Netzpolitik
26.06.2017

Russische Behörden drohen mit Sperre von Telegram

Laut dem FSB haben sich Terroristen über den verschlüsselten Messenger ausgetauscht. Die Behörden fordern nun uneingeschränkten Zugriff, ansonsten droht ein Verbot.

Die russischen Behörden verlangen ultimativ Zugang zu dem Chatdienst Telegram, weil er angeblich von Terroristen genutzt wird. Der russische Telegram-Gründer Pawel Durow weigert sich aber, den Sicherheitskräften Zugriff auf die Verschlüsselung einzuräumen. Weltweit hat der Instant-Messaging-Dienst etwa 100 Millionen Nutzer.

Weil von Terroristen genutzt

Die Ermittlungen zum Bombenanschlag in St. Petersburg mit 16 Toten Anfang April hätten ergeben, dass sich der Selbstmordattentäter, seine Komplizen wie die Drahtzieher im Ausland über Telegram ausgetauscht hätten. Das schrieb der russische Inlandsgeheimdienst FSB in einer Mitteilung vom Montag in Moskau. "Die Mitglieder internationaler terroristischer Organisationen auf dem Gebiet der Russischen Föderation nutzen am häufigsten den Messenger Telegram."

Der Leiter der russischen Aufsichtsbehörde Roskomnadsor, Andrej Scharow, drohte Durow schon vergangene Woche, dass Telegram binnen weniger Tage blockiert werde, wenn er nicht einlenke.

Kritik an Vorgehen

"Wenn man den Terrorismus mit Sperrungen besiegen will, muss man das gesamte Internet sperren", reagierte Durow am Montag im russischen sozialen Netzwerk VKontakte. Heutzutage liege die Verschlüsselung nicht mehr bei den Betreibern der Chatdienste, sondern bei den einzelnen Nutzern. Die Brüder Pawel und Nikolai Durow hatten 2006 auch das populäre VKontakte gegründet, das 2014 unter Kontrolle des kremlfreundlichen Oligarchen Alischer Usmanow kam.