Netzpolitik
01.11.2012

Inder drohen drei Jahre Haft für Tweet

Der 45-jährige Unternehmer Ravi Srinivasan schrieb in einem Tweet über einen Zeitungsbericht und wurde nun für diese Aussage festgenommen. Darin wird behauptet, dass das Einkommen des Sohnes des derzeit amtierenden Finanzministers das des bekannten Milliardärs Robert Vadra übersteigen würde. Nun drohen dem Inder bis zu drei Jahre Haft.

Dem 45-jährigen Ravi Srinivasan drohen aufgrund eines scheinbar unschuldigen Tweets knapp drei Jahre Haft. Das berichtet die Online-Ausgabe der Tageszeitung "The Hindu". Am 20.Oktober veröffentlichte Srinivasan folgenden Tweet auf seinem Twitter-Account ravi_the_indian: "got reports that karthick chidambaram has amassed more wealth than vadra." (Habe erfahren, dass Karthick Chidambaram reicher als [Robert] Vadra ist.") Darin bezieht er sich auf den Sohn des derzeit amtierenden Finanzminister Indiens, P. Chidambaram, dem bereits mehrfach Korruption vorgeworfen wurde.

"Freie Meinungsäußerung unterliegt Einschränkungen"
Zehn Tage später erhielt Srinivasan Besuch von Polizeibeamten, die ihn um fünf Uhr morgens in Haft nahmen. Chidambaram hatte sich per E-Mail an den Polizeipräsidenten gewandt und wirft ihm die "vorsätzlichen Diffamierung eines unbescholtenen Bürgers" vor. Die Polizei nahm ihn nach Section 66-A des 2008 verabschiedeten Information Technology Act fest. Dieser Abschnitt behandelt "in gröbster Weise anstößige" Nachrichten, die einen "bedrohlichen Charakter" haben und eine "Belästigung oder Unannehmlichkeit" darstellen. Ein ähnliches Statement gab auch Chidambaram über seinen offiziellen Twitter-Account ab, in der er unter anderem bemerkt, dass "die freie Meinungsäußerung gewissen sinnvollen Einschränkungen unterliegt" und er das Recht habe, sich dagegen zu wehren.

Nur 16 Follower
Dabei bezog sich der Tweet von Srinivasan lediglich auf einen Bericht aus einer Zeitung, in dem behauptet wird, dass das Vermögen von Karti Chidambaram das des bekannten Milliardärs Robert Vadra übertreffen würde. Noch absurder wird es, wenn man sich die nackten Zahlen von Srinivasans Account ansieht: er hatte zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Tweets lediglich 16 Follower und in eineinhalb Jahren nur 110 Mal gepostet. Srinivasan vermutet daher, dass die Verhaftung auch im Zusammenhang mit seiner Tätigkeit in der Bürgerrechtsorganisation "India Against Corruption" steht. Mittlerweile ist die Zahl seiner Follower auf mehr als 800 angewachsen.

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