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Integrierte SIM
11/22/2010

"Apple und Telcos sind einander ausgeliefert"

Kein Hersteller hat den Mobilfunkbetreibern derart viele Zugeständnisse abringen können wie Apple. Dass das neue iPhone mit einer integrierten SIM-Karte ausgeliefert werden könnte, ließ jetzt ihre Alarmglocken laut schrillen. Im Interview mit der FUTUREZONE glaubt Marktanalyst John Delaney jedoch, dass Apple dieses Mal klein beigeben muss.

von Martin Stepanek

"Die Netzbetreiber wollen den direkten Zugriff auf die Kunden keinesfalls verlieren", erklärt Delaney vom Marktforschungsinstitut IDC . "In dieser Hinsicht stellte Apple bisher die größte Bedrohung dar." Von Umsatzbeteiligungen bis zum Verzicht auf ein eigenes Branding und rigorose PR-Vorschriften haben die Betreiber bisher alles mitgemacht. Durch den "App Store" schaffte Apple es zudem in puncto Services, die Kunden an die eigene Marke zu binden.

Integrierte SIM: Apple gibt klein bei
Gerüchte über eine integrierte SIM-Karte, die an den Betreibern vorbei von Apple aktiviert wird, dürften das Fass nun aber zum Überlaufen gebracht haben. Bereits am Freitag meldeten sich via Financial Times nicht näher genannte Telco-Manager zu Wort, die Apple mit dem Wegfall subventionierter iPhone-Verkäufe drohten. Wie der "Sunday Telegraph" jetzt berichtet, soll Apple die Idee für das iPhone daher wieder verworfen haben, die integrierte SIM aber beim iPad 2 bringen.

"In Wahrheit hat Apple die Dominanz der Betreiber längst gebrochen. Denn für die meisten Kunden spielte der Provider kaum eine Rolle, sie wollten einfach ein iPhone kaufen", so Delaney. Paradoxerweise sei Apple derzeit aber mehr denn je auf die Mobilfunker angewiesen. "Um den Massenmarkt mit günstigen iPhones zu erreichen und die Absatzzahlen weiter anzukurbeln, braucht Apple gestützte Verkäufe. Und die gibt es nur mithilfe der Betreiber", so Delaney im FUTUREZONE-Gespräch.

Amazon macht"s vor
Dass das Thema dennoch nicht komplett vom Tisch ist, zeigt auch eine entsprechende Erklärung der "GSM Association", die sich über die Vor- und Nachteile einer entsprechenden Lösung beraten will. Mit dem e-Book-Reader Kindle ist bereits ein Gerät mit Mobilfunkanbindung auf dem Markt, das die Netzbetreiber unsichtbar werden lässt.

"Als Amazon nach einem halben Jahr entschied, vom US-Betreiber Sprint auf AT&T als Netzprovider zu wechseln, haben die Kunden das gar nicht mitbekommen", veranschaulicht IDC-Analyst Delaney. Die Netzbetreiber würden mit einer virtuellen SIM-Karte Gefahr laufen, zum reinen Infrastrukturanbieter degradiert zu werden.

Aber auch für Kunden ist die integrierte SIM-Lösung gerade im Bereich Smartphones ein heikles Thema. Ein einfacher SIM-Kartentausch - etwa, um das erworbene Telefon zu einem anderen Provider mitzunehmen oder mittels unterschiedlichen Pre-Paid-Karten zu benützen - wäre dann nicht mehr möglich.

Für Konsumenten Fluch oder Segen?
Ob eine derartige Veränderung Fluch oder Segen für Konsumenten bedeutet, hängt naturgemäß auch von den Rahmenbedingungen ab. Können Kunden über einen zentralen Online-Log-in Services und Netzbetreiber aktivieren oder wechseln, würde der Wegfall der betreiberabhängigen SIM-Karten tatsächlich mehr Wahlfreiheit bedeuten.

Und auch der drohende Wegfall von Gerätesubventionen, die sich in diversen Gratis-Handyangeboten widerspiegeln, hört sich nur auf den ersten Blick als eindeutiger Nachteil an. Denn viele Kunden schließen im Glauben, ein Smartphone günstig oder kostenlos zu erwerben, Zweijahres-Verträge mit hohen Grundgebühren oder Zusatzservices ab, die in der Praxis kaum gebraucht werden. Auf die Bindungsfrist hochgerechnet, entpuppt sich das Schnäppchen vielerorts als teurer Einkauf auf Raten.

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( Martin Stepanek)

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