Netzpolitik
07.06.2013

Wiener Linien: Lizenz für Datenfreigabe unklar

Die Entscheidung der Wiener Linien, Fahrplan- und Echtzeitdaten im Rahmen der Open Government Data Initiative der Stadt Wien bereitzustellen, ist von der heimischen Entwickler- und Open-Data-Community sehr positiv aufgenommen. Eine der offenen Fragen betrifft allerdings die Lizenz, unter der die Daten freigegeben werden.

Den Fahrplan, wann die Daten bereitgestellt werden, haben die Wiener Linien bereits verkündet (die futurezone

). So sollen Anfang Sommer zunächst Geo- und Statistikdaten freigegeben werden, die begehrten Echtzeit- und Fahrplandaten folgen im September. Noch nicht entschieden ist laut Wiener Linien allerdings die Lizenzierung. Diese gibt allerdings vor, ob die Daten auch kommerziell weiterverwendet werden dürfen, etwa für kostenpflichtige Apps oder Apps, die sich teilweise über Werbung finanzieren.

Problematisch für App-Entwickler
Bei der Initiative „Offene Öffis“, die sich für die Freigabe der Wiener Öffi-Daten als Open Data einsetzt, hofft man indessen, dass die Datensätze unter der in Österreich bewährten Lizenz Creative Commons Namensnennung 3.0 Österreich bereitgestellt werden. Diese besagt im Wesentlichen, dass die Daten bei Namensnennung des Autors oder Rechteinhabers – in diesem Fall der Wiener Linien – verwendet und auch kommerziell genutzt werden dürfen. Praktisch alle Datensätze der Open Government Initiative (OGD) der Stadt Wien greifen auf die besagte Lizenz zurück.

„Ein Ausschluss von kommerzieller Nutzung würde auch Apps wie Lili und Wann für Wien nicht möglich machen, da diese zwar für die Wiener Linien Kunden kostenlos sind, aber über Werbebanner finanziert werden. Auch die von den Wiener Linien-Kunden oft gewünschte Integration der Daten in Google Maps wäre dadurch rechtlich nicht möglich“, halten die „Offene Öffis“-Initiatoren auf ihrer Homepage fest. Vielmehr kommen sie zu dem Schluss, dass Daten die in der Weiterverwendung eingeschränkt sind, nicht „Open“ im Sinne der Open Government Data Initiative der Stadt Wien wären.

Wiener Linien bitten um Geduld
Bei den Wiener Linien mag man die von der Community geäußerten Befürchtungen nicht teilen. „Wir agieren im Zuge der Datenfreigabe sehr transparent und stehen in gutem Kontakt zur Community, müssen aber noch die rechtlichen Fragen bis Sommer klären“, sagt Answer Lang, Sprecher der Wiener Linien, auf Nachfrage der futurezone. Ein Schielen nach Deutschland, wo einige Datenfreigaben die kommerzielle Nutzung ausschließen, stellte Lang in Abrede. „Wir haben uns der OGD-Initiative der Stadt Wien verpflichtet“, so Lang, der um ein wenig Geduld für die Klärung der offenen Fragen rund um die Datenbereitstellung und folglich auch der Lizenz bat.

Ob ein Ausschluss der kommerziellen Nutzung überhaupt im Sinne der Stadt Wien wäre, ist ohnehin fraglich. So

der Verantwortliche der Wiener Open-Data-Strategie, Johann Mittheisz, erst vor wenigen Tagen das wirtschaftliche Potenzial von Open-Data-Anwendungen. Um die Nachhaltigkeit von Projekten zu gewährleisten, spreche nichts dagegen, wenn Entwickler entsprechende Apps auch kostenpflichtig bereitstellen. Dem Gedanken von der kostenlosen Bereitstellung von Open Data widerspreche dies keineswegs.

"Keine andere Lizenz notwendig"
Auf Nachfrage der futurezone sieht Mittheisz derzeit auch keine Notwendigkeit, dass im Fall der Wiener Linien eine andere als die erprobte Lizenz zum Einsatz komme. "Dass es für die Wiener Linien wichtig ist, nach Freigabe der Daten einen intensiven Informations- und Kommunikationsaustausch zu potenziellen Partnern wie etwa App-Entwicklern zu habe, ist nachvollziehbar. Schließlich geht es ja auch darum, die Qualität von Kunden-Services zu gewährleisten. Gleichzeitig sehe ich keinen Grund, warum dies nicht mit der Freigabe der Daten nach der besagten 3.0-Lizenz möglich sein soll", so Mittheisz gegenüber der futurezone. Zu einem späteren Zeitpunkt könne man aber sicher auch über eine sinnvolle Weiterentwicklung der Lizenz in eine 4.0-Version reden.

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