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10.03.2013

App soll künftig flexible Stromtarife managen

Fraunhofer beschäftigt sich mit der Frage, wie man Lebensqualität in der Stadt der Zukunft erreichen kann. Auf der CeBIT präsentiert das Institut smarte Apps aus den Bereichen E-Health, Smart Energy und E-Government. Mit dem envyport hat das Institut etwa einen Smart-Meter-Gateway entwickelt, über den man Verbraucher ein- und ausschalten sowie flexible Strompreise intelligent verwalten kann.

Das Fraunhofer Institut für Offene Kommunikationssysteme FOKUS stellt auf der CeBIT in Hannover einige smarte Apps aus verschiedenen Bereichen vor, die künftig in Smart Cities eine entscheidende Rolle spielen werden. "Die Apps sind dabei als Schnittstelle zum End-Nutzer, dem Bürger, zu sehen, die Forschungsarbeit selbst geht über die Entwicklung von Apps weit hinaus", erklärt Henning Köhler von FOKUS in Berlin im Gespräch mit der futurezone.

Management von Stromverbrauchern
Im Bereich Smart Energy hat das Fraunhofer-Institut mit envyport einen Smart-Meter-Gateway entwickelt, der beispielsweise in Router eingebaut werden könnte. Damit lassen sich via App Verbraucher wie z.B. eine Tischlampe ein- und ausschalten. Dazu benötigt man zusätzlich eine Funksteckdose für die Verbraucher, die dann per WLAN mit dem Gateway kommunizieren kann. Ähnliche Energiemanagement-Systeme gibt es bereits, doch Fraunhofer denkt das Szenario bereits weiter.

Künftig, wenn es einmal im Zuge der Umrüstung auf Smart Meter (intelligente Stromzähler) auch flexible Tarifmodelle der Stromanbieter für Endkunden geben wird, lassen sich damit auch die Verbraucher je nach Tarifmodell intelligent managen. Wenn der Strom an günstigsten ist, kann man etwa automatisiert den Wäschetrockner oder den Geschirrspüler einschalten lassen.

Envyport befindet sich derzeit noch in Entwicklung. Auch Geschäftsmodelle gibt es noch keine dafür. Es könnten entweder Router-Hersteller den Gateway verbauen, oder aber Energieversorger diesen Gateway als (kostenpflichtiges) Extra-Service anbieten. Man sei derzeit mit Router-Herstellern wie Cisco in Gesprächen, heißt es. Für Router-Hersteller würde ein derartiges Extra auf jeden Fall künftig auch einen Vorsprung gegenüber der Konkurrenz bedeuten.

Katastrophenwarnungen
Mit Katwarn wurde eine iPhone-App vorgestellt, die bereits in diversen deutschen Landkreisen wie Berlin, Hamburg oder Oldenburg zum Einsatz kommt. Die App ist ergänzend zu den "heulenden Sirenen" ein Bürgerwarnsystem, das bei Gefahrensituationen auch mitteilen kann, wie man am besten handelt. "Hierfür arbeiten wir mit Landkreisen und öffentlichen Versicherern zusammen", erzählt Köhler.

iPhone-Nutzer bekommen via App oder SMS eine Warnung, wenn es in der Nähe z. B. Großbrände, Stromausfälle, Bombenfunde oder Extremunwetter gibt. Die Push-SMS-Warnung bezieht sich dabei nur auf die zuvor bekannt gegebene Postleitzahl, die Warnung per App greift auch auf die GPS-Daten der Nutzer zu. Die Warnungen werden von den kommunalen Feuerwehr- und Rettungsleitstellen in Abstimmung mit den zuständigen Katastrophenschutzbehörden verfasst. Zusätzlich nutzt der Deutsche Wetterdienst das System mit bundesweiten Unwetterwarnungen der höchsten Stufe („extremes Unwetter“) bei Unwetterereignissen mit weiträumigen und extremen Gefahren.

"In Berlin gab es diesen Winter etwa zweimal eine Warnung vor Blitzeisbildung auf der Straße", so Köhler. Nutzer der Katwarn-App können sich zusätzlich zur angegebenen Postleitzahl über zwei weitere, frei wählbare Orte warnen lassen. Diese Auswahl kann jeder Zeit aufgehoben, angepasst und bei Bedarf ausgeschaltet werden. Die Infos, die die Nutzer erhalten, umfassen auch Verhaltenstipps. Bei einem Großbrand wird etwa empfohlen, dass man in unmittelbarer Nähe die Fenster und Türen geschlossen halten sollte, erklärt der Experte. Neben der iPhone-App, die bereits erhältlich ist, wird es künftig auch eine Android-App geben, sagt Köhler.

Sensoren und Kinect für die Rehabilitation
Im Bereich E-Health demonstriert Fokus eine App namens "Meine Reha", mit der die Rehabilitierung nach Unfällen organisiert werden soll. "Der Therapeut stellt einen genauen Plan zusammen. Die App soll aber nicht nur managen, sondern auch kontrollieren, ob man alles richtig macht", erklärt Köhler. Hierfür werden zuerst die Vitaldaten mit einem Sensor gemessen (die Herzfrequenz). Dieser Sensor kann auch beim Nordic Walking am Körper getragen werden und die App "sagt" dem Patienten mittels akkustischem Signals etwa, wenn er zu schnell oder zu langsam geht. Über Google Maps lässt sich zudem die Wegstrecke anzeigen, die App misst zudem die Geschwindigkeit und wie weit man gegangen ist.

Zudem sei eine Verwendung vom Move-Controller Kinect angedacht, wenn der Therapeut beispielsweise Stretching-Übungen empfiehlt. Die App könne nämlich auch für TV-Geräte optimiert werden und man könne kontrollieren, ob jemand die Übungen auch tatsächlich richtig ausführt, erklärt Köhler. Derzeit sei man mit Krankenhäusern und Krankenkassen in Gesprächen, Feldtests habe es allerdings noch keine gegeben, so Köhler von Fokus.

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