Netzpolitik
08.06.2013

Cyberangriffe: Obama beauftragte Ziel-Liste

US-Präsident Barack Obama hat laut Dokumenten, die dem "Guardian" zugespielt wurden, US-Geheimdienste damit beauftragt, eine Liste mit potenziellen Zielen für weltweite Cyberattacken zu erstellen.

In der 18-seitige Anordnung, die im vergangenen Oktober erlassen wurde, ist laut dem "Guardian" davon die Rede, dass Cyberattacken - oder Offensive Cyber Effects Operations (OCEO), wie es in dem Dokument heißt - einzigartige und unkonventionelle Möglichkeiten zur Durchsetzung von US-Zielen weltweit bieten würden. Obama habe US-Geheimdienste beauftragt eine Liste mit potenziellen Zielen zu erstellen. In der Direktive werden laut der Zeitung auch mögliche Cyberangriffe innerhalb der USA angesprochen.

Ausgewählte Inhalte aus der präsidialen Direktive (Directive 20, PDF) seien zwar im Jänner veröffentlicht worden, schreibt der " Guardian", von einer aggressiven Haltung der USA und der  Erstellung einer Liste mit potenziellen Angriffszielen sei damals jedoch keine Rede gewesen.

Ungünstiger Zeitpunkt
Der Bericht der Zeitung kam für den US-Präsidenten zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Obama traf am Freitagabend in Kalifornien mit dem chinesischen Staatschef Xi Jinping zusammen. Die USA hatten China wiederholt gezielte Spionageangriffe auf die US-Computernetzwerke vorgeworfen. Xi verwies bei dem Treffen darauf, dass auch China Ziel von Cyberangriffen geworden sei.

Ein Informant aus dem Umfeld der US-Geheimdienste bezeichnete die US-Vorwürfe gegen China gegenüber dem "Guardian" als heuchlerisch, da auch die USA in der Vergangenheit wiederholt an offensiven Cyber-Einsätzen beteiligt gewesen und dabei ebenso in ausländische Computersysteme eingedrungen seien. "Wir hacken jeden überall", wird die anonyme Quelle von der Zeitung zitiert.

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