Netzpolitik
30.11.2016

Cyberangriffe zielen auf Waffen, Wahlen und Infrastruktur ab

Mit konzertierten Angriffen können Parlamente infiltriert, Banken lahmgelegt und ganze Staaten ins Chaos gestürzt werden.

„Es gibt Erkenntnisse, dass Cyberattacken stattfinden, die keinen anderen Sinn haben, als politische Verunsicherung hervorzurufen“, sagte der Präsident des deutschen Bundesnachrichtendienstes ( BND), Bruno Kahl, zur Süddeutschen Zeitung. Er befürchtet russische Hackerangriffen auf die Bundestagswahlen im kommenden Jahr.

Deutschland hat einschlägige Erfahrungen – Anfang 2015 wurden die Computer von zahlreichen Bundestagsabgeordneten gehackt, riesige Datenmengen waren nicht mehr sicher. Immer öfter kommt es zu groß angelegten Cyberattacken auf Parteien, Armeen und sogar ganze Staaten.

Im US-Wahlkampf verdächtigten die Demokraten immer wieder Russland, wenn Wählerverzeichnisse, Websites oder Datenbanken ihrer Partei gehackt wurden. Die Wahlcomputer im US-Staat Wisconsin werden noch einmal überprüft, weil dort bedeutend mehr Stimmen für den künftigen US-Präsidenten Donald Trump abgegeben wurden als bei der Wahl mit Stimmzetteln.

Auch Militär betroffen

Vergangenen April hackten Unbekannte die Datenbank der philippinischen Wahlkommission, mehr als 55 Millionen Wählerdaten waren plötzlich im Internet zugänglich. Nicht nur im Bereich der Wahlen ist der Cyberkrieg ein ernstes Problem. Im militärischen Sektor findet ein regelrechtes Wettrüsten der virtuellen Sicherheit statt. Das iranische Atomprogramm musste 2009 einen herben Rückschlag hinnehmen. Ein Computervirus, Stuxnet genannt, hatte die Zentrifugen, die hochangereichertes Uran produzieren sollten, manipuliert. Verdächtigt wurde Israel.

Vor fünf Jahren konnten es sich die US-Luftstreitkräfte nicht erklären, warum ihre Predator-Drohnen nicht starten konnten. Erst nach zwei Wochen entdeckten sie ein Virus, das die Cockpit-Software befallen hatte.

Bereits im Jahr 2007 legten Hacker einen großen Teil der Infrastruktur von Estland lahm. Der baltische Staat galt als Vorbild für Digitalisierung, schon damals gab es eVoting und eBanking, ein großer Teil der Verwaltung lief online. Estland verfügt über die meisten Internetanschlüsse pro Kopf weltweit. Umso härter trafen die Hackerangriffe das Land: Websites von Banken, der Regierung und anderen Institutionen brachen zusammen, die Folgen waren wirtschaftlicher Stillstand und Chaos.

Es wird vermutet, dass Russland hinter diesen Attacken stand – sie liefen über russische Server. In der Ukraine knackten vergangenes Jahr Hacker das System eines Energiekonzerns und verursachten einen Blackout. Mehr als 200.000 Menschen waren tagelang von der Stromversorgung abgeschnitten.

Ausgaben erhöht

Weltweit erhöhen Staaten ihre Ausgaben für Cybersicherheit. Die USA geben kommendes Jahr mit 19 Milliarden Dollar um 35 Prozent mehr als heuer. Auch Österreich investiert immer mehr in die Cyberabwehr – aus gutem Grund: Im September war der Flughafen Wien Ziel eines Hackerangriffs.