Netzpolitik
04.06.2013

Open Data: Mehr Nachhaltigkeit gefordert

Zwei Jahre nach dem offiziellen Start der Open-Data-Plattform in Wien ist die Stadt österreichweit immer noch Spitzenreiter, was die verfügbaren Datensätze und Anwendungen betrifft. Aber auch andere Städte und Gemeinden wie Linz, Graz oder die oberösterreichische Gemeinde Engerwitzdorf können mit Open-Data-Erfolgen aufwarten. Probleme sieht der Verantwortliche der Wiener Open-Data-Strategie, Johann Mittheisz, allerdings noch in der Nachhaltigkeit der Projekte.

„Dass wir es allein in Wien auf mittlerweile 170 veröffentlichte Datensätze und 84 Anwendungen bringen, ist eine tolle Sache. In einem nächsten Schritt müssen wir uns aber noch stärker darum kümmern, dass einmal geschaffene Anwendungen auch nachhaltig betreut werden“, meinte Mittheisz im Rahmen einer vom Future Network veranstalteten Konferenz zum Thema E-Government am Montag in Wien.

Junge Community
Mittheisz zufolge umfasse die Entwickler-Community in Wien etwa 200-300 Leute, der überwiegende Teil sei zwischen 18 und 35 Jahre alt und zu 80 Prozent männlich. „Das Interesse ist groß, oft wird allerdings experimentell eine App aus den Daten entwickelt, einfach um zu sehen, ob und wie das funktioniert. Danach wird die Anwendung oftmals sich selbst überlassen“, so Mittheisz. Für die Wirtschaft seien jedoch nachhaltigere Use- und Business-Cases notwendig. Eine im Auftrag der Stadt Wien von der Donau-Universität Krems durchgeführte Studie kam jüngst ebenfalls

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Dass die Aufbereitung der Daten mittels Anwendungen und Services von Usern durchaus auch vergütet werden sollen, widerspreche dem Gedanken von der kostenlosen Bereitstellung von Open Data keineswegs. „User sind immer bereit für eine gut gemachte App zu zahlen, wenn sie dadurch einen Mehrwert bekommen und beispielsweise nachsehen können, wie gerade ein Parkplatz frei ist und wie viel der kostet“, weist Mittheisz auf mögliche Geschäftsmodelle hin.

Das Beispiel der 8000-Einwohner-Gemeinde Engerwitzdorf zeige zudem, dass spannende Anwendungen nicht auf Großstädte beschränkt seien: „Open Government wirkt da, wo es Bevölkerung und aktiv teilnehmende Personen gibt. Daher gibt es die größten Erfolge vor allem auf Stadt- und Gemeindeebene, und nicht bei den Ländern oder gar im Bund“, ist Mittheisz überzeugt. Weitere Synergien will die Stadt allerdings durch die Zusammenarbeit mit anderen Städten, Bund und Gemeinden auf dem übergeordneten Portal data.gv.at erzielen. In ein paar Wochen soll zudem auch das Open-Government-Data-Portal der Stadt Wien in völlig neuem Glanz erstrahlen.

Nachholbedarf bei E-Government-Gestaltung
Eine noch bessere Bedienerfreundlichkeit für das E-Government-Angebot in Österreich wünschte sich Alexander Szlezak, Geschäftsführer des CMS-Herstellers Gentics: „In Österreich haben wir leider immer noch ein sehr dienststellen- und amtszentriertes Angebot, die einfache Bedienbarkeit für User steht nicht im Mittelpunkt.“

In Hinblick auf das unterschiedlich gestaltete E-Government-Angebot des Bundes und vieler Gebietskörperschaften forderte Szlezak einen vereinheitlichten Auftritt mit einheitlicher Bedienung. „Aus User-Sicht ist nicht einzusehen, dass man bei jedem E-Government-Dienst eine neue Bedienung lernen muss“, so Szlezak. Im Vergleich zu den USA seien auch zu wenige Interaktionsmöglichkeiten vorgesehen, um etwa bei außerordentlichen Ereignissen wie beim aktuellen Hochwasser den Dialog zwischen Behörden und Bevölkerung zu fördern.

154.000 User mit Handysignatur
Auch das Thema elektronische ID stand auf dem E-Government-Kongress auf der Tagesordnung. Wie Peter Reichstädter vom Bundeskanzleramt mit aktuellen Zahlen unterstrich, dürfte dabei das Smartphone als entsprechendes Hilfsmittel das Rennen machen. Während die Bürgerkarte in Karten-Format inklusive Kartenlesegerät bei etwa 76.000 aktiven Usern stagniere, erfahre die Handysignatur zwischen 8.000 und 14.000 neue User monatlich. Laut Reichstädter nutzen mittlerweile 154.000 Personen in Österreich diese Möglichkeit, um sich bei ihrer Steuererklärung online auszuweisen.

Als Herausforderung gelte in den kommenden Jahren, dass auf EU-Ebene die Interoperabilität zwischen elektronischen IDs und Dokumenten gewährleistet werden könne. Setze sich auf EU-Ebene – nicht zuletzt durch entsprechende gesetzliche Vorgaben – eine gemeinsame eID-Lösung durch, wäre damit auch eine digitale Ausweismöglichkeit geschaffen, die für kommerzielle Betreiber interessant werden könnte und als Alternative zu Facebook- oder Microsoft-Log-in in Frage komme.

Alternative zum Facebook-Log-in
„Der Vorteil von eID-Lösungen wie der österreichischen Handysignatur ist, dass die Funktionalität der Anwendung und die Technologie, welche die sichere Identifizierung gewährleistet, völlig voneinander getrennt sind“, erklärt Reichstädter auf Nachfrage der futurezone. Anders als bei kommerziellen Anbietern wie Google, Facebook oder Microsoft können folglich keine inhaltlichen Verknüpfungen hergestellt werden, die ein umfassendes Userprofil ergeben. Laut Reichstädter kann die Handysignatur schon heute auch von E-Government-fernen Anbietern aus der Wirtschaft für die Anmeldung bei Applikationen und entsprechenden Services genutzt werden.

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