Netzpolitik
11.07.2018

Polizei: 30.000 Euro für Nachwuchs-Suche im Netz

Das Rekrutieren ist der Polizei im Netz etwas wert: Das Budget für gezielte Werbeeinschaltungen ist höher als in anderen Ministerien.

Die Polizei sucht seit einiger Zeit intensiv nach Nachwuchs. Bis zu 4100 neue Polizisten sollen in den nächsten Jahren eingestellt werden. Die Rekrutierung neuer Beamte findet dabei nicht nur offline wie etwa am Frequency Festival, bei der X-Jam-Maturareise in Kroatien, oder bei sogenannten „Recruiting Days“, sondern auch im Netz statt.

Wie Christoph Pölzl, Ressortsprecher des Innenministeriums, auf futurezone-Anfrage mitteilt, wurden 2017 etwa 30.000 Euro für „Targeted Advertising“, also zielgerichtete Werbung, für „Recruiting“ ausgegeben. Dazu wurden „unterschiedliche Maßnahmen“ quer durch die Social-Media-Kanäle des BMI mit Videos und Grafiken eingesetzt. Beim „Targeted Advertising“ werden bestimmte Nutzergruppen gezielt angesprochen und über mehrere Plattformen verfolgt. Erst vor wenigen Tagen schaltete die Polizei etwa eine entsprechende Recruiting-Anzeige auf Facebook für einen Event in Feldkirch.

Zudem kamen Display- und Videoanzeigen zum Einsatz, die über Google AdSense geschalten wurden. Das bedeutet, dass die geschaltete Werbe-Anzeige automatisch auf verschiedenen Internetseiten oder in mobilen Apps angezeigt und ausgespielt wird – und zwar ebenfalls zielgruppendefiniert.

Problematische Anzeige in Troll-Forum

Hier kam es wie berichtet vor wenigen Tagen zu einer problematischen Ausspielung eines Recruiting-Sujets. Die Polizei-Anzeige „Deine 60 Sekunden laufen jetzt! Bewirb dich! Polizei.“ poppte auf, als ein Nutzer gerade einen Beitrag mit dem Titel „Girls you wanna rape“ („Mädchen, die du vergewaltigen willst“) im berühmten Troll-Forum 4Chan las. 4Chan wurde nach Bekanntwerden dieses Vorfalls manuell auf eine Blacklist gesetzt, wie Pölzl gegenüber der futurezone bestätigt.

Der betroffene User hatte auf dem Internet-Forum Reddit getitelt: „Die Polizei schaltet Werbung auf 4Chan’s /b/. Die kennen ihre Zielgruppe.“ Diese Feststellung dementiert das BMI: „Der Inhalt der Werbeanzeige richtet sich nicht nach der gerade aufgerufenen Website, sondern ausschließlich nach dem Surfverhalten des Nutzers. Ein Zusammenhang zwischen den sichtbaren Bildern und der Polizeiwerbung ist damit auszuschließen.“

Keine direkten Zahlungen

Problematisch ist die Ausspielung einer derartigen Werbe-Anzeige in einem entsprechenden Forum trotzdem, weil diese Plattform mit dem Vergewaltigungsinhalt dafür vom Werbenetzwerk Geld bekommt. Pro ausgespielter Werbung zahlt das Werbenetzwerk dem Seitenbetreiber eine Summe. Die Aussage des BMI, dass es „keinerlei Zahlungen“ an 4Chan gegeben habe, stimmt somit nur mit dem Zusatz, dass es keinerlei *direkte* Zahlungen an die Troll-Plattform gegeben hat.

„Das BMI wirbt nicht auf 4chan.org. Das BMI wirbt nur auf Webseiten und auf Youtube mit ausgeschlossenen Inhalten“, präzisiert Pölzl. Sensible Inhalte, die ausgeschlossen werden, würden dabei „sehr sorgfältig“ definiert, heißt es. Als Beispiele nennt das BMI hier: Konflikte, Katastrophen, sensible soziale Themen, obszöne oder grobe Ausdrucksweise, sexuell anzügliche, aufsehenerregende und schockierende Inhalte. „Es kann jedoch vorkommen, dass nicht alle entsprechenden Inhalte vom Ausschluss erfasst werden.“

Hohes Budget

Mit 30.000 Euro Budget im Jahr 2017 ist das Recruiting der Polizei im Netz äußerst hoch dotiert. Andere Ministerien gaben gegenüber der futurezone an, für " Targeted Advertising" rund 7000 Euro pro Jahr an Budget verwendet zu haben. Doch auch in Medien wirbt die Polizei um Nachwuchs: Erst vor ein Tagen berichtete etwa das „Profil“, dass das Innenministerium in der rechten Zeitung „Wochenblick“ seit dem Amtsantritt von Innenminister Herbert Kickl (FPÖ) rund 19.000 Euro inseriert hatte, um damit neue Polizeischüler zu rekrutieren.