Netzpolitik
07.06.2013

Niederlande: Gesetze als Hürde für Smart Cities

Um Städte intelligent zu machen und für die Zukunft zu rüsten, braucht es mehr als Pilotprojekte. Darüber waren sich Experten am Smart City Event, das vergangene Woche in Amsterdam stattgefunden hat, einig. Doch eine flächendeckende Umsetzung scheitert nicht selten an regulatorischen Maßnahmen. Niederländische Energiebetreiber kritisieren, dass ihnen oft Gesetze im Weg stehen würden.

Beim

trafen sich zahlreiche Experten aus unterschiedlichen Ländern und Branchen, um gemeinsam über Maßnahmen zu diskutieren, wie man Städte künftig schlauer machen kann - sei es im Energie-, Mobilitäts-, Wohn- oder Behördenbereich. Eine der Hauptherausforderungen liegt laut dem Klima- und Smart City-Experten Boyd Cohen darin, Projekte flächendeckend zu planen und in Größenordnungen zu dimensionieren, die über einen Pilotprojekt-Status hinausgehen.

Wie wird aus Pilotprojekten mehr?
Pilotprojekte sind in der Tat zahlreich vorhanden. So wurde bei der Konferenz beispielsweise ein Projekt für Nachhaltigkeit aus der niederländischen Gemeinde Zaanstad präsentiert, in dem unter anderem eine smarte Batterie für Elektroautos getestet wird, die mit dem Reservierungssystem verbunden ist und dadurch genau weiß, bis wann das Auto wieder aufgeladen sein muss, weil es das nächste Mal gebraucht wird. "Das System wird alle 15 Minuten abgeglichen. Es funktioniert bereits, allerdings sind derzeit nur zehn E-Autos damit verbunden", erklärt Robert Linnenkamp aus dem Gemeinderat von Zaanstad. In Österreich gibt es mit der ersten Smart Grids-Gemeinde

ein weiteres Pilotprojekt aus dem Energiebereich, bei dem 36 E-Autos zum Einsatz kommen.

"Wir haben viele Pilotprojekte in den Städten und Ländern, aber wie schaffen wir es, Projekte auf ganze Städte oder Landkreise auszudehnen?", fragt sich der Stratege Cohen. Kaum einer denke über das Pilotstadium von Projekten hinaus. Doch das ist nicht das einzige Problem, mit dem Gemeinden, Regierungen sowie private Firmen, die bei der Umsetzung von derartigen Projekten häufig zusammenarbeiten, konfrontiert sind, wie aus den Experten-Diskussionen auf der Konferenz hervorgeht.

"Wir mussten das Gesetz brechen"
"Wir mussten das Gesetz brechen, um unser Projekt zur dezentralen Energieerzeugung in den Niederlanden umsetzen zu können", erklärt Huib Morelisse, CEO von Nuon, Teil des Energieunternehmens Vattenfall. Das Unternehmen hat bei dem Projekt Solarzellen an mehreren Häuserdächern montiert, um diese mit Parkgaragen zu vernetzen, in denen Elektroautos aufgeladen werden können. In den Niederlanden ist das per Gesetz bisher nicht möglich. Auch Bürger, die z.B. mit Nachbarn gemeinsam eine Solaranlage betreiben und teilen wollen, stehen vor dieser Hürde.

Peter Molengraaf vom niederländischen Stromversorgungsunternehmen Liander sieht dies als großes Problem an. "Es muss auch als Konsument bzw. Prosumer möglich sein, mit seiner eigenen Energieversorgung handeln zu dürfen, also etwa die Energie, die der Nachbar für sein E-Auto benötigt, in kleinem Rahmen weiterverkaufen zu dürfen", so Molengraaf.

Standards für ganz Europa
Der Experte sieht im Energiebereich gleich mehrere Hürden für Unternehmen: "Auch eine dynamische Preisgestaltung ist essenziell, um einen intelligenten Markt zu generieren. Das ist ein kritischer Punkt, wenn man eine nachhaltige, smarte Stadt haben will. Außerdem brauchen wir Standards für Smart Home-Entwicklungen für ganz Europa. Es ist nicht gut für den Markt, wenn jeder Energieversorger seine eigene intelligente Box verkauft, hier braucht man eine gemeinsame Strategie."

Auch aus der Sicht von Alfons Goos, CEO vom Energieunternehmen ABB Benelux, ist eine Standardisierung in weiten Bereichen unbedingt notwendig. "Es wäre beispielsweise viel zu kostenintensiv, wenn es in ganz Europa für E-Autos unterschiedliche Lösungen für Ladestationen gibt."

"Faktoren, die Innovationen blockieren"
"Es gibt defnitiv einige Faktoren, die Innovationen blockieren und das kann man in ganz Europa mitverfolgen. Vor allem eine entsprechende Gesetzgebung geschieht selten in einem Zeitrahmen, in dem Innovationen auftauchen", erklärt Peter Portheine vom Technologiepark Brainport in Eindhoven. "Im Gesundheitsbereich sind in den Niederlanden beispielsweise keine groß angelegten E-Health-Projekte möglich, weil uns das Gesetz daran hindert. Um etwas groß auszurollen, braucht man als Unternehmen aber Investitionssicherheit."

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