myfuzo 13.04.2017

Internet-Hype im Test: Cats in Squares

© Bild: Claudia Zettel

Wenn man eine Katze fangen will, muss man nur ein Viereck auf den Boden kleben - sagt das Internet. Das galt es zu überprüfen.

Katzen beherrschen das Internet, das ist kein Geheimnis und kann als unumstößliche Tatsache angesehen werden. Katzen sind eigenwillig und lassen sich von niemandem, schon gar nicht von ihren Besitzern, etwas vorschreiben. Auch das wird wohl niemand ernsthaft in Zweifel ziehen, der schon je in seinem Leben einer Katze dienen durfte. Doch die scheinbar allmächtigen Fell-Grazien haben einen wunden Punkt: Auf den Boden geklebte oder aufgemalte Rechtecke und Kreise.

Das erfährt man dieser Tage wieder verstärkt in den sozialen Medien - Instagram und Pinterest und wie sie alle heißen. Das Netz ist voll von lustigen bis verstörenden Fotos, auf denen Katzen aller Schattierungen wie gefangen in besagten Klebeband-Rechteecken und -Kreisen sitzen und offenbar nicht so recht wissen, wie sie von dort wieder wegkommen sollen (oder wollen). Aber klappt das wirklich? Fühlen sich die felinen Kreaturen tatsächlich so magisch von den geometrischen Formen angezogen, wie behauptet wird? Das musste ich sofort zur Chefinnensache erklären und mit meinem widerspenstigen Kater Ivan überprüfen. Sollte er auf den Trick hereinfallen, würde das einem wissenschaftlichen Beweis gleichkommen, dachte ich mir. Denn: Ivan tut niemals das, was man von ihm will, erwartet oder erhofft. (Andere Katzenbesitzer werden von ihren Tieren dasselbe behaupten.)

So sieht eine Katzenfalle aus
© Bild: Claudia Zettel

Ich besorgte also auf dem Heimweg vom Büro buntes (wichtig, damit sichtbar!) Klebeband und machte mich in meinem Wohnzimmer sofort ans Werk. Es dauerte keine zwei Sekunden und schon war Ivan zur Stelle - zunächst einmal, um mich daran zu hindern, das Band überhaupt aufzukleben (Mmhh, Essen). Als das Rechteck fertig war, geschah das Unglaubliche (Wow!): Der Kater beschnupperte die zweidimensionale Box und setzte sich sofort hinein. Was folgte waren Stunden von abwechselnden Zerstörungsversuchen und gelähmtem Im-Rechteck-Sitzen. Was soll ich sagen: Ich habs versucht, es funktioniert.

Der Kater ist gefangen und kann leider nicht mehr entkommen
© Bild: Claudia Zettel

Eine internationale Bewegung

Das Phänomen wird in der eingefleischten Online-Community gerne als “Cats in Squares” bezeichnet, ist aber noch besser bekannt unter dem Namen “Cats in Circles” - denn ja, es klappt auch gut mit Kreisen. Einer der ersten Social-Media-Accounts, der das Katzeneinfangen im Netz populär machte, war “guremike”, der eine seiner Katzen schon vor Jahren in die Falle lockte.

Auch von außen immer noch spannend: Ein Rechteck!
© Bild: Claudia Zettel
Dieser Tage erlebt der internationale Hype um den Katzentrick gerade wieder eine Revival-Welle, der auch mein Selbsttest geschuldet ist. Indiesem Twitter-Threadetwa finden sich zahlreiche aktuelle Beispiele von Cats in Squares - und auch solchen, die sich dem Trend zu widersetzen versuchen: Es hat sich wohl herumgesprochen in der felinen Community, Widerstand regt sich!

Erklärungsversuche

Warum sich die meisten (nicht alle) Katzen so magisch von den Kreisen und Rechtecken angezogen fühlen, ist nicht restlos geklärt. Es gibt unterschiedliche Theorien, etwa, dass die Formen eine Art Sicherheitsgefühl bei den Tieren auslösen und sie sich deshalb gerne hinein setzen - ähnlich wie Katzen es lieben sich in Kisten zu setzen. Auch territoriales Verhalten könnte ein Grund dafür sein, warum viele Katzen lange in den aufgeklebten Formen verweilen.

Es wäre nun höchst an der Zeit, dass sich die Wissenschaft diesem Internet-Hype widmet und das Phänomen aufklärt. Bis dahin können wir aber ruhig sagen: Ivan brachte den Beweis. That’s all you need to know - for now.

(Ich habe, wie es sich gehört, meinen Test-Case natürlich auch sofort auf Instagram gepostet.)

( futurezone ) Erstellt am 13.04.2017