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Deutschland
09/05/2011

Offener Brief: Google+ soll Pseudonyme zulassen

Eine Gruppe von 28 Netzaktivisten und deutschen Bundestagsabgeordneten hat Google in einem Offenen Brief aufgefordert, die Bestimmungen für sein Online-NetzwerkGoogle+ zu ändern und die Verwendung von Pseudonymen zuzulassen.

Die freie Meinungsäußerung ohne Angst vor Ächtung oder Nachteilen sei „essentiell für die freie Meinungsbildung in einer Demokratie“, heißt es in dem am Montag veröffentlichten Brief an Google-Europachef Philipp Schindler. Auch in der Realität würden sich Menschen zunächst ohne Namensnennung begegnen und erst dann einander dann vorstellen, „wenn sie selbst es für geboten halten“. Schließlich biete ein Pseudonym den Bürgern totalitärer Staaten auch Schutz vor Repressionen.

Die Unterzeichner weisen Google auf das deutsche Telemediengesetz (TMG) hin, wonach die Nutzung von Internet-Diensten "grundsätzlich nicht an die Verwendung des echten Namens und auch nicht an einen Rufnamen gekoppelt sein soll, sondern pseudonym zu ermöglichen ist".

Der Offene Brief geht auf eine Initiative des Hamburger Unternehmers Christoph Kappes zurück. Zu den Erstunterzeichnern gehören die Bundestagsabgeordneten Dorothee Bär (CSU), Peter Tauber (CDU), Manuel Höferlin (FDP), Jimmy Schulz (FDP), Lars Klingbeil (SPD) und Konstantin von Notz (Grüne) sowie Netzakteure wie Markus Beckedahl, Peter Glaser, Lars Hinrich, Jürgen Kuri, Sascha Lobo und Christiane Schulzki-Haddouti.

Intensive Debatte
Mit dem Start von Google+ wurde die

neu entfacht. Ausschlaggebend war die vorrübergehende Verbannung des Schauspielers William Shatner von Google+, nachdem sich dieser unter dem Namen "Captain Kirk" (seine bekannteste Rolle) ein Profil angelegt hatte. In der Debatte stehen, grob gesagt, Politik und Wirtschaft Datenschützern und Bürgerrechtlern gegenüber. Die einen wollen das Online-Verhalten ihrer Bürger stärker kontrollieren und Profit aus gezielter Werbung schlagen, die anderen treten für Privatsphären-Schutz, Meinungsfreiheit und Provokation ein.

Eric Schmidt für echten Identitätsausweis


Googles Ex-CEO Eric Schmidt zählt sicherlich nicht zu letzterer Gruppe. Er hat erst vor wenigen Tagen
bei Google+ bezogen. Die Angabe des richtigen Namens in Googles Online-Netzwerk sei für die Entwicklung von künftigen Produkten maßgeblich und von Anfang an so geplant gewesen. Abgesehen davon befürworte Schmidt die Kennzeichnung der Identität von Personen: "Das Internet wäre besser, wenn wir wüssten, dass es sich um reale Personen und nicht um Hunde oder gefälschte Personen handeln würde", wird er vom US-Journalisten Andrew Carvin zitiert.

Am 20. August startete Google+ mit der Einführung von

für Prominente. Damit kann die Echtheit von Personen, die in einer großer Anzahl von Circles anderer Google+-Nutzer auftauchen, bestätigt werden. Dieses Vorgehen wird auch bei Twitter eingesetzt, wo verifizierte Profile dafür sorgen, echte Stars von falschen zu unterscheiden und damit die Qualität der Netzwerk-Benutzung zu erhöhen.

Update:
Google-Sprecher Kay Oberbeck erklärte zu den Forderungen der Unterzeichner, die Angabe des Gebrauchsnamens erleichtere es Freunden, Familienmitgliedern, Klassenkameraden, Kollegen und anderen Bekanntschaften, einen Nutzer in dem Netzwerk zu finden. „Wir schätzen es sehr, dass Google+ eine derartige Leidenschaft wie auch in diesem Fall hervorruft“, fügte der Sprecher hinzu. Die Plattform befinde sich noch in der Testphase. Daher nehme Google „das Feedback unserer Nutzer sehr ernst, um zu erkennen, wo wir gegebenenfalls angemessene Verbesserungen vornehmen können“.

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