WENDE nach Domainpfändung

Nerdcore.de: Der Blogger schlägt zurück

FUTUREZONE: Wie ist der aktuelle Stand der Dinge? Haben Sie Maßnahmen gegen die Domainpfändung ergriffen?
René Walter: Ja, ich habe meinen Anwalt eingeschaltet und rechtliche Schritte eingeleitet. Wir werden bald sehen, ob ich damit erfolgreich bin oder nicht. Grundsätzlich bin ich bereit, sehr weit zu gehen.

Wie stehen die Chancen, dass die Domain Nerdcore.de zurückgegeben wird? Offenbar werden Sie in der WHOIS-Abfrage seit kurzem wieder als Inhaber geführt, ist das richtig?

Ich denke, die Chancen stehen gut. - Ich habe eine Mail von DENIC (Deutsches Network Information Center) erhalten und gerade davon erfahren. Erstmal heißt es aber abwarten, mein Anwalt muss jetzt alles weitere abklären. Aber um die Domain selbst geht es mir gar nicht so sehr. Ich habe nach meinem Umzug auf Crackajack.de schon nach wenigen Tagen fast wieder dieselben Nutzerzahlen erreicht, wie zuletzt auf Nerdcore.de. Mein eigentliches Anliegen ist, diesen Leuten (Euroweb Anm.) das Feld nicht kampflos zu überlassen. Sollte ich die Domain zurückbekommen, mal sehen, wer weiß, was ich damit mache.

Wieso haben Sie so lange nicht auf die Abmahnschreiben reagiert, sogar eine einstweilige Verfügung ignoriert - war das nicht sehr leichtsinnig?

Ich möchte nicht ins Detail gehen, aber ich war lange Zeit nicht an meinem Wohnort in Berlin, weil jemand aus meiner Familie erkrankt ist. Natürlich war ich auch leichtsinnig. Mein Nachbar hat mich informiert, dass hier gerichtliche Schreiben eintrudeln, ich war aber zu der Zeit einfach nicht in der Lage, mich wirklich darum zu kümmern. Das war auch naiv.

Worauf geht Ihre Auseinandersetzung mit der Firma Euroweb eigentlich zurück?

Das Ursprungsposting, das ich in meinem Blog gemacht habe, liegt schon im Jahr 2006. Damals habe ich, wie andere Blogger auch, die Geschäftspraktiken von Euroweb kritisiert. Unter anderem ging es um darum, dass ich deren Webdesign-Angebote im Zusammenhang mit den unverhältnismäßig hohen Preisen als "minderwertig" bezeichnet habe. Auch andere Blogger haben von Euroweb aufgrund ihrer Kritik Abmahnungen erhalten.

Aber Sie haben die Firma und deren Betreiber in Ihren Postings auch regelrecht beschimpft, sie zum Beispiel als "xxxxxxx" tituliert. Hätte man die Kritik nicht auch neutraler formulieren können?

Daran hatte ich kein Interesse. Ich sage gewöhnlich klar heraus, was Sache ist. Also habe ich bei meinen Postings Begriffe benutzt wie "Schund", "Dreck" oder eben "minderwertig". Ich hab zum damaligen Zeitpunkt nicht wirklich darüber nachgedacht, ob das irgendwelche Konsequenzen für mich haben könnte. Hätte ich dann früher etwas von der einstweiligen Verfügung mitbekommen, wäre ich sowieso vor Gericht gegangen.

Euroweb hatte auf der gepfändeten Domain eine Kommentarfunktion aktiv gelassen. Die Mehrheit der Postings war nicht sehr schmeichelhaft für die Firma, was glauben Sie, wieso sie sich dazu entschieden haben?

Das ist leicht zu beantworten: Mit der Kommentarfunktion konnten sie alle aufgeregten Stimmen an einem Ort sammeln. Sowas kann nach der ersten Welle der Aufregung dann bequem gelöscht werden und die Mehrheit der kritischen Beiträge verschwindet aus dem Netz.

Die Bloggerszene ist klar auf Ihrer Seite, die Aufregung um die Domainpfändung riesig, obwohl Sie rechtlich erstmal der Verlierer sind. Glauben Sie es handelt sich um einen üblichen "Shitstorm" innerhalb der Community oder wird der Fall auch von Außen wahrgenommen?

Also ich denke, die Sache ist sicherlich größer als ein normaler "Shitstorm". Es haben ja zahlreiche Medien von Spiegel bis Heise über mich berichtet. Ob das Thema tatsächlich im Mainstream angekommen ist, kann ich aber nicht beurteilen. Zumindest werden jetzt aber wieder einige für Euroweb unangenehme Artikel auf Google hoch gespült, die zuletzt komplett verschwunden waren. Man hatte fast den Eindruck, die hätten massiv gesäubert. Davon abgesehen ist natürlich klar: Die Sache sorgt eine Woche lang für Aufregung und dann redet keiner mehr darüber.

Also bringt Ihnen der Rückhalt der Community im Grunde nichts?

Es bringt mir emotional was. Rein juristisch bringt es mir natürlich nichts.

Haben Sie je versucht, direkt in Kontakt mit Euroweb zu treten oder gab es nur schriftliche Kommunikation?

Ich habe zuletzt ständig versucht, Euroweb zu kontaktieren. Es herrschte jedoch Kommunikationsverweigerung. Nachdem ich mehrmals bei Euroweb angerufen hatte, wurde mir über Anwälte ausgerichtet, dass ich das in Zukunft bleiben lassen soll.

Sie wurden vor der Domainpfändung zu einer Zahlung von 2000 Euro verurteilt, haben Sie diese Zahlung inzwischen getätigt?

Ja, diesen Betrag habe ich überwiesen. xxxxxxxxxxx.

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Anmerkung

Die mit "xxxxx" gekennzeichneten Passagen wurden wegen einer einstweiligen Verfügung gegen Rene Walter von der Redaktion übergangsweise aus dem Interviewtext entfernt.

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