Netzpolitik
19.03.2015

Kaspersky soll russische Geheimdienste beliefern

Der russische Antivirenhersteller Kaspersky soll russische Geheimdienste mit Daten beliefern und Stellen im eigenen Unternehmen zunehmend regierungsnah besetzen.

Die Vorwürfe, die russische Antiviren-Firma Kaspersky Lab sei eng mit russischen Geheimdiensten verbandelt, sind so alt wie das Unternehmen selbst. Immerhin fußt auch die Karriere von Firmengründer Eugene Kaspersky in seiner früheren Tätigkeit als Kryptographie-Experte für den KGB. Einem Medienbericht zufolge soll Kaspersky seit 2012 verstärkt Leute mit Verbindungen zum russischen Geheimdienst FSB (Federal Security Service) im Unternehmen platziert haben, die diesen mit Daten der 400 Millionen Kunden versorgen.

Eugene und die Sauna

Der Bericht wirft Kaspersky auch vor, an Saunarunden teilzunehmen, an denen hohe Regierungsbeamte beteiligt sind. Laut ehemaligen und bestehenden Kaspersky-Mitarbeitern sei die Zusammenarbeit mit dem FSB eng. Kaspersky gebe Daten seiner Kunden weiter und helfe dem Geheimdienst so bei Ermittlungen. Während das Unternehmen offiziell dementiert, dass diese Daten zuordbar seien, widersprechen Insider dieser Darstellung.

Es sei zudem auffallend, dass Kaspersky selten über russische Cyberattacken berichte, sondern zuletzt mit aufsehenerregenden NSA-Enthüllungen über versteckte Spionagesoftware in Festplatten-Firmware und einem Großangriff auf russische Banken an die Öffentlichkeit ging.

Kaspersky: "Finger weg von Politik"

Zu den aktuellen Vorwürfen wollte Kaspersky auf Anfrage der futurezone keine Stellung nehmen, verwies aber auf einen aktuellen Forbes-Gastbeitrag von Eugene Kaspersky, in dem einige (altbekannte) Vorwürfe adressiert werden. "In einer Zeit, in der Regierungen und deren Spione das Internet als Schlachtfeld benutzen, wird es immer wichtiger, das IT-Sicherheitsanbieter ihre Finger von der Politik lassen."

Wer sich auf eine Seite schlage und manche Malware ignoriere, sei teilweise blind und nicht in der Lage vollständigen Schutz anzubieten, so die unmissverständlichen Worte Kasperskys. In dem Beitrag fordert er zudem Mitbewerber und direkte Konkurrenten auf, gemeinsame Sache zu machen, um digitale Bösewichte und von Regierungen entwickelte Malware aufzudecken.

Innenministerium: "Kein Berater"

Vor kurzem war Eugene Kaspersky auf Einladung des Kuratorium Sicherheit Österreich und des Innenministeriums auch in Österreich, um aktuelle Bedrohungsszenarien zu diskutieren. Auch eine nationale Beraterfunktion soll damals im Gespräch gewesen sein. Laut Auskunft des Innenministeriums war Kaspersky allerdings nur einmalig zu einem öffentlichen Informationsgespräch eingeladen. Eine darüber hinausgehende Beratertätigkeit mit dem Ministerium existiere nicht, so Ministeriumssprecher Karl-Heinz Grundböck auf Anfrage der futurezone.

Aus dem erweiterten Umfeld des Ministeriums ist allerdings von einem losen Kontakt mit Kaspersky zu hören. Der Firmengründer stünde bereit, wenn seine Expertise gefordert sei. Es bleibt abzuwarten, ob der neue Bericht die Chancen für nationale Beratertätigkeiten Kasperskys schmälert. Da viele Sicherheitstechnologien und auch Forschungsarbeiten in enger Kooperation mit nationalen Regierungen durchgeführt werden, geraten allerdings auch immer wieder Sicherheitsfirmen anderer Länder - wie etwa den USA - unter Verdacht von zu engen Beziehungen zu ihrem nationalen Firmensitz.