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04/20/2011

Dual-Core-Handy Optimus Speed im Test

Es ist das schnellste seiner Art – zumindest laut Datenblatt. Wieso das weltweit erste Smartphone mit Zweikern-Prozessor keine Geschwindigkeitsrekorde in der Alltagsnutzung aufstellt, verrät der futurezone-Test.

Von Samsung kommt eines, von HTC kommt eines und LG hat schon eines: ein Smartphone mit Dual-Core-CPU. Die Mehrkern-Prozessoren sollen zukünftig in allen Tablets (wie beim iPad 2) und Smartphones verbaut werden – entsprechend hoch sind die Erwartungen an die höhere Leistung. Doch bis man von einem Zweikern-Prozessor im Handy wirklich profitiert, wird es noch etwas dauern. Das beweist das LG P990, besser bekannt als das Optimus Speed oder Optimus 2X (499 Euro).

Design
Optisch sticht das Optimus Speed nicht aus der Masse der Smartphones heraus. Die Front ist fast komplett eben und nur zur linken und rechten Kante leicht abgerundet. Der Kunststoff-Rand ist grau, auch die Rückseite besteht aus Kunststoff, mit einer vertikal verlaufenden Aluminium-Einlage, die den Buckel der 8-MP-Linse optisch entschärft. Trotz der zahlreichen Kunststoff-Teile wirkt das Optimus Speed durchaus robust. Im Vergleich zu anderen Smartphones mit 4-Zoll-Display, wie etwa dem HTC Incredible S, ist das Optimus Speed etwas länger – im konkreten Fall um 6mm. Mit 147 Gramm gehört es zu den Schwergewichten in der 4-Zoll-Klasse.

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Dual-Core
Was das Optimus Speed besonders macht, ist aber ohnehin nicht das Gehäuse, sondern das, was darin steckt. Der Nvidia Tegra 2-Chip enthält eine Cortex-A9-Zweikern-CPU mit 1GHz und einen Geforce-Grafikprozessor mit acht Kernen. Was das bringt? HDMI-Mirroring in FullHD. Das Smartphone hat einen Micro-HDMI-Ausgang, ein passendes HDMI-Kabel ist im Lieferumgang enthalten. Einfach anstecken und schon wird alles, was am Optimus-Speed-Display zu sehen ist, auch auf dem Flat-TV sichtbar. Das funktioniert auch mit Apps, Spielen und Videos in der FullHD-Auflösung 1080p. Allerdings wird bei der Videowiedergabe das Bild nur am Flat-TV angezeigt. Das stört aber nicht weiter, da beim Filmschauen das parallel-laufende Handy-Display eher irritieren würde. Um Apps und Filme zu speichern, stehen 5,5 GB als interne SD-Karte und 1,3 GB als Telefonspeicher zur Verfügung. Ein MicroSD-Kartenslot zur Speichererweiterung ist vorhanden.

Kamera
Ein weiterer Vorteil, den der Dual-Core-Prozessor bringt: Die 8-Megapixel-Kamera kann FullHD-Videos aufnehmen. Sowohl bei den Videos als auch Fotos sind die Farben etwas zu blass, Schärfe und Detailgenauigkeit sind gut. Der LED-Blitz ist fast schon zu hell für Portrait-Schnappschüsse im Nachtleben, streut aber zu sehr für Aufnahmen, die mehr als drei Meter entfernt sind. Etwas störend ist die Verzögerung zwischen zwei Bildern. Nachdem der Auslöser betätigt wurde, dauert es zwei bis drei Sekunden, bis das nächste Foto gemacht werden kann. Für ein Smartphone im mittleren Preissegment wäre das durchaus normal. In der oberen Preiskategorie weisen jedoch etwa das Sony Ericsson Xperia Arc und HTC Incredible S (beides Single-Core-Smartphones) diese Verzögerung nicht auf. An der Front des Optimus Speed befindet sich noch eine 1,3 Megapixel-Kamera für Videotelefonie.

Software
Die Verzögerung bei der Bildverarbeitung der Kamera ist nicht die einzige Situation, in der man sich wundert, ob der zweite Kern der CPU überhaupt aktiv ist. Das Optimus Speed nutzt Android 2.2, ein Update auf 2.3 soll im Juni folgen. 2.2 wäre durchaus in Ordnung, wenn LG das Betriebssystem etwas mehr optimiert hätte. Beim Wechseln durch die Homescreens sind Verzögerungen bemerkbar, auch der Bildschirm scheint ab und zu träge auf Berührungen zu reagieren. Apps und Programme hingegen laden ausreichend schnell. Mögliche Ursache für das wenig zufrieden stellende Benutzererlebnis könnten die 512MB Arbeitsspeicher sein – die Android-Konkurrenz in dieser Smartphone-Klasse verbaut 768MB RAM.

Der "Nah"-Button
Nicht ganz durchdacht wirken diverse LG-Widgets. So ist die Wetter-App am Homescreen hübsch, jedoch gibt es keine automatische Aktualisierung und keinen automatischen Ortswechsel. Der Schnell-Zugriff auf Lautstärke, Bluetooth und WLAN in der Status-Leiste ist eine gute Idee. Dass jedoch die Musik-Player-Steuerung fix in der Status-Leiste integriert ist, weniger. Für Freunde der Beschallung ist das natürlich praktisch, aber als Nutzer würde man gerne selbst aussuchen, ob man den Musik-Player ständig in der Status-Leiste sehen will. Zudem dürfte es wohl an Beta-Testern für die deutsche Sprachversion gemangelt haben. So gibt es etwa zur Bestätigung des eingerichteten E-Mail-Kontos einen ominösen „Nah“-Button.

Ebenfalls störend: Es kann nur ein Benachrichtigungston eingeschaltet, aber nicht gewählt werden, welche Benachrichtigungen akustisch erfolgen. So piepst der vorinstallierte „F-Secure“-Virenscanner etwa mit demselben Ton wie eine ankommende SMS. Stichwort Virenscanner: Den sollte man nur nutzen, wenn man ein App-Junkie ist, der den Android Market regelmäßig plündert und Apps von unbekannten Quellen installiert. Ansonsten ist F-Secure ein Ressourcenfresser, der bei jedem Download - egal ob App aus dem Android Market oder ein per Micro-USB-Kabel überspieltes MP3-Lied - scannt und für kurze Aussetzer und einen Benachrichtigungston sorgt, um bekannt zu geben, dass die Datei sauber ist.

Positives
Aber auch wenn es Slowdowns, mangelndes Auto-Update und „Nah“s gibt, hat LG ein paar Sachen bei der Android-Oberfläche richtig gemacht. So kann bei der Anzahl der Homescreens zwischen drei, fünf und sieben gewählt werden, beim Einrichten der E-Mail-Adresse werden fünf Voreinstellungen für heimische Betreiber angeboten und das Programm-Menü kann in drei Stilen angezeigt, die Icons können in verschiedenen Kategorien angeordnet werden. Flash from the past: Sogar eine Myspace-App ist neben Facebook und Twitter vorinstalliert.

Auch auf der Hardware-Seite gibt es noch Positives zu berichten. Das 4-Zoll-Display (800x480 Pixel) liefert kräftige Farben und ist auch bei direkter Sonnenbestrahlung noch einigermaßen zu gebrauchen. Auch die Stereo-Lautsprecher an der Unterseite leisten gute Arbeit. Der 1500mAh-Akku konnte ebenfalls überzeugen. Trotz Dual-Core-CPU ist das Optimus Speed genügsam und hält problemlos einen Arbeitstag mit gelegentlichen FullHD-Video-Playback und Gaming durch.

Fazit
Vielleicht waren die Erwartungen an das erste Zweikern-Handy zu hoch. Vielleicht war LG auch so sehr darauf aus, dass erste Dual-Core-Smartphone anbieten zu können, dass zu wenig Zeit in die Optimierung von Android geflossen ist. Mit dem Update auf Android 2.3 im Juni könnte es besser werden, muss es aber nicht. Bis es soweit ist, ist das Optimus Speed hauptsächlich zu empfehlen, wenn man vor hat, dass Smartphone regelmäßig per HDMI am Flat-TV anzuschließen.