Netzpolitik
26.06.2018

Orlando stoppt Tests mit Gesichtserkennungssoftware von Amazon

© Bild: Getty Images/iStockphoto / chombosan/IStockphoto.com

Auch Amazon-Mitarbeiter haben gegen den Einsatz der umstrittenen Gesichtserkennungssoftware bei der Polizei protestiert.

Amazons Gesichtserkennung Rekognition ermöglicht es, Städte in Echtzeit zu überwachen. Doch zuletzt war es zu massiven Protesten der Amazon-Belegschaft gekommen, die Jeff Bezos aufgefordert hatten, aufzuhören, die Gesichtserkennungssoftware an Polizei und Spione zu verkaufen und mit dem Datenanalyse-System von Palantir zu verknüpfen. „Wir wollen keine Plattformen bauen, die gegen Menschenrechte verstoßen“, heißt es in dem Brief der Mitarbeiter.

Orlando hat nun als erste Stadt aufgehört, das Gesichtserkennungsprogramm von Amazon zu testen, nachdem die Verträge mit Amazon ausgelaufen waren. Die Stadt in Florida beendete letzte Woche ein Pilotprogramm mit Rekognition

"Datenschutzgesetze eingehalten"

"Partnerschaft mit innovativen Unternehmen, um neue Technologien zu testen - während wir auch sicherstellen, dass wir die Datenschutzgesetze einhalten und in keiner Weise die Rechte anderer verletzen - ist für uns entscheidend. Sie halten auch unsere Gemeinschaft sicher", heißt es in einer gemeinsamen Erklärung der Stadt Orlando und der Polizei. Amazon konnte für einen Kommentar vorerst nicht erreicht werden.

Orlando war eine der ersten Städte gewesen, in denen Rekognition getestet wurde, um die öffentliche Sicherheit zu erhöhen. Letzten Monat hatten rund 40 zivilrechtliche Gruppen einen Brief an Jeff Bezos gesandt, dass derartige Technologien missbraucht werden können. Auch die einflussreiche US-Bürgerrechtsorganisation ACLU  hatte Amazon eindringlich aufgefordert, seine Gesichtserkennungstechnologie nicht mehr den Strafverfolgungsbehörden zur Verfügung zu stellen.

Während des Tests in Orlando soll die Software nicht bei einer Polizei-Untersuchung zum Einsatz gekommen sein, heißt es in einem Medienbericht.

Erfassung in Datenbanken

2016 hatte eine Untersuchung der Georgetown University in Washington ergeben, dass in den USA jeder zweite Erwachsene, also 117 Millionen Menschen, in Gesichtserkennungsdatenbanken der Strafverfolgungsbehörden auftauchen - meist ohne ihr Wissen und ohne klare Regelung für die Speicherung dieser Daten. Die Wissenschaftler warnten, die Anwendung dieser Technologie ohne Verdachtsmomente könne die in der Verfassung garantierte Meinungs- und Versammlungsfreiheit gefährden.