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16.05.2015

Canon EOS M3 im Test: Besser, aber noch nicht gut genug

Canons Systemkamera M3 ist in nahezu allen Belangen besser als ihr Vorgängermodell, kann aber nicht mit der Konkurrenz mithalten.

Die M2 war nur ein minimales Update zur M. Mit der M3 hat Canon seine Systemkamera jetzt tatsächlich überarbeitet und nicht bloß aktualisiert. Die futurezone hat die M3 getestet.

Griffiger

Während die M und M2 optisch einer überdimensionalen Lifestyle-Digicam ähnelten, orientiert sich die M3 mehr an Canons Powershot G-Serie. Sie ist kantiger und hat eine größere Fingerablage an der Front. Dadurch wirkt die M3 aber auch gedrungen und mutet schwerer an, als sie mit ihren 366 Gramm eigentlich ist.

Die größere Fingerablage verbessert die Griffigkeit der M3 gegenüber ihren Vorgängermodellen. Für größere Hände ist es aber noch immer nicht optimal. Ringfinger und kleiner Finger der rechten Hand finden kaum Halt auf der Fingerablage. Verwendet man den Canon EF-Objektivadapter, stehen die Knöchel des Mittelfingers daran an.

Die Daumenablage an der Rückseite ist gummiert und sorgt für einen guten Halt. Für Menschen mit großen Händen bzw. langen Daumen ist die Ablage zu weit rechts. Legt man den Daumen entspannt an die Kamera, liegt er am Display auf und nicht auf der Daumenablage.

Galerie: Canon M3

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Schwergängig

Nahezu alle Bedienelemente der M3 sind relativ weit im Gehäuse versenkt. Das reduziert zwar die Chance von unbeabsichtigten Eingaben, erschwert aber etwas die Bedienung. Das Modus-Wahlrad ist besonders schwergängig. Auch das Rad für die Belichtungskorrektur könnte ruhig etwas leichtgängiger sein.

Die zwei Wahlräder für Blende und Belichtung, eines rund um den Auslöser und eines an der Rückseite, sind gut zu erreichen. Die M-Fn-Taste an der Oberseite, die Bildlöschen-Taste und die Taste für die Direktvideoaufnahme können vom User mit einer von 15 Funktionen belegt werden.

Der Blitz wird über einen Schiebeschalter an der Seite ausgefahren. Da der Blitzkopf nach vorne hin gefedert ist, sollte er nicht abbrechen, falls etwas daran hängenbleibt. Dennoch sieht die Konstruktion nicht sehr stabil aus, weshalb man darauf achten sollte, dass der Blitz eingeklappt ist, wenn die Kamera an der Schlaufe getragen wird.

Display

Der Touchscreen ist drei Zoll groß, hat das native Bildformat von 3:2 und 1.040.000 Pixel. Das Display kann um bis zu 180 Grad nach oben gekippt werden, um Selbstporträts zu erleichtern. Nach unten kann es um bis zu 45 Grad gekippt werden, damit Überkopf-Fotos besser gelingen. Die Kipp-Konstruktion ist nicht sehr vertrauenserweckend. Es liegt auch ein Kabelstrang frei, wenn man das Display nach unten kippt.

Die Helligkeit des Touchscreens kann eingestellt werden, eine automatische Helligkeitsanpassung gibt es nicht. Die M3 kann komplett ohne Touchscreen genutzt werden. Wer will, kann die Touch-Funktion auch vollständig deaktivieren. Wer gerne auf dem Display einer Kamera herumdrückt, kann so bei der M3 den Fokuspunkt für die Motivverfolgung setzen und auf Wunsch auch auslösen.

Als Alternative zum Display kann ein optionaler elektronischer Sucher erworben werden, der am Blitzschuh angesteckt wird. Per NFC kann eine WLAN-Verbindung mit dem Smartphone hergestellt werden, um dieses als Fernauslöser zu nutzen oder um Fotos direkt hochzuladen. Das Vorschau-Bild in der Fernauslöser-App wird nicht korrekt dargestellt, wenn Änderung an Zeit oder Blende vorgenommen werden. So kann es sein, dass das Foto völlig überbelichtet ist, obwohl es am Handy vor dem Auslösen als zu dunkel angezeigt wurde.

Modi

Neben den üblichen Automatik- und manuellen Modi gibt es einen Custom-Modus und einen Kreativ-Assistent. Letzterer erlaubt es über Schieberegler das Bokeh, Helligkeit, Kontrast, Farbsättigung und Farbton einzustellen.

Es gibt sechs Szenen-Modi wie Porträt und Landschaft, sowie Kreativ-Modi. Dazu gehören der HDR-Modus, Fischauge, Weichzeichner und ähnliches. Videos können im Automatik- oder im manuellen Modus aufgenommen werden. Letzterer erlaubt das Einstellen von Zeit, Blende und ISO-Wert. Filmer werden sich über den 3,5mm-Klinkeneingang für ein externes Mikrofon und über den HDMI-Anschluss freuen.

Schnellerer Fokus

Der langsame Autofokus war eines der größten Mankos des Vorgängermodells. Canon verspricht, dass der 49-Punkte-Autofokus der M3 um bis zu 6,1-fach schneller ist. Tatsächlich ist der Autofokus mit dem 18-55mm-Kit-Objektiv angenehm schnell. Beim EF-M 22mm Pancake-Objektiv mit f2.0 tut sich der Autofokus schon schwerer. Benutzt man ein EF- oder EF-S-Objektiv mit Canons Objektivadapter ist die Autofokus-Geschwindigkeit mäßig bis miserabel. Im Weitwinkelbereich hat der Autofokus im Test mit EF-Objektiven etwas besser funktioniert als im Telebereich.

Als User hat man die Wahl zwischen zwei Fokusmodi: Alle Punkte (inklusive Gesichtserkennung) oder ein Fokusbereich, der verschoben werden kann. Die besten Resultate erzielt man mit allen Punkten, bzw. wenn man mit dem Finger am Touchscreen manuell den Fokuspunkt setzt. Nutzt man einen zentrierten Fokusbereich, kommt es öfters vor, dass nicht korrekt auf das anvisierte Motiv scharfgestellt wird. Gerade bei Porträts mit großer Blendenöffnung ist das lästig, da es zu einer Unschärfe des Gesichts kommen kann. Beim Fokusmodus mit allen Punkten und der automatischen Gesichtserkennung tritt dieses Problem seltener auf.

Die M3 unterstützt Fokus Peaking. Bereiche die in der Fokusebene liegen werden wahlweise Rot, Gelb oder Blau umrandet. Gänzlich auf das Fokus Peaking verlassen sollte man sich nicht. In einigen Situationen wurden Objekte rot umrandet die gut einen Meter hinter dem Motiv lagen, auf das manuell fokussiert wurde. Am besten nutzt man die Kombination aus Fokus Peaking und Bildschirmlupe, um präzise scharfzustellen.

Leistung

Nicht nur beim Fokus, auch bei der allgemeinen Geschwindigkeit hat Canon nachgebessert. Die M3 reagiert auf die meisten Eingaben angemessen flott. Das Starten der Kamera, das schnelle Fotografieren nach der ersten Aufnahme und Serienbilder gehen deutlich schneller als beim Vorgängermodell M.

Beim Schnellen Scrollen mittels Wischgeste kommt die M3 ins Stottern. HDR-Aufnahmen, bei denen drei Fotos zu einem Bild kombiniert werden, benötigen eine Verarbeitungszeit von neun bis zehn Sekunden. Wird das Rückschaubild angezeigt, dauert es zu lange, bis das Live-View-Bild wieder auftaucht, wenn man den Auslöser drückt.

Der Akku hält laut Canon für etwa 250 Aufnahmen. Im Test konnte dieser Wert sogar etwas übertroffen. Canon sollte allerdings endlich die Option bieten, den Akkuzustand in Prozent anzeigen zu lassen oder zumindest in mehr als nur drei Stufen.

Bildqualität

Der ISO-Wert reicht von 100 bis 12.800 und kann auf 25.600 erweitert werden. Das Bildrauschen wird ab 1.600 deutlich.

Mit der M3 sollte man bevorzugt nahe ans Motiv heran. Umso weiter man weg ist, umso höher ist die Chance, dass die Belichtungsmessung für eine zu dunkle Aufnahme sorgt. Das Scharfstellen auf Motive, die nicht direkt vor der Linse sind, klappt auch nicht immer optimal. Bei einigen Aufnahmen ist eine leichte Unschärfe in der 100-Prozent-Ansicht zu erkennen.

Bei guten Lichtverhältnissen ist die Farbdarstellung in Ordnung – nicht zu blass und nicht zu kräftig. Bei Kunstlicht und starker Bewölkung muss man den ISO-Wert nach oben schrauben, damit mit dem Kit-Objektiv noch akzeptable Verschlusszeiten möglich sind. Das dabei entstehende Bildrauschen und die blasseren Farben sind wenig ansehnlich.

Der Dynamikbereich könnte ebenfalls besser sein, was auch in Videos deutlich zu sehen ist. Die FullHD-Videos können nicht überzeugend. Das Bild stottert und schliert etwas, die Darstellung sieht weniger sauber und scharf aus als bei Systemkameras und DSLRs in derselben Preisklasse anderer Hersteller.

Fazit

Die Canon M3 ist in nahezu allen Punkten besser als das Vorgängermodell. Speziell bei Fokus, Geschwindigkeit und der Handhabung hat Canon gut nachgebessert. Allerdings reicht das nicht, um mit aktuellen Konkurrenzmodellen von Panasonic und Sony mithalten zu können.

Wenn man unbedingt bei Canon bleiben will, greift man besser zu der 750D Spiegelreflexkamera oder, wenn es kompakter sein soll, der Powershot G1 X Mark II.

Technische Daten

Modell:
Canon EOS M3
Sensor:
APS-C CMOS-Sensor mit 24,3 Megapixeln, 22,3 x 14,9 mm
Videoaufnahme:
FullHD 30p
Serienaufnahme:
Bis zu 4,2 Bilder/s
ISO-Bereich:
100 bis 25.600
Abmessungen:
110,9 x 68,0 x 44,4 mm, 366 Gramm mit Akku und Speicherkarte
Preis:
749 Euro UVP (mit EF-M 18-55mm Objektiv)

Technische Daten auf der Canon-Website