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15.11.2013

Acer Aspire R7 im Test: Gelenkiges Windows 8-Notebook

Mit seinem Zwei-Scharnier-Konzept hat Acer eines der ungewöhnlichsten Windows 8-Notebooks im Angebot. Die futurezone hat das vielfältige Notebook dem Alltags-Test unterzogen.

So umstritten Windows 8 (.1) auch sein mag, es hat zweifelsohne die Kreativität der Laptop- und Tablet-Branche beflügelt. Das nun auf Touch-Bedienung optimierte Betriebssystem zwang sowohl Hersteller als auch Konsumenten zum Umdenken. Das hatte mitunter auch sein Gutes, denn während in den vergangenen Jahren mit Ultrabook und Netbook lediglich zwei neue Formfaktoren ihren Weg auf den Markt fanden, kam im Vorjahr eine regelrechte Flut daher. Dabei gab es einige clevere Ideen, aber auch schräge Modelle, die eher für Frust sorgen dürften. Zu den wohl ungewöhnlichsten Vertretern seiner Zunft zählt das Acer Aspire R7, das mit einem cleveren Zwei-Scharnier-Prinzip versucht, dem Nutzer die Kontrolle über die Positionierung des Bildschirmes zu geben.

Während andere Windows 8-Laptops, wie zum Beispiel das Lenovo Ideapad Yoga, lediglich den Spielraum des bestehenden Scharniers erweiterten, hat Acer dieses komplett neu entwickelt und zweigeteilt. Dass dadurch auch Touchpad und Tastatur Platz tauschen mussten, wird dabei fast übersehen. Die futurezone hat versucht, den gelenkigen und recht schweren Laptop in jeder erdenklichen Position zu testen.

Kunststoff mit Metall verstärkt

Acer war bislang vor allem für Billig-Modelle bekannt, doch mit dem Ultrabook S7 gelang dem taiwanischen Hersteller im Vorjahr ein hochwertig verarbeitetes Modell für das Mittelklasse-Segment. Das gab Hoffnung, dass diese Enwicklung auch bei anderen Modellen fortgesetzt werden könnte. Im Gegensatz zum S7 kommt beim R7 aber leider kein Aluminium-Unibody zum Einsatz. Das Gehäuse wurde aus einem recht griffigen Kunststoff gefertigt, der in seiner Festigkeit allerdings einem Metall-Gehäuse um nichts nachsteht. Das Gehäuse gab an keiner Stelle nach und ist überaus steif. Zudem besitzt es gegenüber Aluminium den Vorteil, dass es nicht so stark anfällig für Kratzer und Schmierer ist. Optisch wurde versucht, zumindest den Schein von Aluminium zu wahren. Das gelingt auch recht gut - bis man das R7 anfasst.

Das Acer Aspire R7 in Bildern

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Acer Aspire R7

Acer Aspire R7

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Acer Aspire R7

Acer Aspire R7

Acer Aspire R7

Acer Aspire R7

Acer Aspire R7

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Acer Aspire R7

Acer Aspire R7

Acer Aspire R7

Acer Aspire R7

Acer Aspire R7

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Acer Aspire R7

Acer Aspire R7

Acer Aspire R7

Acer Aspire R7

Acer Aspire R7

Acer Aspire R7

Der beim R7 verwendete Kunststoff ist gewöhnungsbedürftig, vor allem wenn das Gerät im zusammengeklappten Zustand gehalten wird. Einerseits gibt die leicht aufgeraute Oberfläche besseren Halt, andererseits fühlt es sich unglücklicherweise recht billig an. Im Vergleich zu Apples MacBook-Modellen oder dem hauseigenen S7 schneidet das Convertible hier deutlich schlechter ab. Dass auf einen Unibody verzichtet wurde, hat allerdings auch sein Gutes. Denn dadurch lässt sich auch der Laptop öffnen und der Speicher sowie die Festplatte tauschen.

Das R7 versucht allerdings nicht einmal, ein Ultrabook zu sein. Es bringt ein recht stolzes Gewicht von 2,5 Kilogramm auf die Waage - selbst Acers günstigste Einsteiger-Laptops mit der selben Bildschirmdiagonale wiegen um rund 150 Gramm weniger. Auch die Dicke des Laptops ist mit insgesamt 28 Millimetern alles andere als schlank, allein die untere Hälfte ist 16 Millimeter dick. Dadurch macht sich das R7 unterwegs schnell in der Tasche oder dem Rucksack bemerkbar und nimmt einiges an Platz weg.

Mühsames Tippen

Der Schlitz an der Vorderseite zum Öffnen des Laptops wurde sehr breit ausgeführt, sodass sich das R7 aus jeder erdenklichen Position öffnen lässt. Dieser führt im Grunde genommen nur die Einbuchtung der Tastatur fort, die mit dem Touchpad Positionen getauscht hat und sich nun direkt an der Kante der Vorderseite befindet. So rückt die Tastatur näher an den Benutzer, das Touchpad gerät dafür aber fast außer Reichweite. Womöglich steckt dahinter die Idee, den Benutzer auf Touch-Bedienung umerziehen zu wollen, allerdings ist das dann ein eher kläglicher Versuch. Auf der von Acer gewählten Position ist das Touchpad zwar nur schwer verwendbar, da man dabei des öfteren versehentlich Tasten betätigt, aber das wirft im Grunde genommen lediglich die Frage auf: Wieso nicht gleich komplett weglassen statt dem Nutzer ständig die “schlechte, alte Alternative” unter die Nase zu reiben?

Aber auch die Positionierung der Tastatur sorgt für Stirnrunzeln. Auf den Tisch gestellt ist es durchaus angenehm zu verwenden, da es nicht schlechter oder deutlich anders als eine herkömmliche Desktop-Tastatur verwendet werden kann. Zeitweise ist es sogar angenehmer, da man es eher gewohnt ist, mit den Handballen auf dem Tisch statt am Laptop zu tippen. Doch bei der Verwendung am Schoß stößt man auf Probleme. Die Positionierung sorgt dafür, dass die Arme sehr eng angelegt werden müssen. Das erschwert das Tippen und sorgt dann eher für Krämpfe im Handgelenk. Der Druckpunkt der Tastatur selbst ist gut, wenn auch zeitweise etwas hart. Dafür wurden die Tasten der Chiclet-Tastatur aber sehr präzise und steif ausgeführt, das Spiel ist minimal sodass beim nicht genauen Treffen der Taste in der Mitte die Eingabe dennoch präzise erfolgt. Lästig ist jedoch, dass keine LED verbaut wurde, die anzeigt, ob CapsLock aktiv ist.

Das Notebook-Kamasutra

Offiziell kennt das R7 vier verschiedene Positionen - Notebook, Ezel, Pad und Display - durch die recht starren Scharniere lässt sich das Notebook aber in nahezu jeder erdenklichen Position verwenden. Sei es als Tisch, um darauf Air Hockey zu spielen, oder aber als “Leinwand” für das Filmschauen im Bett. Einzige Einschränkung bei der “Tisch”-Position ist jedoch, dass ein Sensor im Bildschirm-Scharnier die Neigung überwacht und ab einem bestimmten Punkt den Bildschirminhalt dreht. Die weiteren Positionen, die von Acer vorgeschlagen werden, machen durchwegs Sinn, auch wenn wohl nur zwei davon tatsächlich des öfteren im Alltag Anwendung finden würden.

Einerseits der Laptop-Modus, bei dem das R7 wie jeder andere Laptop verwendet werden kann, andererseits der freie Ezel-Modus. Dieser erwies sich im Test als die deutlich bessere Alternative, da damit außer der Neigung des Bildschirms auch die Nähe zum Benutzer bestimmt werden kann. Die angenehmste Position war wohl jene, bei der der Bildschirm knapp vor der Tastatur angelegt wurde. Dadurch wird zwar das Touchpad verdeckt, aber das ist auch im Laptop-Modus keine allzu große Versuchung. Diese Position verleitete zeitweise sogar dazu, die Touch-Eingabe des Bildschirms tatsächlich zu nutzen. Der Tablet-Modus ist jedoch für ein Modell dieser Größe absurd. Es mag durchaus Sinn machen, in diesem Modus einer anderen Person etwas schnell zeigen zu wollen, beispielsweise ein Foto, aber beim Überreichen sollte man zur Sicherheit beide Hände zur Hilfe nehmen.

Denn das Gewicht von 2,5 Kilogramm könnte dabei nämlich so manchen Tablet-Nutzer überraschen. Der Display-Modus verfolgt hingegen die Idee, dass durch Drehen des Bildschirms dem Gegenüber schnell etwas gezeigt werden kann. Das kommt allerdings wohl eher selten vor. Der Modus erwies sich jedoch als “Leinwand” sehr gut verwendbar, da Tastatur und der Rest des Laptops vollkommen aus dem Blickfeld verschwinden und lediglich der Bildschirm in einer aufrechten Position sichtbar bleibt. Das macht diesen Modus für das Filmschauen nahezu ideal. Acer hat dafür auch auf der Rückseite Lautsprecher montiert, die mit einem durchaus ordentlichen Klang überzeugen können. Passend dazu findet sich an der Seite unter anderem auch ein Lautstärkeregler.

Das Anpassen der Position ist recht simpel möglich, wobei beim Verstellen des Scharniers spürbar wird, dass Acer besonderen Wert darauf gelegt hat, die richtige Einstellung für den Widerstand zu finden. Das Scharnier am Bildschirm ist hierfür gerade richtig und lässt sich einfach bewegen, bietet aber immer noch ausreichend Widerstand, um die Bedienung auch bei einer freien Positionierung zu erlauben. Das Scharnier am Laptop ist hingegen etwas schwerfällig und erfordert einen deutlich höheren Kraftaufwand. Die gummierten Füße an der Unterseite verhindern, dass der Laptop kippt, ein leichtes Rutschen findet aber dennoch statt. Dennoch muss die Verarbeitung des Scharnier-Systems hier positiv hervorgehoben werden. Statt eines simplen Stiftes halten hier hochwertige mechanische Bauteile, die zu einem cleveren Konzept zusammengeführt wurden, Bildschirm und Laptop-Komponenten beisammen.

Gute Mittelklasse

In puncto Hardware-Ausstattung regiert beim R7 der Durchschnitt. Das Testgerät war mit einem Intel Core i5-3337U ausgestattet, dessen beide Kerne mit je 1,8 GHz getaktet sind, mit Turbo Boost kann die Taktrate allerdings bei Bedarf auf bis zu 2,7 GHz hochgeschraubt werden. Mittlerweile hat aber auch Acer das R7 mit CPUs der Haswell-Reihe ausgestattet, die zwar an der Performance wenig ändern, aber die Laufzeit etwas in die Höhe schrauben dürften. Als Grafikkarte kommt eine Nvidia GT 750M zum Einsatz. Wird etwas weniger Leistung benötigt, schaltet der Laptop automatisch auf den im Prozessor integrierten Grafik-Chipsatz Intel HD 4000 um. Dieser hat zwar keine für Spiele ausreichende Leistung, ist im Vergleich aber deutlich effizienter und schont damit den Akku.

Im Inneren des Testgerätes war eine 750 Gigabyte-Festplatte verbaut, es gibt jedoch auch eine Variante mit 256 Gigabyte großer SSD. Auch bei der RAM-Bestückung gibt es die Wahl zwischen zwei Varianten mit vier oder acht Gigabyte. In Titeln wie Battlefield 3, Rome 2 sowie Crysis 2 schlug sich die Kombination aus Core i5 sowie GT 750M recht wacker, Spielen in Full HD-Qualität bei mittleren Einstellungen war problemlos möglich. Auch in den Benchmarks gab es durchwegs gute Ergebnisse, auch wenn man sich keine zukunftssichere Spiele-Maschine mit dem R7 erwarten sollte.

Cinebench 15: 42,52 fps (OpenGL), 183 cb (CPU)
PC Mark 8 (Home Accelerated): 2818 Punkte
3D Mark: 1839 Punkte

Bei GPU-lastigen Aufgaben war die Hitzeentwicklung teilweise recht hoch, auch wenn das durch das Kunststoffgehäuse sowie die Tatsache, dass die Handballen nicht auf dem Laptop abgelegt werden können, nicht wirklich auffiel. Die Hitze konzentrierte sich zudem auf den Bereich um das Touchpad, der ohnedies kaum zum Einsatz kommt. Am Schoß gab es ebenfalls keinerlei Probleme, da die Unterseite stets recht kühl blieb. Ein kleines Manko ist hingegen der Lüfter, der zeitweise auch bei Leerlauf recht laustark auf sich aufmerksam machte. Das geschah meist ohne erkennbaren Grund.

Acer setzt beim R7 auf ein 15,6 Zoll großes IPS-Display. Das macht sich sowohl in der hervorragenden Blickwinkel-Abhängigkeit sowie der angenehmen Farbgebung bemerkbar. Auch an der Auflösung sowie der Pixeldichte lässt sich mit 141 ppi nichts bemängeln, Schrift ist scharf und klar erkennbar. Lediglich die Helligkeit enttäuschte etwas, auch wenn das Bild in der höchsten Helligkeitsstufe im Freien ordentlich erkennbar ist. Die starken Spiegelungen ließen sich aber dennoch nicht ausgleichen.

Trotz einem Gewicht von 2,5 Kilogramm kann das R7 nur einen 54 Wh-Akku vorweisen. Dieser enttäuschte im Test, bei moderater Nutzung mit WLAN ließen sich lediglich knapp drei Stunden herauskitzeln. Die neuen Modelle mit Haswell-Prozessoren dürften wohl eine leichte Verbesserung mitbringen, dennoch hätte Acer sich hier um einen etwas größeren Akku oder Verbesserungen der Software bemühen können. Der Akku lässt sich zwar tauschen, aber das ist nur sehr umständlich möglich. Dazu muss nämlich die Bodenplatte entfernt werden. Wer also einen passenden Wechselakku besitzt und diesen verwenden will, benötigt dazu einen Torx-Schraubendreher sowie Geduld.

Mutig, aber zu wenig

So clever das Scharnier-Konzept auch sein mag, es wird wohl nur selten tatsächlich im Alltag zum Einsatz kommen. Parade-Beispiel ist der “Tablet”-Modus: Ein 2,5 Kilogramm schweres Tablet mit 15 Zoll-Bildschirm ist nahezu unmöglich auf längere Zeit zu halten. Auch das Drehen des Bildschirms, um seinem Gegenüber etwas zu zeigen ist nett gedacht, der Bedarf hierfür dürfte aber gering sein. Einzig die Tatsache, dass sich der Bildschirm etwas näher zum Benutzer ziehen lässt, kann überzeugen. Hier macht auch die Touch-Eingabe Sinn, denn der Weg von der Tastatur zum Bildschirm ist deutlich geringer. Ob das in Kombination mit dem in weite Ferne gerückten Touchpad die Benutzer des R7 vom Touch-Konzept von Windows 8 überzeugen wird, ist fragwürdig. Auch im Test wurde die Hand öfter nach der Bluetooth-Maus ausgestreckt als zur direkten Touch-Eingabe am Bildschirm.

Im Kern des R7 steckt ein solides Notebook, das in puncto Leistung in der Mittelklasse einzuordnen ist. Wunder darf man sich dabei keine erwarten, der Preis geht aber in Anbetracht der Ausstattung in Ordnung, auch wenn es bereits günstigere Modelle mit ähnlicher Ausstattung gibt, beispielsweise das Acer Aspire V5, das mit einem Core i7 der Haswell-Generation für knapp 800 Euro verfügbar ist. Auch das Lenovo IdeaPad Y510p kann für knapp 900 Euro eine ähnliche Ausstattung vorweisen, ist zudem aber mit einem optischen Laufwerk sowie großer Festplatte und SSD ausgestattet. Wer aber dennoch ein ungewöhnliches Windows 8-Ultrabook sucht, kann das Asus Taichi ins Auge fassen. Das bereits für knapp 900 Euro erhältliche Ultrabook bietet zwei Monitore, sodass es im zusammengeklappten Zustand als Tablet verwendet werden kann.

Modell:
Acer Aspire R7 (NX.MA5EG.004)
Maße und Gewicht:
376 x 254 x 28 mm; 2,5 kg
CPU:
Intel Core i5-3337U (Dual-Core 1,8 GHz)
GPU:
Nvidia GeForce GT 750M (optionaler IGP: Intel HD 4000)
RAM:
8 Gigabyte (tauschbar)
Bildschirm:
15,6 Zoll IPS-Bildschirm (spiegelnd, 1920 x 1080 Bildpunkte, 16:9, 141 ppi)
Speicher:
750 GB HDD (davon 679 GB nutzbar)
Akku:
54 Wh (Lithium-Ionen)
Sonstiges:
1 x HDMI, 1x USB 2.0, 2 x USB 3.0, WLAN, Webcam (1,3 Megapixel), Speicherkartenleser (SD, MMC), 802.11 a/b/g/n
Preis:
1000 Euro (getestete Variante)