Netzpolitik
19.03.2013

"Potenzial von Open Data noch nicht erschöpft"

Apps für Bürgeranliegen gibt es in Österreich bereits in einigen Regionen. Auch Bürgerinitiativen kann man online abrufen. Doch die Open Government-Lösungen sind noch nicht umfassend vernetzt. Das Fraunhofer Institut Fokus hat auf der CeBIT ein Konzept von Open Government für moderne Verwaltungen vorgestellt, das ebendiese Vernetzung vorsieht.

Mit der "Mach mit!"-App für iPhone, Android und Windows Phone können Bürger Meldungen über Mängel oder Missstände, wie Schlaglöcher, unbürokratisch und rasch an Ihre Gemeinde melden. Für Wien wird das Kartenmaterial der Stadt Wien über die Stadtplan-Schnittstelle angeboten. Die Hinweise werden von der App an die Wiener Stadtverwaltung übergeben.

Auch die App Buergermeldungen.com aus Tirol, die vor kurzem beim Staatspreis in der Kategorie "E-Government" ausgezeichnet wurde, bietet ähnliches an. Sie ermöglicht es Bewohnern einfach und bequem, Probleme in ihrer Umgebung an die zuständigen Behörden weiterzuleiten. "Der Einsatz von buergermeldungen.com ist eine interessante Möglichkeit für Städte und Gemeinden, die Kommunikation mit den Bürgern zu vereinfachen und die Mängelbehebung (Mängelmelder) und das Anliegenmanagement im öffentlichen Raum zu beschleunigen", heißt es dazu seitens der Entwickler. Die Karte, auf der die Meldungen zu sehen sind, basiert auf OpenStreetMap.

Apps nur der erste Schritt
Das Fraunhofer Institut Fokus hat in Deutschland mit "Fix My City" eine ähnliche Anwendung entwickelt, über die man Anliegen und Beschwerden melden kann - etwa, wenn an der Hauswand ein Graffiti zu sehen ist oder im Park die WLAN-Anbindung fehlt. Über die Webkartenansicht haben Bürger und Verwaltungsmitarbeiter einen Überblick über aktuelle Meldungen und ihren Bearbeitungsstatus. Zusätzlich wird der Bürger, der eine Meldung gemacht hat, wenn er möchte regelmäßig per E-Mail über den Bearbeitungsstand informiert. "Doch mit derartigen Apps sind die Potenziale von Open Government noch lange nicht ausgeschöpft", erklärt Lena-Sophie Müller von Fraunhofer im futurezone-Gespräch.

Vernetzung der offenen Daten
Statt dass nach einer Meldung einfach "Schluss" ist und der Bürger bestenfalls Feedback darüber bekommt, wenn ein entstandener Schaden repariert ist, könnte man die offenen Daten nicht nur mit Karten verknüpfen, sondern beispielsweise auch mit Bürgerinitiativen und Petitionen. In Österreich sind sämtliche Initiativen und Petitionen auf der Website des Parlaments abrufbar und können per Mausklick unterstützt werden. In einer Demo von Fraunhofer Fokus auf der CeBIT wurde gezeigt, wie man derartige PDF-Dateien von Bürgerinitiativen mit entsprechenden Bürgeranliegen, die via App gemeldet wurden, verknüpfen kann.

"Es wäre von Vorteil, wenn man alle Dokumente, die man braucht, um sich fundiert über ein Thema zu informieren, auf einen Fleck zusammengefasst hat", sagt Müller. Bei der Demo geschieht dies mit der Open Source-Software Liquid Feedback, die "exemplarisch" gewählt und leicht modifiziert wurde. Dafür wird der Bestand der offenen Daten durchsucht.

"Informationen müssen gebündelt zur Verfügung stehen"
Führt der Diskussions- und Entscheidungsprozess zu Ergebnissen, wird der Bearbeitungsstand der Meldungen geändert - und zwar nicht nur an ihrem Ursprungsort (wie z.B. der Parlamentswebsite), sondern auch direkt dort, wo sich der Nutzer gerade aufhält und von der Diskussion erfahren hat. "Bürger sollten fundierte Informationen zur Verfügung haben. Diese Infos müssen gebündelt zur Verfügung stehen", wünscht sich Müller als nächsten Schritt bei Open Government Data.

Doch nicht nur Bürger würden davon profitieren, sondern auch Entscheidungsträger. Die Meldungen, die via App eingehen, können über ein Informations-Cockpit aufbereitet werden, je nach Geografie, Thema oder Monat geordnet. Entscheider würden dadurch ein Meinungsbild bekommen und sie könnten auch gemeinsam mit Betroffenen Lösungen diskutieren und über Entscheidungsvorlagen abstimmen lassen. "Es wäre wichtig, dass einzelne Baustellen zusammengeführt und an relevanten Stellen eingebracht werden", so Müller. Ein Konzept, das auch im fortschrittlichen E-Government-Staat Österreich großes Potenzial hätte.

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