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Bilanz

Der unaufhörliche Aufstieg von Apple

Als der Computerkonzern Apple Dienstagnacht seine Quartalszahlen präsentierte, waren selbst erfahrene Finanzexperten überrascht: Mit dieser Umsatzsteigerung hatte niemand gerechnet. In den vergangenen drei Monaten konnte Apple im Vergleich zum Vorjahrszeitraum seinen Umsatz um 71 Prozent, seinen Gewinn um 76 Prozent steigern. In der Vorweihnachtszeit hat die zur Kultmarke avancierte Firma somit 26,7 Milliarden US-Dollar umgesetzt und sechs Milliarden Gewinn eingefahren.

Ein wesentlicher Grund für das blendende Ergebnis: Das "iPad", das binnen neun Monaten 14,8 Millionen Mal verkauft wurde und so aus dem Stand eine neue Geräte-Kategorie etablierte. Aber auch im Vergleich zu traditionellen Desktops und Notebooks schlägt sich das Apple-Produkt sensationell: Laut dem Marktforschungsinstitut IDC wurden im vergangenen Quartal weltweit 92 Millionen Computer verkauft. Apple setzte im selben Zeitraum sieben Millionen iPads ab und sicherte sich alleine mit einem Gerät über sechs Prozent des gesamten Computermarktes.

Ob des Erfolgs fällt es Apple daher leicht, die Konkurrenz harsch zu kritisieren. So bezeichnete Geschäftsleiter und Steve-Jobs-Vertreter Tim Cook während der Bilanzsitzung Windows-Geräte als groß, schwer und teuer. Android-Modelle wiederum seien lediglich aufgeblasene Handys und immer hinten nach.

Unerschütterlich und unantastbar
Die zweite Säule des Erfolgs ist das iPhone. Das Handy wurde in den vergangenen drei Monaten 16,24 Millionen Mal verkauft. Zum Vergleich: Samsungs "Galaxy S" - das populärste Telefon mit Googles Android - fand innerhalb des abgelaufenen Halbjahres zehn Millionen Käufer. Die um 86 Prozent gestiegene Nachfrage nach dem iPhone macht auch deutlich, dass Skandale dem Konzern wenig anhaben können.

So hatte das als "Antennagate" bekannt gewordene Empfangsproblem auf den Absatz keinen Einfluss. Auch die neuerliche Auszeit von Steve Jobs dürfte dem Ansehen und Vertrauen in die Firma zumindest kurzfristig nichts anhaben. Aktionäre und Investoren haben die Erkrankung des Gründers diesmal mit deutlich mehr Fassung aufgenommen. Der Aktienkurs blieb in Summe stabil.

Deshalb ist Apple - ausgehend vom Börsenwert - weiterhin die zweitwertvollste US-Firma der Welt (nach ExxonMobil) und der wertvollste IT-Konzern. 2010 wurde in diesem Punkt Microsoft überholt. Beim Umsatz liegt Apple mittlerweile auch vor dem Erzrivalen und wird ihn beim Gewinn im nächsten Quartal mit hoher Wahrscheinlichkeit überholen. Spätestens dann gilt: Der erfolgreichste IT-Konzern aller Zeiten heißt Apple.

Gerüstet mit neuem iPad und iPhone =
Mit Barreserven von knapp 60 Milliarden Dollar wird den Aufstieg kaum etwas stoppen können. "Wir laufen auf Hochtouren und haben für dieses Jahr einige spannende Dinge in der Pipeline", teilte Apple-Chef Jobs Dienstags in einer Aussendung mit. Im Sommer kommt das neue Betriebssystem Lion, das die Nachfrage nach Mac-Computern neuerlich ankurbeln wird. Das verbesserte iPad 2 (vermutet werden neuer Bildschirm, neuer Dual-Core-Prozessor, SD-Slot und Kameras) wird ebenso auf den Markt kommen wie das iPhone 4 in Weiß sowie ein überarbeitetes iPhone (als sicher gilt zumindest ein neuer Prozessor). Letzteres ist übrigens schon jetzt einer der Top-Suchbegriffe bei Google.


Wie essenziell Geräte für Apples Strategie sind, zeigt übrigens der vergleichsweise geringe Umsatz im Online-Verkauf: Im iTunes-Store wurde lediglich ein Umsatz von einer Milliarde US-Dollar erzielt, also ein Siebenundzwanzigstel des Gesamtumsatzes. Geht man davon aus, dass sich Apple bei den Verkäufen im iTunes-Store 30 Prozent einbehält, käme der geschätzte Gewinn auf 300 Millionen US-Dollar, also einem Zwanzigstel der Gesamtsumme. Das überrascht ob der Nutzungszahlen, da vor einem Jahr die 10-Milliarden-Marke bei Songverkäufen überschritten wurde und in Kürze die Zehnmilliardste App heruntergeladen wird.

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(Benjamin Sterbenz)


Hintergrund:
Laut dem Digital Music Report 2010 der IFPI, der die bis dato aktuellsten Zahlen zum internationalen Musikbusiness enthält, wurden 2009 mit Online-Verkäufen vier Milliarden US-Dollar umgesetzt. Ingesamt betrug der Umsatz rund 15,5 Milliarden.

Der weltweite Software-Markt wird laut Studien von Gartner auf 232 Milliarden US-Dollar geschätzt. Der globale Videospiel-Markt wird mit 46,5 Milliarden beziffert.

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Benjamin Sterbenz

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