Netzpolitik
29.03.2016

Deutsche Telekom drosselt Spotify - Drei berät noch

Aufgrund der neuen EU-Verordnung zur Netzneutralität wird die Deutsche Telekom Spotify-Kunden nicht mehr bevorzugen. In Österreich sind die Auswirkungen noch unklar.

Die Netzneutralitäts-Debatte, die durch eine im Vorjahr beschlossene EU-Verordnung erneut auffachte, ist um eine Facette reicher. Die Deutsche Telekom teilt laut einem Bericht von Golem seinen Kunden derzeit mit, dass der Datenverkehr auch beim Streaming von Spotify gedrosselt werden muss, wenn das inkludierte Datenvolumen des Vertrags aufgebraucht ist. Das gilt auch für jene Spotify-Kunden, denen durch ein Zusatzvertrag von zehn Euro für das Musikstreaming bisher keine Datenmenge abgezogen wurde.

Drei mit ähnlichem Modell

Die Telekom macht dafür die erwähnte EU-Verordnung verantwortlich, die ab Ende April in Kraft tritt. Interessant dabei ist, dass die von vielen als Bevorzugung kritisierte Ausnahme von Spotify aus dem Datenvolumen bestehen bleibt. Ist das reguläre Volumen des Vertrags aufgebraucht, sieht man trotz 10-Euro-Zusatzpaket allerdings dennoch durch die Finger. Denn die Drosselung der Geschwindigkeit macht das Streaming von Musik de facto unmöglich.

Das Vorgehen der Deutschen Telekom wird auch in Österreich aufmerksam verfolgt. Hierzulande bietet nämlich Drei de facto das gleiche Paket für die Spotify-Nutzung an. Ob Drei aufgrund der Verordnung ebenfalls die Geschwindigkeit für Spotify drosseln muss, wenn das reguläre Datenlimit des Vertrags erreicht wird, bleibt unklar. "Wir befinden uns im intensiven Austausch mit der österreichischen Regulierungsbehörde RTR zur Auslegung der Verordnung", teilt Drei auf futurezone-Anfrage mit. Falls die Umsetzung Änderungen bei Diensten notwendig mache, werde man natürlich reagieren.

Deezer bei T-Mobile

Auch T-Mobile Österreich weist gegenüber der futurezone darauf hin, dass die Richtlinien zur Verordnung noch ausständig sind. Inwieweit T-Mobile-Produkte von der Verordnung betroffen sind, sei deswegen noch unklar, teilte eine Sprecherin mit. Diese Guidelines müssen vom Gremium der europäischen Regulierungsbehörden (Gerek bzw. Berec) bis spätestens Ende August ausgearbeitet werden. Auch die nationale Regulierungsbehörde kann Vorgaben für die Umsetzung kommunizieren. Der Musikdienst Deezer, der bei T-Mobile dazugebucht werden kann, ist insofern nicht betroffen, da das beim Streaming verbrauchte Datenvolumen ohnehin immer abgezogen wird.