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06.10.2010

Datencenter-Bauboom im ländlichen Amerika

Apple sorgt für Gesprächsstoff, weil einer Familie in einer US-Kleinstadt 1,7 Millionen Dollar geboten wurde, damit diese ihr Haus verlässt. Apple will dort ein riesiges Datencenter errichten und folgt damit einem Trend.

Apple sorgte dieser Tage für Aufsehen, als bekannt wurde, dass der Konzern im ländlichen North Carolina ein Datencenter aufbauen möchte - und dafür das 20 Hektar große Grundstück einer Familie um 1,7 Millionen Dollar erwarb, das neben dem Baugrundstück liegt. Dass große IT-Konzerne mitten im scheinbaren Nirgendwo riesige Serverfarmen aus dem Boden stampfen, ist in den USA keine Seltenheit. Die Positionierung am Land bietet Vorteile für alle. Auch Microsoft und Google sind ländlichen Standorten nicht abgeneigt - zumindest solange einige Vorraussetzungen erfüllt sind.

Rechner und Generatoren statt Fischteich

Donnie und Kathy Fulbright freuen sich unterdessen über 1,7 Millionen Dollar, müssen dafür aber ihr Haus, in dem sie 34 Jahre lang gelebt haben, verlassen. Apple plant, ein Datencenter in Maiden, North Carolina, für eine Milliarde Dollar aufzubauen. Das Grundstück der Fulbrights stand im Weg und Apple wollte es um jeden Preis erwerben. "Sie sagten uns, wir sollten einfach einen Preis nennen", sagt Kathy Fulbright, 62, "und das taten wir." Nachdem Apple zwei Angebote vorgelegt hatte und die Fulbrights jedes Mal ablehnten, erhielten sie schlussendlich ihre gewünschte Ablöse.


Wo derzeit noch ein 390 Quadratmeter großes Haus und ein Fischteich stehen, soll in Zukunft ein 47.000 Quadratmeter großes Datencenter voller Server und Generatoren vor sich hin brummen. Wofür genau Apple die neuen Kapazitäten nutzen will, steht unter Verschluss. Spekuliert wird mit Rechenleistung um Musik und Videos zu streamen, eventuell im Rahmen von Apple TV.

Vorteile für Gemeinden und Konzerne

Maiden ist eine Stadt mit 3.200 Einwohnern in der Gemeinde Catawba County. Im August herrschte hier eine Arbeitslosenrate von 12,3 Prozent, überdurchschnittlich für die USA. Apple will in Zukunft etwa 300 Personen für den Betrieb des Datencenters anstellen. Zusätzlich werden etwa 9,3 Millionen Dollar jährlich an Steuern in die Gemeinde-Kasse fließen - und das obwohl der Konzern mit Steuer-Kürzungen angelockt wurde. Die Verwaltung von Catawba County erwartet sich einiges aus dem Deal.

"Namen wie Google oder Apple zeigen, das man sich im 21. Jahrhundert befindet und offen für Geschäfte ist, also hoffen wir, dass das zu etwas Größerem führt", sagt Kitty Barnes, Mitglied des Kommissionierungs-Ausschusses von Catawba County. Maiden erhält Arbeitsplätze, Steuereinnahmen und ein modernes Image. Apple erhält billige Arbeitskräfte, Steuervergünstigungen, billigen Strom und sehr viel Platz.

So wie Apple zieht es auch Microsoft, Facebook oder Twitter aufs Land. Microsoft plant ein 500 Millionen Dollar schweres Datencenter in Virginia, Google hat in Lenoir, North Carolina, bereits ein 600 Millionen Dollar teures Rechenzentrum errichtet und versorgt die Stadt mit kostenlosem WLAN und gestifteten PCs für die örtliche Schule.

Bedingungen und Chancen

Bei der Auswahl des Standortes müssen bestimmte Bedingungen erfüllt sein. Bei der Auswahl eines potentiellen Baugrundes wägt Microsoft etwa 35 unterschiedliche Punkte ab. Laut Kevin Timmons, dem General Manager für Microsofts Datencenter-Entwicklung, sind vor allem Kundennähe, verfügbare Glasfaser-Netzanbindung, eine große Auswahl an qualifizierten Arbeitskräften und eine leistbare Energiequelle die wichtigsten Punkte auf der Liste.

Kritiker sehen ein Problem darin, multinationalen Konzernen Steuervergünstigungen anzubieten. Wirtschafts-Planern ländlicher Gegenden kommt der Stadtflucht-Trend gelegen. Während die Arbeitslosigkeit in North Carolina während der 90er-Jahre kaum über fünf Prozent gestiegen ist, ist sie nun fast dreimal so hoch. Mit IT-Konzernen will man die schwankende Ökonomie wieder auf Kurs bringen.

(Bloomberg/David Kotrba)

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