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Netzpolitik
07/02/2019

Chinas Polizei spioniert Smartphones von Touristen per App aus

Bei Einreise in die Region Xinjiang werden Smartphones abgenommen und mit spezieller Schnüffel-Software infiziert.

Wer am Landweg in die chinesische Provinz Xinjiang einreist, muss es sich gefallen lassen, dass von der Grenzpolizei eine App auf seinem Smartphone installiert wird. Die App namens "Fengcai" (sammelnde Honigbienen) durchsucht Textnachrichten, Kontakte, Kalender, Standort und Anruflisten des Mobiltelefons und überspielt diese Daten auf einen Computer der Grenzpolizei. Das hat eine Recherche von IT-Experten und zahlreichen internationalen Medien ergeben.

Alarm bei bestimmten Inhalten

Die App enthält eine Liste aus 73.315 Dateien, mit der die Inhalte des Smartphones abgeglichen werden, beschreibt die Süddeutsche Zeitung. In der Liste befinden sich etwa Pamphlete von Islamisten, Koransuren oder Informationen über Taiwan und Tibet. Entdeckt die App aus ihrer Sicht verdächtige Dateien auf dem Smartphone, wird ein Alarmton ausgespielt, der die Grenzbehörden davor warnen soll, dass sie es offenbar mit einem verdächtigen Individuum zu tun haben.

Smartphones abgenommen

Während es bereits bisher bekannt war, dass die chinesische Regierung umfassende Überwachungsmaßnahmen gegen die muslimische Minderheit der Uiguren in Xinjiang betreibt, ist es neu, dass auch ausländische Touristen davon betroffen sind. Die Fengcai-App wurde bislang bei Grenzübertritten von Personen eingesetzt, die von Kirgisistan aus nach China einreisen. Die Grenzpolizei bittet die Einreisenden, ihre Smartphones zu entsperren und nehmen die Geräte dann mit in einen separaten Raum, wo die App installiert wird. Was genau dabei passiert, wird Touristen nicht erklärt.

Nicht im Play Store

Wie Vice berichtet, wird die App per Side-Loading auf Android-Smartphones gespielt. Im Google Play Store ist Fengcai nicht zu finden. iPhones werden dagegen in ein spezielles Lesegerät gesteckt, schreibt der Guardian. Wie bei anderen Apps üblich taucht Fengcai auf Android mit Symbol in der Liste der installierten Apps auf. Nach dem Grenzübertritt kann die App entfernt werden.

Menschenrechtler entsetzt

Mit der Praxis der chinesischen Grenzbehörden konfrontiert, drücken Menschenrechtsexperten ihr Entsetzen aus. "Es gibt einen zunehmenden Trend rund um die Welt, dass Grenzen als rechtsfreie Räume betrachtet werden, wo Behörden das Recht haben, jegliche abscheuliche Form von Überwachung anzuwenden, die sie wollen", meint etwa Edin Omanovic von Privacy International. "Aber das ist nicht so. Die ganze Idee von Grundrechten ist es, dass sie für jeden und überall gelten."