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"Boundless Informant" Internet-Überwachung: Datamining-Tool enthüllt.

Foto: Screenshot, Guardian
Der US-Militärgeheimdienst NSA (National Security Agency) hat nach Angaben des "Guardian" ein mächtiges Werkzeug zur Speicherung und Analyse von globalen Überwachungsdaten entwickelt. Damit werden laut der Zeitung auch Kommunikationsdaten von US-Bürgern verarbeitet.

Dokumente, die dem "Guardian" zugespielt wurden, geben detailliert Auskunft über "Boundless Informant", einem geheimen Datamining-Tool der NSA. Im Zentrum der Analyse stehen dabei nicht Kommunikationsinhalte, sondern Metadaten, etwa die Herkunft der Informationen. Die Geheimdienste können mit dem Tool beispielsweise abfragen, über wieviele Informationen sie aus welchem Land verfügen.

Auch US-Daten gesammelt
Die der Zeitung vorliegenden Dokumente zeigen, dass die NSA auch Kommunikationsdaten aus den USA gesammelt hat. Bislang hatte der Auslandsgeheimdienst dies in Abrede gestellt, bzw. darauf verwiesen, dass die Herkunft der Daten nicht zweifelsfrei festgestellt werden könne.

Im Zeitraum von 30 Tagen, der im März 2013 endete, wurden laut den geheimen Dokumenten rund drei Milliarden Geheimdienstinformationen aus US-Computer- und Telefonnetzwerken abgefischt, weltweit waren es im selben Zeitraum fast 100 Milliarden. Die meisten Informationen kamen aus dem Iran, Pakistan, Jordanien, Ägypten und Indien, wie eine vom "Guardian" veröffentlichte Karte zeigt.

Boundless Informant: Screenshot von Dokumenten, die dem Guardian vorliegen
Detail-Screenshot von der Website des "Guardian" - Foto: Screenshot, Guardian

Erklärungsbedarf für Geheimdienste
Für den US-Geheimdienst ergibt sich aus den veröffentlichten Dokumenten Erklärungsbedarf. Vertreter der NSA hatten in Hearings vor dem US-Kongress wiederholt angegeben, dass sich  Identität und Aufenthaltsort von Personen hinter den gesammelten Kommunikationsdaten nicht zweifelsfrei bestimmen ließen,  schreibt der "Guardian". Bei einem Hearing vor dem Geheimdienstkommitee des US-Senats im vergangenen März hatte US-Geheimdienstkoordinator James Clapper laut der Zeitung verneint, dass der Auslandsgeheimdienst überhaupt Daten von US-Amerikanern sammle.

US-Präsident Barack Obama hatte erst am Freitag behauptet, die Kontrolle der US-Überwachungsprogramme durch den Kongress sei der beste Schutz der US-Bürger vor Überwachung durch die Geheimdienste.

FAQ zu Überwachungs-Tool
Der "Guardian" veröffentlichte neben einer Karte, die das Ausmaß der globalen Überwachung nach Ländern und Regionen aufschlüsselt, auch ein Fact-Sheet der NSA, in dem Funktionsweisen des Überwachungs-Tools beschrieben werden. Auch die Weiterentwicklung des Spionagewerkzeugs wird darin angesprochen. Das Team von "Boundless Informant" nehme User-Anfrage zu zusätzlichen Funktionalitäten und Erweiterungen entgegen, heißt es in dem Dokument.

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(futurezone) Erstellt am 09.06.2013, 10:00

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