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Cyber-Angriffe
07/29/2011

Hacker ist nicht gleich Hacker

Die einen bejubeln ihre Aktionen, die anderen fürchten ihre Attacken: Nach Cyberangriffen auf Parteien wie die FPÖ, Firmen wie Sony oder staatliche Behörden wie das FBI rücken Hacker immer mehr ins Rampenlicht der Weltöffentlichkeit. Dabei wird oft vergessen, dass die Bezeichnung "Hacker" viele Bedeutungen haben kann.

Die jüngsten Angriffe in Österreich wurden alle unter dem Siegel des losen Kollektivs Anonymous ausgeführt. Die Mitglieder verüben die Attacken, um politische Botschaften zu setzen. Besonders die Kontroverse um die Aufdeckerplattform „WikiLeaks“ und die Verhaftung ihres Gründers Julian Assange hat eine ganze Generation an Hackern dazu motiviert, ihre Fähigkeiten für politische Statements zu nutzen. Besonders in Österreich hat der „Cyber-Aktivismus“ mit den Attacken auf Parteiwebseiten massiv zugenommen.

Wie Hacker-Gruppen wie AnonAustria immer wieder unterstreichen, will man Politiker und Firmen wie die ORF-Tochter „Gebühren Info Service“ (GIS) zum Umdenken bewegen. Denn die Nutzerdaten, die sie bei ihren Angriffen stehlen (13.000 auf gruene.at, 214.000 auf gis.at), sind den Hackern zufolge zu schlecht geschützt.

„Es geht uns dabei nicht darum, den Zwangskunden zu schaden“, hieß es seitens AnonAustria nach dem Angriff auf die GIS-Webseite. „Vielmehr wollen wir die eklatanten Verstöße der GIS gegen das Datenschutzgesetz aufzeigen.“ Dass sie mit ihren Aktionen selbst Gesetze brechen, ist den „Hacktivisten“ bewusst – sie riskieren in Österreich bis zu fünf Jahre Haft. Gefasst wurde bis dato aber noch keiner.

Begriff "Hacker"
Neben einem Kriminellen oder einem politischen Aktivisten kann ein Hacker noch viel mehr sein. Ursprünglich galt ein Hacker als eine Person, die Spaß daran hat, die Grenzen der Technik auszuloten. Der Begriff stammt aus den 1950er-Jahren, wo Funk-Amateure das Verbessern ihrer Funkgeräte als „hacken“ bezeichneten. Auch heute existiert eine ganze Generation von Hackern, die keinerlei illegale Aktivitäten im Schilde führen.

Die größte europäische Hackervereinigung Chaos Computer Club zählt in Deutschland mehr als 3000 Mitglieder und meldet sich regelmäßig zu Themen wie Datenschutz oder Informationsfreiheit zu Wort. Dabei werden oft Sicherheitslücken aufgedeckt. Diese nutzt man nicht aus, sondern werden an die betroffenen Stellen weitergeleitet.

Cracker
Wenn pauschal vom Hacker gesprochen wird, denken die meisten Konsumenten wohl an den sogenannten „Carder“: Dabei handelt es sich um einen Cyberkriminellen, der sich mittels verschiedenster Methoden wie etwa Phishing-eMails in den Besitz von Kreditkartendaten zu bringen versucht. In dem spektakulären Hacker-Angriff auf Sony im April wurden mehr als 100 Millionen Kundendaten von den Servern kopiert – darunter befanden sich auch 40.050 Kreditkartendaten sowie 840 Bankkontodaten von österreichischen Kunden.

Mit großer Wahrscheinlichkeit wurden diese und viele andere Kreditkartendaten am Schwarzmarkt verkauft. Pro Nummer kann dort ein Preis zwischen 20 und 70 Cent erzielt werden – bei Zehntausenden Daten kann der Carder sehr viel Gewinn auf einmal machen. In Österreich ist die Cyber-Kriminalität laut Bericht des Bundeskriminalamts stark im Steigen. Im ersten Halbjahr 2011 wurden 2229 Delikte im Bereich der IT-Kriminalität zur Anzeige gebracht, 2008 waren es noch 1188. Das wiederum bringt vermehrt Firmen auf den Plan, die neue Sicherheitstechnologien für Bezahlvorgänge im Web entwickeln.

Finanzieller Schaden
Christian Hinterwallner, Aktienanalyst bei der Raiffeisenbank International beziffert den Schaden, den alleine Sony durch die Hackerangriffe im April davongetragen hat, auf rund 126 Millionen Euro. „Daneben gibt es natürlich einen Imageschaden, der schwerer zu messen ist“, so Hinterwallner im Gespräch mit der futurezone. Er glaubt, dass viele Vorfälle gar nicht an die Öffentlichkeit geraten: „Es existiert ein gewisses Potenzial an Hackern, die Sicherheitslücken bei Unternehmen finden und dann ohne großes Aufsehen zu Geld machen.“ Experten vom österreichischen Forschungsinstitut „ Austrian Institute of Technology“ (AIT) gehen von einem weltweiten Schaden von rund 750 Milliarden Euro jährlich durch Hacker-Angriffe aus.

Vorbereitungen auf den Cyberwar
Auch staatliche Organisationen nutzen immer mehr die Macht der virtuellen Angriffe: Die Militärs haben das Hacken entdeckt“, sagt Sandro Gaycken, Sicherheitsforscher an der freien Universität Berlin. Ihm zufolge haben bereits 140 Staaten Kapazitäten für die virtuelle Kriegsführung aufgebaut, auch das österreichische Verteidigungsministerium baut eine 1600 Mann starke Cyber-Truppe für defensive Aufgaben auf.

Neues Schlachtfeld Vor allem in China und Russland werden besonders begabte Hacker von der Armee rekrutiert. Der erste Cyberkrieg gegen Estland im Jahr 2007, der von russischen Hackern gegen die IT-Infrastruktur des Landes geführt wurde, zeigte bereits, was eine Attacke über das Internet anrichten kann. Das kleine, aber hochgradig vernetzte Land wurde teilweise tagelang lahmgelegt. Führend auf dem Gebiet des Cyberwars ist neben den USA, die gemeinsam mit Israel den Virus „Stuxnet“ entwickelten und damit das iranische Atomprogramm um Jahre zurückwarfen, vor allem China. Chinesische Hacker werden oft verdächtigt, US-Ziele anzugreifen – etwa bei Attacken gegen den Rüstungsriesen Lockheed. Im Cyberkrieg geht es auch um Spionage. So stahlen Hacker 2009 Pläne des 300 Milliarden Dollar teuren „Joint Strike Fighters“, der heute als „F-35 Lightning II“-Tarnkappen-Kampfjet produziert wird.

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