Die Gewinner des futurezone-Quiz stehen fest

© Gregor Gruber

Smartphones
06/26/2012

Display-König: LG Optimus 4X HD im Test

Das Smartphone 4X HD ist LGs Antwort auf Samsungs Galaxy SIII. Die Chancen den Android-Spitzenreiter vom Thron zu stoßen stehen gut, vor allem aufgrund des grandiosen Displays. Ein paar Kleinigkeiten verhindern aber, dass das Optimus 4X HD klar die Führung übernimmt.

von Gregor Gruber

HTC, Huawei und Samsung: Mindestens ein Quadcore-Handy ist im Angebot dieser Android-Smartphone-Hersteller zu finden. Mit dem Optimus 4X HD tritt jetzt auch LG dem Vier-Kerne-Club bei. Laut LG wird das Optimus 4X HD aber nicht nur angeboten, um auch ein Quadcore-Handy im Portfolio zu haben: „Unser Konkurrent ist ganz klar das Samsung Galaxy SIII", so ein LG-Pressesprecher. Die futurezone hat getestet, ob das Optimus 4X HD dem Galaxy SIII den Rang als Android-Spitzenreiter ablaufen kann.

IMG_3688.jpg

IMG_3661.jpg

IMG_3666.jpg

IMG_3671.jpg

IMG_3665.jpg

IMG_3715.jpg

IMG_3690.jpg

IMG_3697.jpg

IMG_3700.jpg

IMG_3711.jpg

2012-06-25-12-11-40.jpg

2012-06-25-12-11-54.jpg

2012-06-25-11-51-21.jpg

2012-06-25-11-58-54.jpg

Design
Optisch ist das Optimus 4X HD sofort als LG-Handy zu erkennen. Wie die meisten aktuellen Smartphones von LG hat es Chromelemente an den Rändern und eine strukturierte Plastikrückseite. Von vorne sieht das Handy geradlinig und auf das Wesentliche reduziert aus. Das eckige Design gefällt und auch der Abstand zwischen Display und Gehäuse ist angenehm klein. Ein kleiner Schönheitsfehler ist wieder mal die Vertiefung des Lautsprechers, die ein Schmutzmagnet ist.

Handling
Das Optimus 4X HD ist eine Spur kürzer als das Galaxy SIII und nur geringfügig dicker und schwerer. Dadurch liegt es relativ gut in der Hand, wenn man den Touchscreen nutzt. Die strukturierte Plastik-Rückseite verbessert zwar den Halt, fühlt sich aber eben auch stark nach Plastik an.

Beim Telefonieren sind die chromfarbenen Zierleisten nicht hilfreich. Diese umringen das Handy. Zwischen den zwei Leisten ist eine Vertiefung, weshalb die Finger hauptsächlich auf dem rutschigen Chrom aufliegen. Beim Telefonieren sollte man das Handy deshalb gegen die Handfläche bzw. den Handballen drücken, um ungewollte Abstürze zu vermeiden.

Nicht gut gelöst sind die Lautstärkentasten, die an der linken Seite oben zwischen den Chromleisten sind. Sie sind relativ klein, schwer zu drücken und bestehen aus einer Leiste, weshalb das Verstellen der Lautstärke beim Telefonieren unnötig schwer fällt.

Display
Das Display des Optimus 4X HD gehört zu den besten, die es derzeit bei Android-Smartphones gibt. Der 4,7-Zoll-Touchscreen hat eine Auflösung von 1280x720 Pixel – und das, im Gegensatz zum Samsung Galaxy SIII, ohne PenTile-Technologie. Die Schärfe ist ausgezeichnet und die Farbdarstellung exzellent. Es gibt nur einen ganz kleinen Gelbstich bei weißen Flächen zu sehen, wenn man es mit dem Display des iPhone 4S vergleicht. Im Vergleich mit dem Optimus 4X HD wirkt das blaustichige Display des Samsung Galaxy SIII wie ein Produktionsfehler.

Das Display ist nicht nur ausgesprochen gut, was die Darstellung betrifft, sondern auch extrem hell. Ist es auf 100 Prozent Helligkeit gestellt, ist das Smartphone auch bei starkem Sonnenlicht noch gut bedienbar. Missglückt ist aber die Helligkeitseinstellung im Menü. Selbst wenn man die Helligkeit auf automatisch stellt, muss man mit einem Regler den Ausgangswert von 0 bis 100 Prozent einstellen. Das Handy passt dann die Helligkeit nur rund um diesen Wert an. Hat man das Display also etwa auf 60 Prozent gestellt, wird es in dunkler Umgebung nicht dunkel genug und frisst unnötig Strom. Bei starkem Sonnenschein wird es wiederum nicht hell genug. So muss man, trotz automatischer Regelung, ein Widget oder die Einstellungen bemühen, um die Helligkeit manuell anzupassen.

Software
Das Optimus 4X HD nutzt Android 4.0.3, mit LGs eigener Oberfläche. Ein nettes Detail ist der Lockscreen, bei dem das Ziehen des Schlosssymbols mit dem Finger kreisförmig den darunter liegenden Homescreen frei gibt. Auf dem Lockscreen kann noch eine von drei Uhren oder zwei Kalender angezeigt werden. Die vier Shortcuts, die unten angezeigt werden, können mit beliebigen Apps und Funktionen belegt werden.

Vorbildlich sind auch die Homescreen-Einstellungen. Hier sind sieben verschiedene Animationen wählbar, die beim Wechsel von einem Homescreen zum nächsten angezeigt werden. Auch kann gewählt werden, ob sich das Hintergrundbild verschiebt oder immer das Ganze zu sehen ist. Vertipper am Rande: Ruft man im Homescreen mit der Menü-Taste die Schnelleinstellungen auf, ist dort „Homescrenn Einstellungen" zu lesen.

Bei der Statusleiste lässt LG dem User ebenfalls viele Möglichkeiten. So können die Icons für die Schnellauswahl modifiziert werden. Es kann bestimmt werden, welche zu sehen sind und die Reihenfolge. Platziert man mehr als fünf Shortcuts, kann mit einer Wischbewegung weitergescrollt werden.

Eine der Statusleisten-Funktionen ist „QuickMemo", ähnlich der Notizfunktion des Samsung Galaxy Note. Drückt man darauf, kann man einen Screenshot erstellen und mit dem Finger noch handschriftliche Notizen oder Zeichnungen darauf unterbringen. Es kann auch nur ein Ausschnitt des Screenshots gewählt werden, oder, falls man einfach nur schnell was notieren will, ein einfärbiger Hintergrund statt dem Screenshot eingeblendet werden.

Mit der App „LG Tag+" können verschiedene Profile erstellt werden, die aktiv werden, wenn man mit dem Handy den entsprechenden NFC-Tag berührt. Hier kann man etwa festlegen, in welchen Klingelmodus das Handy gehen soll, welche Verbindungen aktiv sind und ob eine App gestartet werden soll. Im Lieferumfang sind drei NFC Tags enthalten.

Kein LED-Licht
Obwohl es nur eine Kleinigkeit ist, verdient dieser Mangel trotzdem eine eigene Zwischenüberschrift: Denn es nervt einfach, wenn ein Top-Smartphone keine LED-Benachrichtigungsleuchte hat.

Anstatt eine LED-Leuchte, die leuchtet, wird beim Eintreffen einer SMS der Lockscreen angezeigt – also so, als würde man die Entsperr-Taste drücken. Hat man das Handy mit der Display-Seite nach innen gerichtet in der Hosentasche, kann beim Gehen die Display-Sperre gelöst werden. Im Test kam dies zwei Mal vor. Beim ersten Mal wurde dies schnell genug entdeckt, beim zweiten Mal wurden acht SMS und ein Anruf an den Sender der angekommenen SMS geschickt sowie WLAN deaktiviert und Bluetooth aktiviert.

Leistung
Der 1,5 GHz Quadcore-Prozessor macht das, was er tun soll: schnell arbeiten. Ruckler bei Apps gibt es kaum, das Scrollen und Zoomen ist auch auf aufwendigen Websites ruckelfrei. Die starke Leistung erzeugt aber auch viel Hitze. An der Rückseite oben wird das Optimus 4X HD nach zehn Minuten spielen oder 15 Minuten 3G surfen sehr heiß. Die Temperatur ist so hoch, dass man nach dem Spielen oder Surfen das Smartphone für eine Weile nicht in die Hosentasche stecken will.

Akku
Die Akkuleistung ist wenig beeindruckend. Obwohl der Akku 2150 mAh hat, ist er nicht ausreichend für den Verbrauch des Optimus 4X HD. Am ersten Tag machte der Akku nach 18 Stunden und 30 Minuten schlapp, obwohl das Handy 8 Stunden und 30 Minuten im Standby war und nur für das Übliche, Surfen in WLAN und 3G, sowie soziale Netzwerke, E-Mails und SMS, verwendet wurde. Ein paar Tage später wurden in der Früh erst Apps im WLAN heruntergeladen und danach mit 3G gesurft. Innerhalb von 40 Minuten fiel der Akkustand um 15 Prozent – obwohl das Display auf automatische Helligkeit und 60 Prozent eingestellt war.

Die Akkuverbrauch-Anzeige in den Einstellungen liefert falsche Ergebnisse. Dort wird das Android-System als größter Stromfresser angezeigt, während das Display laut den Informationen kaum Energie verbraucht. Es ist möglich, dass die geringe Akkuleistung durch einen Software-Fehler zustande kommt, vielleicht kann LG hier nachbessern. Bis dahin heißt es für das Optimus 4X HD: Jeden Abend an die Steckdose.

Die Audioqualität beim Telefonieren ist gut, nur die Lautstärke ist manchmal zu gering, etwa bei Straßenlärm. Die 8-Megapixel-Kamera kann nicht überzeugen. Zwar bietet sie eine HDR, Schwenkpanorama und Serienbilder-Funktion, die Farben sind aber oft zu blass. Wird die Auslöse-Schaltfläche am Touchscreen berührt, wird gleich ausgelöst, ohne scharf zu stellen. Da der konstant-aktive Autofokus relativ langsam fokussiert, entstehen so oft unscharfe Bilder.

Fazit
Das Optimus 4X HD hat auf dem Papier die Voraussetzungen, um dem Samsung Galaxy SIII zumindest ebenbürtig zu sein. Beim Display ist es sogar deutlich überlegen, dafür ist die Haptik nicht ganz gelungen, die Kamera deutlich schlechter, es gibt keine LED-Statusleuchte und die eingeschränkt-funktionierende, automatische Displayhelligkeit ist lästig. Der UVP von 649 Euro ist etwas hoch angesetzt, der derzeitige Straßenpreis von 499 Euro ist da schon realistischer. Der unterbietet den des Samsung Galaxy SIII (529 Euro) und ist nur geringfügig höher als der des HTC One X (492 Euro). Letzteres bietet ein besseres Handling und eine bessere Kamera, kann aber nicht mit dem genialen Display des Optimus 4x HD mithalten.

Mehr zum Thema

  • HTC One X im Test: Stark und unauffällig
  • Ein würdiger Nachfolger: Galaxy SIII im Test
  • LGs Quadcore-Handy Optimus 4X HD ausprobiert

Modell:
LG P880 Optimus 4X HD
Betriebssystem:
Android 4.0.3
Display:
4,7 Zoll IPS, 1280x720 Pixel
Prozessor:
1,5GHz Quad Core Tegra 3
RAM:
1GB
Akku:
2150mAh
Speicher:
16GB intern, MicroSD-Slot
Kamera:
8 Megapixel Rückseite, Videos in 1080p, Frontkamera 1MP
Dimensionen:
132,4 x 68,1 x 8,9 mm, 141 Gramm
Preis:
649 Euro UVP