© KURIER /gruber franz

Analyse
12/06/2011

Österreich bleibt Mobilfunk-Paradies

Auch nach der Netzfusion Drei-Orange wird Österreich ein Mobilfunk-Paradies bleiben. Befürchtungen, dass die Betreiber ihre Tarife anheben könnten, sind derzeit unbegründet, weil der Wettkampf weiter geht. Der künftige Dritte will unbedingt Zweiter werden und innovativer als die beiden anderen Konkurrenten sein.

Acht Millionen Einwohner und vier Mobilfunkbetreiber (wenn man die Prepaid-Anbieter telering, Bob und Yesss! hinzurechnet, sind es sogar sieben) – Österreich ist mobilfunktechnisch nicht wirklich unterversorgt. Das war auch der Grund, warum seit Jahren die Chefs von A1, T-Mobile, Orange und Drei bei fast jeder Gelegenheit anmerkten, dass drei Betreiber in Österreich auch reichen würden. Der harte Wettbewerb in Österreich hat ihren Gewinn nämlich stark schrumpfen, ihr Geschäft mitunter sogar unprofitabel werden lassen.

Die Konsumenten-Vorteile
Dass sich vier (sieben) Betreiber um die Kunden rauften, brachte uns Konsumenten in den vergangenen Jahren allerdings viele Vorteile.

Erstens: Die Betreiber wetteiferten, was Innovationen anlangt – Österreich ist eines der innovativsten Handy-Länder weltweit, in dem viele Services zuerst eingeführt wurden – ob Handy-Parken, Handy-Ticket in Öffentlichen Verkehrsmitteln oder verschiedene Bezahldienste oder Location Based Services.
Zweitens: Bei uns gab es Null-Euro-Handys zu einer Zeit, in der in anderen Ländern Konsumenten Mobiltelefone noch teuer bezahlen mussten.
Drittens: Einer der wichtigsten Vorteile waren/sind die Tarife, die sind bei uns so günstig wie nirgendwo sonst. International werden wir darum auch beneidet.

Durch die Netzfusion befürchten viele, dass die Tarife in die Höhe schnellen, telefonieren bzw. mobil surfen teurer wird und auch günstige Smartphones bei Erstanmeldung oder Vertragsverlängerung passe sind. Logisch wäre es, denn, wie ein Analyst der Raiffeisen Centrobank im Gespräch mit der futurezone

, „je weniger Anbieter, desto geringer ist der Preisdruck“. Das impliziert freilich, dass die Betreiber ihre Tarife anheben werden. Dass das so kommt, ist unwahrscheinlich.

Der Dritte will Zweiter werden
Drei will nach dem Orange-Kauf nicht nur dritter Betreiber sein, sondern – und das hat der Finanzchef des Drei-Eigentümers Hutchison Whampoa, Frank Sixt, gesagt - zumindest die Nummer 2 werden. Und diesen Platz hat derzeit T-Mobile inne – mit einem Vorsprung von etwa 350.000 Kunden. Ein dicker Polster, aber wie schnell ein Vorsprung schmelzen kann und Kunden von A nach B wechseln, hat man nach der telering-Übernahme gesehen. Damals wanderten doch einige der „gekauften“ Kunden zu der Konkurrenz ab. Das wird vielleicht auch Drei bei einigen Orange-Kunden passieren, allerdings hat Drei einen Vorteil – Drei hat – A1 sei Dank – ein ziemlich solides, manche meinen sogar, das beste Netz. Drei benützt ja derzeit noch als nationaler Roaming-Partner von A1 die Infrastruktur von A1, wodurch eine gute und stabile Versorgung garantiert wird.

Drei wird mit Garantie versuchen, die Nummer 2 zu werden und weiter mit Innovationen zu punkten. Das wird man mit Garantie nicht schaffen, wenn man die Preise anhebt. Und die beiden anderen werden sicherlich nicht riskieren, durch eine Preiserhöhung enttäuschte Kunden zum gestärkten Dritten senden – bei Tariferhöhungen, Zusatzgebühren etc werden Kunden bekanntermaßen ziemlich unrund. Österreich wird auch nach der Fusion ein Mobilfunk-Paradies für Konsumenten bleiben.

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