© Fotolia

Urheberrecht
06/25/2012

Musikwirtschaftstage mit HADOPI-Vertreterin

Die Urheberrechtsdebatte wird nicht erst seit ACTA geführt, doch dank ACTA hat das Thema an Bedeutung zugelegt. Am Freitag und Samstag, 29. und 30. Juni, finden in Wien zum dritten Mal Tage der Musikwirtschaftsforschung statt. Dieses Mal wird vor allem der Frage nachgegangen, wie sich das Musikkonsumverhalten im digitalen Zeitalter verändert hat.

Die derzeit heftig geführte Urheberrechtsdebatte hat viele Facetten und eine davon ist, dass sich das Konsumverhalten der Menschen in der digitalen Welt insgesamt grundlegend verändert hat. Dies lässt sich am Beispiel der Musik am besten nachvollziehen. Seit über einem Jahrzehnt werden massenhaft in Tauschbörsen Musikfiles getauscht und das Bewusstsein, dass es sich dabei um urheberrechtlich geschützte Inhalte handelt, ist wenig bis gar nicht ausgeprägt.

Mittlerweile hat sich der Musikkonsum in die Cloud verlagert und es gibt neue Nutzungsformen, die vor kurzem noch völlig unbekannt waren. Die Unternehmen der Musikbranche mühen sich unterdessen damit ab, neue Geschäftsmodelle zu entwickeln, die zum einen den neuen Konsumbedürfnissen entsprechen zum anderen aber auch wirtschaftlich nachhaltig erfolgreich sein müssen – ein Spagat, der derzeit nur schwer zu bewältigen ist.

Aktuelle Studien zum Musikkonsumerverhalten
Es ist daher besonders wichtig, das geänderte Musikkonsumverhalten zu analysieren und zu verstehen und genau darum geht es bei den Wiener Musikwirtschaftstagen. Dazu werden im Rahmen der dritten Wiener Tage der Musikwirtschaftsforschung aktuelle Studien der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und der University of Hertfordshire (Großbritannien) präsentiert. In einem weiteren Beitrag von Prof. Carsten Winter von der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover wird aufgezeigt, dass die Grenzen zwischen passivem Musikkonsum und aktiven Musikschaffen zu verschwimmen beginnen. Es lässt sich feststellen, dass Musik heutzutage verwendet und weiterverarbeitet wird.

Der Musikkonsument wird damit zum Produzenten, was im Begriff der Prosumer seinen Ausdruck findet. Vor diesem Hintergrund wird von Prof. Joel Waldfogel von der University of Minnesota (USA) der Frage nachgegangen, wie sich das neue Musikkonsumverhalten auf die Qualität der Musik auswirkt und es wird das Phänomen des Musik-Filesharings genauer unter die Lupe genommen.

Diskussion mit HADOPI-Vertreterin
Schließlich wird eine Vertreterin von HADOPI, der französischen Behörde zur Überwachung des Internets, statistisches Material über die Wirksamkeit der Maßnahmen gegen Tauschbörsennutzer präsentieren und mit internationalen ExpertInnen darüber diskutieren.

Die Wiener Musikwirtschaftstage werden vom Institut für Kulturmanagement und Kulturwissenschaft (IKM) und Institut für Musiksoziologie (IMS) der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien, Institut für Journalistik und Kommunikationsforschung (IJK), Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover und Internationale Gesellschaft für Musikwirtschaftsforschung organisiert. Sie finden vom 29. bis 30. Juni 2012 im Joseph Haydn-Saal an Universität für Musik und darstellende Kunst Wien am Anton-von-Webern-Platz 1 statt. Der Eintritt ist frei, das exakte Programm findet man hier.

Mehr zum Thema

  • Cloud-Musik: "Apple hat die besten Chancen"
  • "Einen Song um die Welt schicken, ist verrückt"