Netzpolitik
03.10.2018

Antisemitisches Portal listet „Rassen-Verräter“ und verteilt Judensterne

Auf Judas.watch werden Namen von Personen und Organisationen gesammelt, um vermeintlichen „jüdischen Einfluss“ zu dokumentieren.

In der österreichischen Twitter-Landschaft sorgt eine Website für Aufruhr: Judas.watch. Diese listet Personen und Organisationen, um „Anti-weiße Verräter, Agitatoren und Subversive zu dokumentieren und den jüdischen Einfluss zu beleuchten“.

Auf der Website sind die Personen und Organisationen nach Ländern sortiert. In den Länderkategorien sind manche mit einem Judenstern markiert. Der Einfluss der User ist in drei Stufen angegeben, A, B und C. Klickt man den User an, sieht man die Kurzinformation, die Erfolge der Person, die meist eine Erklärung erhält warum sie als „Feind“ gelistet ist und eine Grafik, die das Netzwerk der Person darstellen soll.

ORF und Bundeskanzler

User können per Formular Personen für die Listung auf der Website vorschlagen. Auf der Website sind für das Land Österreich hauptsächlich Politiker, Journalisten und Organisationen gelistet. Darunter etwa der ORF, Michael Häupl und Sebastian Kurz. Die Stammdaten der Personen und Organisationen dürften wohl nicht aktualisiert werden: Sebastian Kurz ist laut dieser noch immer Außenminister. User können aber neue „Erfolge“ hinzufügen. Laut diesen ist Bundeskanzler Kurz auf dieser Liste, weil er wegen der Naziliederbuch-Affäre einen FPÖ-Politiker zum Rücktritt aufgefordert hat.

Die URL für die Website wurde im November 2015 registriert. Wer dahinter steckt ist nicht bekannt. Ein erster Tweet wurde im Mai 2016 abgesetzt. Dass die Website jetzt auf Twitter die Runde macht, liegt unter anderem an Matthias Strolz, der darüber berichtet hat, dass er auf der Website gelistet ist.