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Netzpolitik
11/22/2011

Faymanns Facebook-Affäre wird zum PR-Desaster

Die gekauften Fans machen den Kanzler zur Lachnummer im Netz und könnten auch politische Folgen nach sich ziehen, erklärt OGM-Geschäftsführer Wolfgang Bachmayer im Gespräch mit der futurezone.

"Eine Welle von Gelächter, allgemeine Heiterkeit und Verarschung – so lassen sich die derzeitigen Reaktionen auf den mehr als missglückten Start von Werner Faymanns Facebook-Auftritt zusammenfassen“, sagt Wolfgang Bachmayer, Geschäftsführer beim Marktforschungsinstitut OGM. Er ist überzeugt, dass die falschen Facebook-Freunde dem Bundeskanzler noch lange nachhängen werden.

„Wir haben es hier auch mit einer politisch zu bewertenden Frage zu tun. Durch dieses PR-Desaster wurden Glaubwürdigkeit und Vertrauen nachhaltig erschüttert“, so Bachmayer. Gerade diese Glaubwürdigkeit sei das grundlegende Kapital eines Politikers. „Zuerst gab es die Affäre um die gekauften Inserate, mit denen versucht wurde, die Bürger zu täuschen, und nun setzt sich dieses Bild in der Online-Welt fort. Das ist ein fatales Signal an die Wähler“, meint der Experte.

Selbstläufer im Web
Mittlerweile hat sich die Affäre um die falschen Freunde im Web zu einem Selbstläufer entwickelt, der laut Bachmayer nur schwer zu stoppen sein wird. In den sozialen Netzwerken ist der Kanzler immer mehr Spott ausgesetzt. So gewinnt auch der Spaß-Account „@WernerFailmann“ auf Twitter immer mehr Zulauf, der sich mit launigen Botschaften über den Politiker lustig macht. Heute etwa postet er: „Faymann hat auf Facebook (...) wieder ein paar Hundert neue Freunde gefunden. Ob ,SandwichfuckArizona‘ Ernährungsexperte ist?“

Anstatt sich weiter der Lächerlichkeit preiszugeben und zu schweigen, müsse Faymann nun aktiv auf die Community zugehen. „Eine Reaktion des Kanzlers wäre unbedingt erforderlich, er muss Stellung beziehen“, sagt der Meinungsforscher.

Verpatzter Start
Aus Bachmayers Sicht ist das zuständige Team von Anfang an falsch an die Sache herangegangen. „Man hat offenbar noch nicht verstanden, dass man es in Social Media mit einer anderen Kommunikationskultur zu tun hat.“ Der grundlegende Fokus sei zudem „der Einfachheit halber auf Facebook gelegt worden, andere Kanäle wie YouTube und Twitter wurden schwer vernachlässigt“. So dauere es beispielsweise viel zu lange, bis via Twitter auf Nutzerfragen reagiert werde.

Bei der SPÖ weist man in der Cause weiterhin jede Schuld von sich. „Uns ist noch immer nicht bekannt, woher die zugekauften Profile stammten, wir können aber ausschließen, dass sie aus dem Umfeld der Parteizentrale kamen“, sagt SPÖ-Sprecher Markus Pühringer auf Nachfrage des KURIER. „Wir vermuten aber stark, dass hier ein politischer Gegner der SPÖ und dem Bundeskanzler schaden wollte.“

Leserbriefe
Indes wird der SPÖ nun angelastet, sich nicht nur in den neuen Medien besser darstellen zu wollen. Wie die Gratiszeitung Heute vermeldet, sollen in der Redaktion per eMail zahlreiche Leserbriefe eingegangen sein, die alle von einer IP-Adresse der SPÖ stammten. Die vermeintlichen Absender seien wie die Facebook-Fans frei erfunden, die Fotos der Leserbriefschreiber sollen dem Fotodienst Fotolia entstammen. Bundesgeschäftsführerin Laura Rudas reagierte in einer ersten Stellungnahme „überrascht“ auf die neuen Vorwürfe und versprach eine sofortige Prüfung.

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