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Überwachung
08/22/2013

USA: Gesichtserkennung aus bis zu 100 Metern

Wie die "New York Times" berichtet, hat der US-Heimatschutz ein Projekt namens BOSS mit 5,12 Millionen US-Dollar gefördert. Das System soll mittels 3D-Aufnahmen Gesichter aus bis zu 100 Metern erfassen und mit einer Datenbank gesuchter Personen abgleichen.

Wie die New York Times berichtet, hat der US-Heimatschutz eine neue Überwachungs-Technologie getestet. Dies geht aus einem 67-seitigen Dokument hervor. Das Projekt BOSS, kurz für „Biometric Optical Surveillance System", wurde mit 5,12 Millionen US-Dollar gefördert. Hersteller ist das US-Rüstungsunternehmen Electronic Warfare Associates.

Das System besteht aus zwei Türmen, auf denen Kameras, Infrarotsensoren und Distanzmesser installiert sind. Es werden gleichzeitig zwei Aufnahmen eines Gesichts, aus zwei verschiedenen Winkeln, gemacht. Daraus errechnet ein Computer eine „3D-Signatur", wie etwa die Distanz zwischen Gesichtsmerkmalen oder Größenverhältnisse. Diese werden dann mit Fotos einer Datenbank abgeglichen, die Gesichter von unter Beobachtung stehenden Personen enthält.

90 Prozent Trefferquote
Das System soll Menschen aus bis zu 100 Metern Entfernung erkennen. Aus den Unterlagen geht hervor, dass die Erfolgsquote für diese Entfernung bei 60 bis 70 Prozent liegt. Unterschiedliche Lichtsituationen und Schattenwurf sollen BOSS noch Schwierigkeiten bereiten – auf kürzeren Distanzen läge die erfolgreiche Erkennung bei 80 bis 90 Prozent.

Der US-Heimatschutz hat sich nach den bisherigen Tests gegen den Einsatz von BOSS ausgesprochen, das System solle noch weiter verbessert werden. Electronic Warfare hat vor, BOSS weiter zu entwickeln. Der Hersteller betont die bereits erzielten Fortschritte in der zweijährigen Entwicklungsphase. Anfangs hätte der Computer 6 bis 8 Minuten zur Verarbeitung einer Gesichtsaufnahme gebraucht, jetzt seien es nur noch 30 Sekunden. Mit der immer steigenden Rechenleistung soll diese Zeit weiter reduziert werden.

Serienreife in frühestens fünf Jahren
Datenschützer rechnen damit, dass das System in frühestens fünf Jahren Serienreife erlangt. Dennoch sehen sie BOSS als eine bedenkliche Entwicklung. Bereits jetzt werden in den USA Scanner eingesetzt, die bis zu 60 Kennzeichen pro Sekunde speichern und mit einer Liste als gestohlen gemeldeter Autos abgleichen. Laut Ars Technica werden aber nicht nur die Daten von gestohlenen Autos erfasst, sondern in einigen Fällen alle gescannten Kennzeichen mit Datum, Uhrzeit und Ort abgespeichert. Ähnliches könnte zukünftig mit Personen möglich sein, sollte BOSS weiterentwickelt und eingesetzt werden.

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