Netzpolitik
15.01.2014

NSA zapft auch Computer ohne Internetverbindung an

Die NSA hat weltweit auf rund 100.000 Computern Spionagesoftware installiert. Auch zu Computern ohne Internetverbindung hat sich der US-Geheimdienst Zutritt verschafft.

Die National Security Agency (NSA) könne diese Geräte überwachen oder für Cyberangriffe nutzen, schreibt die „New York Times“ unter Berufung auf Dokumente des ehemaligen NSA-Mitarbeiters Edward Snowden, Computer-Experten und US-Regierungskreise. In den meisten Fällen wurde die Spionagesoftware über Computer-Netzwerke installiert. Zur Anwendung kam aber auch eine Technologie, die dem Geheimdienst Zugriff auf Computer erlaubt, auch wenn diese gar nicht mit dem Internet verbunden sind. Bei dem “Quantum” genannten Verfahren werden kleinste Schaltkreise auf die Platinen von Computern oder innerhalb von USB-Anschlüssen implantiert, die eine Funkverbindung mit einer mobilen Empfangsstation aufbauen können.

Funkverbindung über zwölf Kilometer

Die mobile Empfangsstation kann in einer Entfernung von bis zu acht Meilen (12,8 Kilometer) platziert werden. Sie hat in etwa die Dimensionen einer größeren Aktentasche und erlaubt das Senden und Empfangen von Daten. So kann ein infizierter Computer nicht nur ausspioniert, sondern auch manipuliert werden. Das im Computer implantierte Modul muss entweder noch vor Auslieferung installiert werden oder vor Ort durch einen Spion angebracht werden.

Angewendet wurde die “Quantum”-Methode rund um die Welt. Hauptangriffsziel war dabei das chinesische Militär und seine Cyber-Einsatztruppe, aber auch Russlands Militär, mexikanische Drogenkartelle, europäische Handelsinstitutionen, Saudiarabien, Indien und Pakistan wurden auf die beschriebene Weise ausspioniert. Gegenüber der New York Times gab die NSA keinen Hinweis auf den wahren Umfang des “Quantum”-Programms an. Einzig der Hinweis, dass es nicht vergleichbar mit chinesischen Aktivitäten wäre, ließ sich der Geheimdienst entlocken.

Nur im Ausland angewendet

Wie bei vorangegangenen Enthüllungen besteht die NSA darauf, dass Quantum nicht willkürlich, sondern nur bei speziellen Zielen zum Einsatz kommt - und das ausschließlich im Ausland. Außerdem gebe man US-Unternehmen keinerlei Handelsgeheimnisse weiter, die man mit “Quantum” in Erfahrung gebracht hätte - ein weiterer Fingerzeig gegen China, den Hauptgegner der USA im Cyberkrieg, wo staatliche Organisationen angeblich eng mit Privatunternehmen zusammenarbeiten.

Richtungsstreit

US-Präsident Barack Obama hat unterdessen für Freitag eine Verlautbarung angekündigt, in der bekanntgegeben werden soll, welche Empfehlungen eines Beraterstabs zur Änderung der NSA-Praktiken er annehmen will. Die Berater stimmen mit Firmenchefs aus dem Silicon Valley darin überein, dass die NSA-Techniken das Vertrauen von Konsumenten in US-Produkte unterminieren. Obamas Beraterteam schlägt daher unter anderem vor, der NSA das Ausnützen technischer Lücken in weitverbreiteter Software zu verbieten.

Außerdem schlägt das Beraterteam vor, dass küftige Überwachungsmaßnahmen vorab von einer unabhängigen Behörde genehmigt werden müssen. Richter des Geheim-Überwachungs-Gerichts lehnen diese Änderungen allerdings ab, berichtet die "Washington Post". Die Vorschläge aus dem Weißen Haus würden den Arbeitsaufwand des Gerichts signifikant erhöhen und seine Effektivität schwächen. Außerdem stellen sich die Richter gegen das vorgeschlagene Ende der massenhaften Datensammlung bei Telefongesprächen von US-Bürgern.

Protesttag

Unterdessen rufen Bürgerrechtsorganisationen und IT-Unternehmen zum weltweiten Aufstand gegen Geheimdienst-Überwachung auf. Am 11. Februar soll ein Protesttag unter dem Motto "The Day We Fight Back" stattfinden.