Netzpolitik
06/15/2013

NSA-Leaks enthüllen US-Hacks in China

Edward Snowden legte in einem Interview mit der South China Morning Post Beweise für Hacks der NSA vor, die mehr als vier Jahre lang chinesische Computersysteme angriff. Die Enthüllung könnte Snowden Experten zufolge Probleme beim Kampf gegen einen Auslieferungsantrag der USA bringen. In Hongkong gingen derweil hunderte Menschen für Snowden auf die Straße.

Der durch die Enthüllung des NSA-Programms PRISM bekannt gewordene US-Amerikaner Edward Snowden hat in einem Interview mit der Tageszeitung South China Morning Post weitere Details zu den Tätigkeiten seines ehemaligen Arbeitgebers veröffentlicht. Demnach soll der Nachrichtendienst über mehr als vier Jahre unzählige Hacker-Angriffe auf chinesische Unternehmen durchgeführt haben. Snowden legte den Journalisten Listen mit IP-Adressen und weiteren Daten von chinesischen Computern vor, die in den letzten Jahren gezielt angegriffen wurden.

Erfolgreiche NSA
"Ich weiß nicht, was sie auf diesen Computern gesucht haben, aber sie haben Sicherheitslücken ausgenutzt, um unerlaubt Zugriff auf PCs aus dem zivilen Bereich zu bekommen, das ist illegal. Es ist moralisch fragwürdig." Snowden betonte vor allem, dass es sich um keine Computer des chinesischen Militärs gehandelt habe, doch wie die New York Times bemerkt, ist die Unterscheidung hier gerade in China sehr schwierig. Dennoch scheint die NSA bei ihren Versuchen sehr erfolgreich gewesen zu sein. In 75 Prozent der Fälle war ein Angriff erfolgreich. Was nach einem erfolgreichen Angriff geschah, geht nicht aus den Daten hervor.

Noch mehr rechtliche Probleme
Snowden könnte damit allerdings seine rechtlich ohnedies schwierige Situation verkompliziert haben. "Er schaufelt sich sein eigenes Grab mit einem sehr großen Spaten", meint Kevin Egan, ein auf Auslieferungsanträge spezialisierter US-Anwalt gegenüber der New York Times. Demnach wird mit jeder Veröffentlichung die Genehmigung eines Auslieferungsantrages an die USA wahrscheinlicher. Verschiedenen Berichten zufolge arbeiten die USA bereits mit den Behörden von Hongkong und China intensiv zusammen, um Snowden verhaften zu können.

Hongkonger kämpfen für Snowden
Doch Snowden hat in Hong Kong auch Anhänger gefunden. Hunderte Hongkonger haben ihre Stadtverwaltung aufgerufen, den amerikanischen Informanten Edward Snowden zu schützen. Mit Plakaten mit Slogans wie „Keine Auslieferung" und „Schande für die US-Regierung" marschierten die Unterstützer am Samstag zum Hauptquartier der Stadtverwaltung. Die Organisatoren des Marsches gingen nach Angaben Snowden hält sich derzeit an einem unbekannten Ort auf.

Während der Demonstration kündigte einer der Organisatoren an: „Wir werden weiter Druck auf die Regierung in Hongkong ausüben, damit der Fall von Snowden in Hongkong verhandelt wird", schrieb die Zeitung. Die ehemalige britische Kronkolonie ist seit der Rückgabe an die Volksrepublik 1997 eine autonom regierte chinesische Sonderverwaltungsregion (SAR). Schon seit 1998 hat Hongkong - anders als China - ein Auslieferungsabkommen mit den USA. Politische Fälle sind davon ausgeschlossen.

Vergleich mit Manning und Assange
Während sich Chinas Außenministerium nicht direkt zu Snowden äußern wollte, lobten Staatsmedien den 29-Jährigen in mehreren Berichten. In dem Text der amtlichen Nachrichtenagentur wurde Snowden in eine Linie mit dem Wikileaks-Informanten Bradley Manning und Wikileaks-Gründer Julian Assange gebracht. „Diese Leute sind zu brillant, um eingesperrt zu werden."

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