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29.08.2016

Asus G752VY im Test: Der Knight-Rider-Laptop

Asus will mit der G752-Serie den Ferrari der Gaming-Laptops abliefern, dank seines ordentlichen Gewichts könnte es aber durchaus auch ein Hummer sein.

Der PC- und Laptop-Markt ist in den vergangenen Jahren deutlich geschrumpft. In Zeiten, in denen nahezu jeder ein Smartphone oder Tablet besitzt, die einen Großteil der Funktionen eines PC oder Laptops im Alltag übernehmen können, ist das verständlich. Doch es gibt ein lukratives Segment, das nach wie vor für sattes Wachstum sorgt: Gaming. Während die preisbewussten Nutzer, die bisher die Masse der Käufer ausmachten, ausbleiben, kämpfen immer mehr Hersteller um Gamer, die viel und oft in High-End-Hardware investieren. Analysten von JPR (John Peddie Research) verglichen dieses Segment von Gamern auch mit Sportwagen-Fahrern - auch sie seien “leistungs- und stilorientiert”.

Asus G752VY in Bildern

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Acer ROG Gaming-Laptop

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Sportwagen scheinen auch die Vorbilder für aktuelle Gaming-Laptops zu sein. Wie es The Verge bereits im Vorjahr so schön formuliert hat: “Wenn alles andere fehlschlägt, gib einfach ein paar LED-Rennstreifen drauf.” Es reicht offenbar nicht mehr aus, High-End-Hardware zu verbauen, Gaming-Laptops müssen mittlerweile auch Eyecatcher mit wuchtigen Kühlelementen, bunter Beleuchtung und schnittigen Kurven sein. Das sehen auch Asus und MSI, die derzeit dominierenden Hersteller von Gaming-Laptops, so.

Statt den kühlen und ausdauernden Aluminiumblöcken setzt man auf Monstertruck-ähnliche Gaming-Maschinen, die bereits durch ihre schiere Größe die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Asus aktuelle High-End-Schiene ist hier die G752-Serie. Pünktlich zur Gamescom wurde die Laptop-Reihe aufgefrischt und mit den Grafikkarten von Nvidias GTX-10-Reihe versehen. Eine gute Gelegenheit, die Vorgängermodelle zu einem relativ günstigen Preis zu bekommen: Das Top-Modell mit GTX 980M ist nun günstiger als das “Einsteigermodell” mit GTX 1060M zu haben. Wir haben das Modell mit der “alten” GPU getestet.

Protzen statt verstecken

Wer gerne auffällt, wird mit dem G752 seine helle Freude haben. Der insgesamt 41 Zentimeter breite und 32 Zentimeter lange Laptop erfordert eine große Tasche und ebenso ordentlich Platz am Schreibtisch. An seiner dicksten Stelle misst er knapp fünf Zentimeter - wer schlanke Ultrabooks bevorzugt, kann sich also schon einmal auf eine Überraschung gefasst machen. Die wuchtige Größe fällt aber erstaunlich selten auf - meist erst dann, wenn man ihn einpacken bzw. transportieren will. Denn selbst meine größten Rucksäcke waren hoffnungslos mit dem 17,3-Zoll-Laptop, an dessen Rückseite beleuchtete Kühlrippen hervorstehen, überfordert.

Hier zeigt sich bereits, dass der G752 zumindest in puncto Leistung keinerlei Kompromisse machen will. Wer häufig unterwegs ist, sollte allerdings über gut trainierte Schultern verfügen. Der Laptop allein wiegt 4,3 Kilogramm, das Netzteil bringt nochmals rund 700 Gramm auf die Waage. In puncto Material setzt man auf eine Kombination: Außen Metall, innen Kunststoff. Optisch mag der gebürstete Aluminium-Look nicht jedermanns Fall sein, doch dem G752 steht er gut.
Ebenfalls ungewöhnlich: Rechts und links vom "Republic of Gamers"-Logo wurden zwei beleuchtete Streifen platziert, die in feuerrot bis orange leuchten. Abdrehen lassen diese sich jedoch nicht. Wie bei den MacBooks wird die Deckelverzierung über die Hintergrundbeleuchtung des Bildschirmes mit Licht versorgt - sobald der Bildschirm aktiv ist, brennt also auch das "Feuer" auf der Rückseite. Zudem gibt es auch - wohl nach Vorbild von Knight-Rider-Auto K.I.T.T. - eine rot leuchtende Leiste hinter den Kühlrippen.

Solide Gaming-Tastatur

Die Tastatur hat ebenfalls eine rote Hintergrundbeleuchtung, die auch bei Tageslicht gut erkennbar ist. Wem der Laptop also ohne Hintergrundbeleuchtung zu unauffällig ist, kann diese rund um die Uhr aktivieren. Die Tasten haben einen kurzen, aber dennoch angenehmen Druckpunkt - sowohl zum Tippen, als auch zum Spielen. Für letzteres wurde sogar eine “Anti-Ghosting-Technologie” vorgesehen, die verhindern soll, dass Tastatureingaben beim Zocken nicht erkannt werden, wenn mehrere Tasten gleichzeitig gedrückt werden. Eine mechanische Gaming-Tastatur kann die Chiclet-Tastatur zwar nicht ersetzen, doch sie kommt dem schon sehr nahe.

Der Abstand zwischen den Tasten könnte allerdings etwas größer sein. Das stört insbesondere beim Tippen. Neben den Funktions- und Pfeiltasten steht zudem auch ein vollwertiger Ziffernblock zur Verfügung. Angenehm zur Bedienung: Die Innenseite des Gehäuses, auf dem der Handballen aufliegt, ist rutschfest ausgeführt und gibt der Hand so auch beim längeren Spielen sicheren Halt. Nach einer Weile waren hier allerdings Fettschmierer zu sehen.
Die wuchtigen Maße des Laptops haben auch Vorteile, denn er ist mit insgesamt vier USB-3.0- sowie einem USB-3.1-Port (Typ C) ausgestattet. Zudem finden sich noch ein Thunderbolt-3-, ein Mini-Displayport-, ein HDMI-, ein Ethernet- sowie separate Kopfhörer- und Mikrofon-Anschlüsse an den Seiten. Des Weiteren wurde ein SD-Kartenleser und ein optisches Laufwerk, in diesem Fall ein DVD-Brenner, verbaut.

Mattes Full-HD

Der 17,3 Zoll große LC-Bildschirm löst lediglich mit 1920 mal 1080 Bildpunkten auf. Das limitiert den Gaming-Laptop etwas, ermöglicht es aber auch öfter mit höherer Detailstufe statt höherer Auflösung zu spielen. So ließ sich Overwatch ohne Probleme mit maximalen Details, Kantenglättung und Anisotroper Filterung auf Full-HD-Auflösung spielen. Die im Vergleich zu vielen 4K-Laptops “niedrige Auflösung” machte sich im Alltag nie bemerkbar, Schrift ist gut lesbar und scharf. Um einzelne Pixel zu erkennen, muss man relativ nahe an den Bildschirm heranrücken.

In puncto Auflösung mag der Bildschirm des G752VY hinterherhinken, doch bei der Qualität macht man das locker wieder wett. Der Bildschirm wurde glücklicherweise matt ausgeführt, sodass er auch unter starkem Sonnenlicht nicht spiegelt. Die relativ hohe Helligkeit hätte das aber wohl auch im Falle eines spiegelnden Bildschirms wieder wettgemacht. Auch der Kontrast ist gut und profitiert von einem relativ klaren Weiß. Der Schwarzwert ist satt, lediglich die Farbdarstellung enttäuscht etwas im direkten Vergleich mit anderen Modellen. Die Farben sind relativ dunkel und leicht blaustichig.

Schnell, aber unflexibel

In puncto Ausstattung setzt Asus auf High-End-Hardware. So wurde der Quadcore-Prozessor Intel Core i7-6700HQ verbaut, dessen Kerne mit je 2,6 GHz getaktet sind. Im Gegensatz zur OC-Edition des G752 lässt sich hier die CPU nicht übertakten - dazu ist der nahezu baugleiche Intel Core i7-6820HK erforderlich. Das getestete Modell verfügte noch über Nvidias GTX 980M, mittlerweile kann der Gaming-Laptop aber auch mit den neuen GPUs GTX 1060 und 1070 gekauft werden - die erste Generation von Nvidias GPUs, die gleichwertig mit ihren Desktop-Pendants sein soll. Die GTX 1060 soll allerdings ersten Benchmarks zufolge auf Augenhöhe mit der getesteten GTX 980M sein, die GTX 1070 könnte hingegen zehn bis 20 Prozent mehr Leistung liefern.

3DMark (Time Spy): 2948 Punkte
PCMark 8 (Home, Accelerated, 3.0): 4103 Punkte
AS SSD (sequentielles Lesen/Schreiben): 691,38 MB/s; 41,5 MB/s
CineBench (R15.0): 73,47 fps/654 cb

Ein Plus, das vorerst nicht nötig wäre. Aktuelle Titel, wie "Overwatch", "Star Wars Battlefront" und "The Division" liefen flüssig - wohl auch, weil die Auflösung aufgrund des Bildschirmes auf Full-HD beschränkt ist. So stieß man selbst bei hohen bzw. maximalen Details unter Full HD kaum an Grenzen. Auch CAD-Programme wie Creo bzw. Videoschnitt-Anwendungen wie Adobe Premiere bereiteten dem Laptop keinerlei Probleme. Beim Speicher setzt man auf eine Kombination aus SSD und Festplatte, allerdings ohne RAID-Verbund. Stattdessen ist die 256 Gigaybte große SSD als Systemfestplatte konfiguriert, auf der Windows 10 sowie wichtige Programme vorinstalliert wurden. Die ein Terabyte große Festplatte wiederum ist als längerfristiger Datenspeicher vorgesehen.

Es besteht allerdings die Möglichkeit, über einen freien 2,5-Zoll-SATA-Schacht sowie die beiden M.2-Slots Speicher nachzurüsten. Das stellt übrigens - mit Ausnahme der leicht tauschbaren RAM-Riegel - die einzige Möglichkeit dar, die Konfiguration des Geräts anzupassen. Andere wichtige Komponenten sind nahezu unerreichbar und können auch nicht ohne Lötkolben getauscht werden.

Leise für Leistung

Der Lüfter macht sich beim Spielen bemerkbar, allerdings ist er kaum lauter als eine Spielkonsole unter Last. Auch bei besonders hoher Last wurde er nicht unangenehm laut, er war jedoch auch aus der Entfernung deutlich hörbar. Hier lohnt sich somit der Griff zu Kopfhörern, denn die eigentlich soliden Lautsprecher können hier trotz großem Klangkörper nicht mithalten. Abseits vom Zocken machen sich die Lüfter kaum bemerkbar und laufen meist auf der niedrigsten Stufe - vollständige Stille herrscht somit nie, allerdings müsste man schon sehr sensibel sein, um sich von einem leichten Surren gestört zu fühlen.

Meist verrichtet das sogenannte Vapor-Kühlsystem gute Arbeit. Dafür befindet sich auf der Rückseite ein breiter “Kühlergrill”, hinter dem Wärmetauscher platziert wurden. CPU und GPU werden unabhängig voneinander gekühlt und die Wärme über separate Heatpipes abgeführt. Das hat jedoch auch seinen Preis: Sowohl CPU als auch GPU sind nahezu unmöglich erreichbar und können nicht getauscht werden. Wer darauf verzichten kann, darf sich zumindest über ein gut gekühltes Gesamtsystem freuen. Das macht sich auch an der effizienten Wärmeabfuhr bemerkbar. Während sich bei vielen Laptops die Hitze unter der Tastatur oder der Handballenauflage staut, wird sie beim G752VY zuverlässig abgeführt, die Tastatur erwärmt sich nicht.

Wenig Ausdauer ohne Steckdose

Die Akkuleistung des G752VY ist trotz des 88 Wh starken Akkus wenig berauschend. Selbst unter Office-Last, bei der das Gerät lediglich zum Musik hören, Tippen in Word sowie für Internet-Recherchen verwendet wurde, hielt er knapp fünf Stunden durch. Unter Last, beispielsweise beim Spielen, mussten wir nach knapp eineinhalb Stunden an die Steckdose. Wer auf hohe Akkuleistung angewiesen ist, sollte aber ohnedies besser zu einem Ultrabook greifen.

Das knapp 700 Gramm schwere Netzteil erhöht das Gesamtgewicht des Laptops nämlich auf stolze fünf Kilogramm - ein Gewicht, das man nicht den ganzen Tag auf dem Rücken tragen möchte. Der Akku kann nicht manuell getauscht werden, sodass man auch keinen Reserveakku mitführen kann.

Schwergewicht mit Charme

Der Asus G752VY ist ein optisch auffälliger Gaming-Laptop, der seine Arbeit, nicht zuletzt dank High-End-Ausstattung, sehr gut verrichtet. Die Performance ist einem aktuellen Desktop-PC ebenbürtig, die mitgelieferte Hardware (Tastatur, Display und Lautsprecher) machen optionales Zubehör obsolet und die Verarbeitung ist hervorragend.

Doch wer sich Mobilität und Flexibilität erwartet, wird enttäuscht. Das Gewicht von 4,3 Kilogramm katapultiert den Laptop in die Schwergewichtsklasse und sorgte beim Test des öfteren dafür, dass ich ihn lieber in der Arbeit ließ statt ihn mit nach Hause zu nehmen um zu zocken. Er ist mobil genug, um ihn leicht zu gewissen Anlässen transportieren zu können, allerdings zu schwer für jemanden, der jeden Tag seinen Laptop in die Arbeit mitnimmt oder ihn gar immer dabei haben will.

Zudem können andere Gaming-Laptops deutlich einfach aufgerüstet werden. So gibt es mit dem Mobile PCI Express Module 3.0 (MXM) mittlerweile einen Standard, der das Tauschen von Notebook-GPUs erlaubt. Nur wenige Hersteller, unter anderem MSI und Dell, setzen darauf. Und auch wenn sie eigentlich eher "PC-Ersatz" statt Laptops sind: Eurocoms aktuelle Top-Modelle, beispielsweise der Sky E9E2, können in ihre Einzelteile zerlegt und mit Desktop-Komponenten ausgestattet werden.

Modell:
Asus G752VY-GC083T
Maße und Gewicht:
416 x 322 x 20 - 49 mm; 4,3 Kilogramm
CPU:
Intel Core i7-6700HQ (Quad-Core 2,6 GHz)
GPU:
Nvidia Geforce GTX 980M (4 Gigabyte)
RAM:
16 Gigabyte
Bildschirm:
17,3 Zoll LC-Bildschirm (matt, 1920 x 1080 Bildpunkte, 16:9, 127 ppi)
Speicher:
256 GB SSD (davon 237 GB nutzbar); ein Terabyte HDD (931 Gigabyte nutzbar)
Akku:
88 Wh
Sonstiges:
1 x DisplayPort, 4 x USB 3.0, 1 x USB 3.1 (Typ C), WLAN (802.11 a/b/g/n/ac), Bluetooth 4.0, Webcam, Speicherkartenleser (SD), HDMI
Preis:
rund 2000 Euro (getestete Variante, andere Modelle ab 1600 Euro erhältlich)