige Infrastruktur lahm zu legen.

Doch Widerstand im Netz lässt sich – wenn er nur regional und nicht global bekämpft wird – schon heute nicht so leicht verhindern. Es gibt ein System, das überall funktioniert, so man die technische Ausstattung dafür hat – das Satellitensystem. Mit einem entsprechenden Handy kann die Kommunikation aufrecht erhalten bleiben. Das weiß man noch aus jenen CNN-Zeiten, als exklusiv via Satellitenschüssel aus den Krisenherden der Welt berichtet wurde.